Handball – 3. Liga In Neuhausen kehrt Ernüchterung ein

Tobias Haag (Zweiter von links) und Lukas Fischer werfen sich Max Preller in den Weg, aber sie und Torhüter Niklas Prauß sind gegen diesen Wurf machtlos. Foto: Jörn Kehle

Handball-Drittligist TSV Neuhausen verliert gegen den Elften Saase 3 Leutershausen mit 23:30 vor allem aufgrund einer schwachen Chancenverwertung.

Reporter: Sigor Paesler

Es war ein Abend, der nicht als Highlight in die Geschichte des Handballs beim TSV Neuhausen eingehen wird. Eine Zweiminutenstrafe, die die Zeitnehmer übersahen, der kurzzeitige Ausfall der Anzeigetafel, viele Unterbrechungen, sage und schreibe 28 Minuten an Zeitstrafen, eine haarsträubende Chancenverwertung der Heimmannschaft, ein enttäuschender Zuspruch auf den Rängen – und eine verdiente 23:30 (11:15)-Niederlage der Neuhausener in der 3. Liga gegen den Tabellenelften Saase 3 Leutershausen.

 

Maddogs-Trainer Daniel Brack hatte für all das zumindest teilweise eine Erklärung. „Es ist das Gleiche wie in den vergangenen Wochen: Ich habe eine immer wechselnde Trainingsgruppe zur Verfügung.“ So taktisch etwas auf die Beine zu kriegen, ist schwer. Diesmal fehlten auch im Spiel erneut die TVB-Stuttgart-Neuprofis Linus Schmid und Max Heydecke. Dafür sprang zum zweiten Mal Routinier Hannes Grundler ein. Das Wort „Abwärtsspirale“ nahm Brack zwar gleich wieder zurück, aber beim Begriff „Durststrecke“ ging er mit.

Zwar war es nur die zweite Niederlage in Folge und zuvor beim 37:40 bei Spitzenreiter SV Salamander Kornwestheim hatten die Neuhausener ordentlich gespielt. Aber insgesamt ist nach dem starken Saisonstart Ernüchterung eingekehrt – was sich auch tabellarisch in Platz acht widerspiegelt.

„Eine riesige Mannschaft“

Brack stellte gleichzeitig und ebenso zurecht fest: „In der ersten Hälfte hatten wir vier bis fünf Mal die Chance auszugleichen.“ Aber die Mannschaft schaffte es eben nicht. Mal traf ein Spieler den Pfosten, dann scheiterte Lukas Fischer gleich zwei Mal in Folge vom Siebenmeterstrich. Statt 11:11 nach eben seinem zweiten Fehlschuss stand es kurz darauf 10:13, noch etwas später 10:15 und zur Pause 11:15. Das war eine Hypothek.

Insgesamt zeigten die Leutershausener mehr von dem, von dem die Neuhausener zu wenig zu bieten hatten: Ihr Spiel war souveräner, zunehmend selbstbewusster, das Wurfglück erzwingender und vor allem körperlicher. „Wir konnten uns darauf einstellen, Leutershausen hat eine riesige Mannschaft“, erklärte Neuhausens Rückraumspieler Tobias Haag und meinte damit die durchschnittliche Körpergröße des Gegners. „Wir wussten, dass wir da hingehen müssen, wo es weh tut“, sagte Haag – und es tat weh, häufig ihm. Von den 28 Minuten an Zeitstrafen kassierten die Leutershausener 18, davon zehn in der ersten Hälfte und zwei aufgrund von roten Karten. Neuhausens Physiotherapeut Martin Kober war im Dauereinsatz.

Als unfair konnte das Spiel der Leutershausener aber nicht bezeichnet werden. Zudem hatten sie nicht nur die langen Kerle, sondern in dem verhältnismäßig schmächtigen Spielmacher Max Preller auch den besten Akteur des Abends in ihrem Trikot stecken.

„Wir haben einfach zu viel verworfen“, redete Haag nicht um den heißen Brei herum. Auch im zweiten Durchgang warfen die Maddogs alles rein, Haag und Fischer versuchten dabei, voranzugehen. Aber die Leutershausener konterten, behaupteten ihren aussichtsreichen Vorsprung und brachten ihn, ganz am Ende sogar etwas ausgebaut, über die Zeit. Die Neuhausener Hypothek aus der Schlussphase der ersten Hälfte war eben zu groß.

Hannes Grundlers Comeback

Während Haag zwischen Frust, Jetzt-erst-Recht-Haltung und Anerkennung für den Gegner schwankte, konnte Grundler kurz nach der Schlusssirene lächeln. Das Maddogs-Urgestein hatte sich während der Fasnet von Brack überreden lassen, kurzzeitig aus dem Handball-Ruhestand zurückzukehren. Es war sein zweiter Comeback-Auftritt, der erste in der heimischen Egelseehalle. Grundler hatte sich sogar extra neue, weiß glänzende Schuhe gekauft. „Ich habe sie so gewählt, dass ich sie auch fürs Tennis verwenden kann“, sagte er und lachte. Und zu seinem Spiel: „Mir hat es Spaß gemacht. In der Abwehr bin ich zufrieden mit mir nach vier Trainingseinheiten nach neun Monaten Pause.“ An ihm lag die Niederlage jedenfalls nicht und auch er machte den Hauptgrund an der Chancenverwertung fest.

Coach Brack versucht derweil, die Gegebenheiten zu nehmen, wie sie sind, und das Beste draus zu machen. „Wir müssen uns da jetzt rauskämpfen“, sagte er. Auf dass es wieder über Highlights des Neuhausener Handballs zu berichten gibt.

TSV Neuhausen: Prauß (1), Pol, Hamann; Julien Sprößig (1), Huss, Marlin Sprößig, Haag (5), Grundler (1), Reinhardt, Baumann (2), Sommer (2), Fischer (5/2), Keppeler (5/2), Kosak (1).

Saase 3 Leutershausen: Luba (1), Ullrich, Mangold; Schreiber (6/2), Gutsche (4), Salger (2), Krämer (3), Schwarzer, Schetters, Moritz Keller, Leun (1), Bauer, Bitz, Leon Keller, Preller (8), Kessler (5/1).

Schiedsrichter: Jan Lier / Manuel Lier (Korntal-Münchingen/St.Gallen).

Zuschauer: 300.

Zeitstrafen: 10:18 – zwei Mal zwei Minuten für Kosak (Neuhausen), Krämer, Salger (Leutershausen), zwei Minuten für Haag, Baumann, Grundler (Neuhausen), Bitz, Schreiber, Keller, Leun, Kessler (Leutershausen).

Rote Karten: Bitz, Salger (Leutershausen, grobes Foulspiel).

Beste Spieler: Prauß, Grundler / Preller, Luba, Schreiber.

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