Handball – 3. Liga Mit der 3. Liga vollauf zufrieden

Franziska Kaupp kommt geflogen. Foto: Carsten Riedl

Beim 30:27 gegen das Kellerteam HSG St. Leon-Reilingen tun sich die Drittliga-Handballerinnen des TSV Wolfschlugen lange schwer. Fast niemand will aufsteigen.

Die Drittliga-Handballerinnen des TSV Wolfschlugen fuhren im letzten Heimspiel der Runde einen 30:27 (12:13)-Erfolg über die HSG St. Leon-Reilingen ein und bleiben damit einen Spieltag vor dem Ende der Saison im Rennen um Platz zwei. Für die Gäste aus dem Rhein-Neckar-Kreis steht nach der Niederlage indes der Abstieg in die Regionalliga fest. Ein Spaziergang war die Partie für die Hexenbanner-Frauen aber nicht – die HSG kämpfte über die gesamte Spieldauer mit viel Leidenschaft und hatte kurz vor der Schlusssirene sogar noch Chancen auf einen doppelten Punktgewinn.

 

Für TSV-Spielmacherin Meike Wohnus war das keine Überraschung: „Gegen St. Leon-Reilingen war es schon oft knapp. Die Spielerinnen geben praktisch nie auf. Es war klar, dass es nicht einfach wird.“ Dazu kam, dass die Wolfschlugenerinnen nach zwei Niederlagen in Folge nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzten und zudem in Antonia Amann (Schulterverletzung) und der erkrankten Jasmin Dirmeier kurzfristig auf zwei wichtige Stammspielerinnen verzichten mussten. So machte sich hinten das Fehlen von Dirmeier im Mittelblock ein ums andere Mal bemerkbar, vorne fehlte Amann als Spielgestalterin. „Da muss man nicht groß drumherumreden – mit den beiden haben uns zwei gute Akteurinnen gefehlt“, sagte Wolfschlugens Trainer Simon Hablizel, „trotzdem hat es der Rest des Teams über weite Strecken sehr gut gemacht.“

Persönliche Zäsur für Hablizel

Auch Hablizel hatte eine enge Partie gegen die mit dem Rücken zur Wand stehende HSG erwartet. Er behielt recht: Nach einem 12:13-Rückstand zur Pause, der hauptsächlich einer überaus miesen Wolfschlugener Chancenverwertung geschuldet war, hatten sich die Gastgeberinnen beim 25:20 (49.) zwar einen Fünf-Tore-Vorsprung erarbeitet – beim 27:28 (59.) war St. Leon-Reilingen aber wieder dran. „Die HSG hat eine richtig gute Abwehr gespielt“, zollte Hablizel dem Gegner, der sich vor eineinhalb Wochen von seinem bisherigen Coach Daniel Weinheimer getrennt hatte, Respekt. Trotz offener Deckung in den letzten 30 Sekunden behielten die Hexenbanner-Frauen die Nerven. Dennoch fand auch HSG-Interimscoach Miguel Stegmüller lobende Worte: „Ich bin sehr stolz auf das Team. Wir sind sicherlich nicht als Favorit in die Partie hier gegangen, danach sah es aber lange nicht aus.“

Für Hablizel war das letzte Heimspiel der Saison eine persönliche Zäsur: Er legt seine Taktiktafel aus beruflichen und familiären Gründen erst mal beiseite und steht den Wolfschlugenerinnen anders als geplant künftig doch nicht als Co-Trainer zur Verfügung. „Das waren zwei tolle Jahre hier, in denen viele Freundschaften entstanden sind. Aber jetzt sind erst mal die Familie und der Job dran“, resümierte Hablizel. Sein Saisonfazit: Nach Platz zwei in der vergangenen Runde habe es zwar nicht für den Titel gereicht, denn den lassen sich die Kurpfalz Bären nicht mehr nehmen: „Aber gewinnen wir das letzte Saisonspiel bei der SG Kappelwindeck/Steinbach stehen wir von den Punkten her besser da als nach der Runde 2024/2025.“

Finanzielle und weitere Gründe

Der Noch-Coach wertet das als Erfolg – auch wenn das für Außenstehende angesichts des erneuten Verzichts der Wolfschlugenerinnen auf eine mögliche Aufstiegsrelegation in die 2. Bundesliga aus finanziellen Gründen vielleicht schwer nachzuvollziehen ist. Es ist ein Thema, das Handball-Deutschland derzeit schwer beschäftigt – im Frauen- wie im Männerbereich. Bei den Frauen geht es soweit, dass es keinen Absteiger aus der 2. Bundesliga geben wird, da nicht genügend Lizenzanträge gestellt wurden. Auch der Süd-Meister Kurpfalz Bären will nicht aufsteigen. Neben dem Finanziellen spielen dabei aber weitere Gründe eine Rolle. „Man muss bedenken, dass bei uns zum Beispiel einige Spielerinnen schon voll berufstätig sind und die 2. Bundesliga mit einem größeren zeitlichen Aufwand verbunden ist“, erklärte Wohnus. Zu den vielen weiteren Auswärtsfahrten, bei denen oft das komplette Wochenende draufginge, käme im Falle eines Aufstiegs in die eingleisige 2. Bundesliga wohl eine zusätzliche Trainingseinheit dazu – schwer zu stemmen neben einem Vollzeitjob als Personalreferentin bei einem großen sozialen Dienstleister wie bei Wohnus, wie die 26-Jährige zugibt: „Wäre ich noch im Studium, wäre das vielleicht was anderes, aber so bin ich mit der 3. Liga vollauf zufrieden.“

TSV Wolfschlugen: Thiemann, Schmied, Grebe; Aurenz (1), Weißer (1), Wurster (5), Blessing (7/2), Wohnus (4), Braune, Kühnel, Oral (3), Allgaier (4), Kaupp (5).

HSG St. Leon-Reilingen: Friedrich, Dörr, Lang; Nicole Weschenfelder (1), Nussbaumer (1), Scholl (7), Hofmann, Haupt (3), Hornstein (4), Köhler, Celina Weschenfelder (1), Schulz (2/1), Stegmüller, Schieszl, Baumann (3), Rimpf (5/5).

Schiedsrichter: Patrick Herz / Michael Thurner (Herrsching).

Zuschauer: 310.

Zeitstrafen: 4:6 Minuten – zwei Mal zwei Minuten für Baumann (St. Leon-Reilingen), zwei Minuten für Braune, Kühnel, Oral, Kaupp (Wolfschlugen), Nussbauer (St. Leon-Reilingen).

Beste Spielerinnen: Wohnus, Wurster / Haupt, Scholl.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Dritte Liga