Handball-3. Liga Daniel Brack und Neuhausen: eine Verpflichtung, die Erwartungen weckt

Daniel Brack, hier noch als Coach des HC Oppenweiler/Backnang, gibt in Neuhausen bald die sportliche Richtung vor. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Daniel Brack trainiert ab der kommenden Saison den Handball-Drittligisten TSV Neuhausen und will einen Schritt nach dem anderen machen.

Reporter: Sigor Paesler

„Mir haben Leute auch gesagt, dass das wie die Faust aufs Auge passt“, sagt Daniel Brack und berichtet damit von Gesprächen, noch bevor sein Engagement als Trainer des Handball-Drittligisten TSV Neuhausen ab der kommenden Saison klargemacht wurde. Die Verhandlungen, erzählt er weiter, gingen dann schnell über die Bühne. Intensiv waren sie dennoch. Alleine deshalb, weil Brack und der neue Manager Dennis Saur seit Kindestagen befreundet sind. Sie waren Gegenspieler, später wurden sie gemeinsam deutscher Hochschulmeister und auch sonst kreuzten sich ihre Wege immer wieder. „Gerade wenn man sich so gut kennt, muss man einige Dinge besonders klar besprechen“, erklärt Saur – jetzt freuen sich beide tierisch auf die Zusammenarbeit.

 

Zwischen Vision und Realismus

Brack, der einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieb, beerbt Tobias Klisch, dessen Kontrakt die Neuhausener zum Saisonende eine Klausel nutzend gekündigt haben. Als das bekannt war, stand Bracks Name sofort im Raum. Auch Klisch bezeichnet Brack als Freund – die beiden haben jedoch die Sache geklärt. Darüber, ob er im Falle eines möglichen vorzeitigen Abgang Klischs früher einsteigen könnte, hat sich Brack „keine Gedanken gemacht, ich glaube aber nicht, dass sich die Frage stellen wird“. Auch Saur betont, dass der Verein die Runde mit seinem Noch-Coach „professionell zu Ende bringen“ will.

Klar ist, dass Ex-Bundesligaprofi Brack, der bis zum vergangenen Sommer den HC Oppenweiler/Backnang und davor den VfL Pfullingen und lange den TV Plochingen trainiert hat, den Posten nicht annimmt, weil man sich gut kennt und weil er es von daheim in Denkendorf nicht weit in die Egelseehalle hat. „Neuhausen hat sich zuletzt in der 3. Liga stabilisiert. Natürlich muss es das Ziel sein, ein paar Plätze nach oben zu rutschen“, sagt der zukünftige Trainer.

Die Arbeitsteilung zwischen ihm und Saur ist da klar: Der Manager ist der Visionär, der Trainer schaut auf die nähere Zukunft. „Wir haben keinen Druck. Aber es ist das Ziel, irgendwann auf einem Platz zu stehen, der den Aufstieg in die 2. Bundesliga bedeutet“, erklärt Saur. Brack sagt: „Über die 2. Bundesliga zu sprechen, ist mir deutlich zu früh, lasst uns einen Schritt nach dem anderen machen.“ Der nächste ist, ein schlagkräftiges Team für die kommende Saison aufzubauen, denn der eine oder andere verdiente Spieler wie Kapitän Hannes Grundler wird seine Karriere beenden.

Auch über einen möglichen Zusammenschluss mit dem Kooperationspartner HSG Ostfildern hat sich Brack „kurz nach der Vertragsunterschrift noch nicht so viele Gedanken gemacht“. Er findet aber, es sei „ein Fernziel, über das alle nachdenken müssen, um einen Schritt nach vorne zu machen“ und verweist zudem als „Scharnhauser Junge“ auf seine emotionale Nähe zur HSG.

Inhalt der Vertragsgespräche war natürlich auch der Umgang mit dem eigenen Nachwuchs aus besagter Kooperation. Denn der Umstand, als Drittligist einen Unterbau mit zwei Teams in der Jugend-Bundesliga zu haben, ist einmalig. Aber er birgt auch Konfliktpotenzial. „Das ist der kritische Punkt“, sagt Brack ohne Umschweife, „jeder Trainer will seinen persönlichen Triumph, das erfordert Absprachen und Kompromisse.“ Genau das wurde vereinbart. „Wir müssen das in einer guten Kommunikation lösen, darin sehe ich meine Aufgabe“, sagt Saur und betont, dass Brack auch deshalb eine Idealbesetzung sei, „weil er bei Spielern nach der Jugend noch mehr Fähigkeiten entwickeln kann.“

Viele Konkurrenten, auch darauf weist Brack hin, haben größere finanzielle Möglichkeiten. Die Filderhandballer haben die JANO. Allerspätestens hier kommt Magnus Gründig ins Spiel, der in Zukunft übergeordnet die Kaderplanung in Neuhausen, Ostfildern und der JANO-Filder-Jugend koordinieren soll – und Coach der zurzeit sehr erfolgreichen A-Jugend ist. „Als das mit dem Nachwuchs geklärt war, war für mich ein Haken dran“, sagt Gründig zu den Gesprächen. Und auch Brack betont, dass die Entwicklung der einzelnen Spieler im Mittelpunkt stehen solle – und überhaupt das Positive: „Viele Trainer in der 3. Liga haben gar keine Möglichkeit, auf Spieler aus der Jugend-Bundesliga zurückzugreifen.“ Saur wiederum begründet seine hochgesteckten Ziele auch damit, „den jungen Spielern eine Plattform zu bieten, dass sie bleiben können. Am Ende der Kette steht die erste Mannschaft“.

Die nahe liegende Lösung ist es nun also geworden. Was Brack in diesem Zusammenhang auch gehört hat: „Mir ist bewusst, dass durch meine Verpflichtung ein paar Erwartungen geweckt werden.“ Bei allem Ehrgeiz fügt er hinzu: „Wir müssen realistisch sein.“

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