Handball – 3. Liga Ralf Bader: „Da hab’ ich keine Lust mehr drauf“
Trainer Ralf Bader spricht im Interview über seinen neuen Job bei der HSG Konstanz, sein Verhältnis zum Spitzenhandball und das Duell mit seinem Ex-Club TSV Neuhausen.
Trainer Ralf Bader spricht im Interview über seinen neuen Job bei der HSG Konstanz, sein Verhältnis zum Spitzenhandball und das Duell mit seinem Ex-Club TSV Neuhausen.
Manchmal werden Karrieren auch vom Zufall gesteuert. Während Ralf Bader das Traineramt beim Schweizer Handball-Erstligisten HSC Kreuzlingen inne hatte, ließ er sich mit seiner Familie ein paar Kilometer entfernt auf der deutschen Seite der Grenze in Konstanz nieder. Die Kreuzlinger haben zum Ende der vergangenen Saison ihre Mannschaft aus finanziellen Gründen zurückgezogen. Und „drüben“ beim Drittligisten HSG Konstanz trat ein paar Monate später Coach Vitor Baricelli zurück. Bader übernahm zum Jahresstart 2026 und kann nun sogar zu Fuß zum Training gehen. Und wie es der Zufall weiter will, kam zu seinem ersten Spiel als HSG-Coach sein Ex-Club VfL Pfullingen in die Schänzle-Sporthalle – und an diesem Sonntag (17 Uhr) tritt er mit den Konstanzern beim TSV Neuhausen an, wo er seine erste Station als Coach einer Männermannschaft hatte. Zu all dem äußert sich der 45-jährige ehemalige Bundesligaspieler im Interview.
Hätten Sie sich vor ein paar Wochen vorstellen können, dass sie im Januar mit einer Mannschaft gegen ihre ehemaligen Clubs VfL Pfullingen und TSV Neuhausen spielen würden?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin ziemlich frustriert aus dem Engagement in Kreuzlingen ausgestiegen. Mein Vertrag lief noch, aber es gab keinen professionellen Handball mehr. Ich habe zuletzt in der Jugendarbeit so viel gemacht, wie ich konnte. Wir wollen als Familie nicht mehr weg aus der Region, wollen uns am Bodensee niederlassen. Mit meinem Abschluss als Sportwissenschaftler kann ich in der Schweiz als Sportlehrer arbeiten und hab da auch schon etwas angefangen. Ich kann mir nicht vorstellen, wieder etwas im höherklassigen Handballbereich zu machen – die HSG Konstanz war da aufgrund der räumlicher Nähe schon im Hinterkopf, ich wohne direkt hinter dem Parkplatz der Halle. Aber gerechnet habe ich damit nicht, daher ging es dann schneller als gedacht.
Dann ist das Engagement ein Glücksfall für Sie?
Ich glaube, nach den Gesprächen kann man sagen, dass es ein Glücksfall für beide Seiten ist. Denn ich habe schon klare Vorstellungen: Wenn ich so etwas anfange, muss es eine Mission sein, die mehr umfasst, als den kurzfristigen Erfolg einer ersten Männermannschaft. Mir geht es darum, etwas aufzubauen, dass es von den Kleinsten bis zur Männermannschaft einen roten Faden und eine Philosophie gibt. Genau das hat die HSG auch gesucht. Sie möchten da wieder etwas aufbauen und sich neu erfinden, die Handballkultur in Konstanz wieder neu beleben. Es ist für mich mehr, als nur die erste Mannschaft zu trainieren.
Sportlich hat die Mannschaft schon bessere Zeiten erlebt.
Ja, genau. Es ist ja kein Geheimnis: Man ist zum x-ten Mal in die 2. Bundesliga aufgestiegen und sang- und klanglos wieder runtergegangen. In der 3. Liga waren die Ansprüche dann wieder hoch. Aber es war offensichtlich, dass die Mannschaft den Ansprüchen nicht gerecht werden kann, souverän oben mitzuspielen. In so einer Situation kommt schnell Unzufriedenheit auf. Ich kenne das alles, ich habe das als Trainer ja schon erlebt, etwa in Großwallstadt. Aus dieser Spirale kommt man sehr schwer heraus. Trotzdem herrschte bei den Verantwortlichen in Konstanz keine Alarmstimmung. Mein Eindruck ist, dass man das in Ruhe analysiert, auf Entwicklung stellt und weiß, dass man von unten ansetzen und etwas aufbauen muss.
Sie haben einen Vertrag bis zum Sommer 2028 unterschrieben. Trotz allem schauen die Leute auf die kurzfristigen Erfolge. Wie lautet da Ihre Zielsetzung?
Eine Zielsetzung bis 2028 zu formulieren, wird schon schwierig. Wir basteln jetzt erst einmal am Kader für die kommende Saison. Es ist klar, dass wir mit eigenen Talenten arbeiten werden, auch mit welchen, die aus der Region für die zweite Mannschaft geholt wurden. Das haben sie in Konstanz schon immer gut gemacht. Wir werden auch aus finanziellen Gründen nur mit Augenmaß verpflichten. Wir wollen, dass die Fans – die Fanbase ist brutal gut und sehr verwurzelt in der Stadt – wieder begeistert sind von Ihrer Mannschaft. Und natürlich muss man sportlich eine Entwicklung sehen. Wo wir uns jetzt befinden, ist zu wenig. Aber ganz vorne sehe ich die Mannschaft in der kommenden Runde auch nicht.
Sie haben gesagt, dass sie sich erst einmal vom ganz hochklassigen Handball verabschiedet haben. Aber sie haben ja schon zwei Mal – in Bietigheim und in Kreuzlingen – in einer höchsten nationalen Spielklasse gearbeitet. Zieht es Sie nicht doch irgendwann wieder da hin?
Ach, in meiner aktuellen Lebenssituation gar nicht. Es ist ein brutaler Job, in der Schweiz allerdings wesentlich weniger als in Deutschland. Man ist ganz arg abhängig von Ergebnissen – egal, ob man etwas dafür kann oder nicht. Was die äußeren Umstände betrifft, habe ich auch schon viel erlebt – dass Leute reinreden, die keine Ahnung haben, dass versprochenes Geld auf einmal nicht da ist, sondern es eher Millionenschulden gibt. Da hab’ ich keine Lust mehr drauf.
Schauen wir auf die Gegenwart und das Spiel in Neuhausen: Wie sehen Sie die Entwicklung dort?
Sehr positiv. Ich glaube, der Umbruch ist jetzt vollzogen. Es waren davor schon sehr bodenständige Spieler an Bord, die verantwortlich für den Erfolg waren. Ich denke dabei an Hannes Grundler und Timo Durst – ich mag die Jungs ganz arg. Jetzt kommt die Generation, die vom eigenen Verein mit Plan und mit Weitsicht ausgebildet wurde. Man sieht, dass der Plan aufgeht und dass man sich nicht verrennt. Die JANO Filder ist mittlerweile in Handball-Deutschland jedem ein Begriff. Die Frage ist dann, welchen sportlichen Profit die Neuhausener daraus ziehen können, denn die Begehrlichkeiten sind ja schon geweckt.
Welches Duell ist für Sie emotionaler, das gegen Pfullingen oder das jetzt gegen Neuhausen?
Pfullingen waren zehn Jahre meiner Karriere, die ersten zehn Profijahre. Da steckt schon noch viel Herzblut drin, auch wenn es zeitlich weiter weg ist als etwa auch der TV Neuhausen/Erms, zu dem mich noch sehr tiefe Freundschaften verbinden. Neuhausen/Filder war ein toller Schritt in meiner Trainerkarriere. Ich durfte viel lernen, ich bin immer noch dankbar für diese Chance. Die Konstellation mit Markus Locher (damals wie heute Co-Trainer, Anm. d. Red.) war optimal. Ich denke nur positiv an ihn zurück: Er war mein Jugendtrainer, er war mein Co-Trainer – er hat mir immer nur geholfen, besser zu werden. Ich habe sehr positive Erinnerungen an die Zeit.
Gegen Pfullingen haben Sie bei Ihrem Debüt auf der Konstanzer Bank knapp mit 32:33 verloren. Was erwarten Sie vom Spiel in Neuhausen?
Ich erwarte von meiner Mannschaft ganz klar eine bessere Angriffsleistung – das war im vergangenen Spiel gegen die SG Köndringen/Teningen (31:27, Anm. d. Red.) gar nichts. Da hat einiges zusammengespielt, vielleicht waren die Jungs auch ein bisschen überladen von mir mit neuen Informationen und konnten das unter Stress nicht abrufen. Es gab aber auch Gründe für den Trainerwechsel im Winter, es kommen immer wieder alte Mechanismen hoch. Daher schauen wir zurzeit mehr auf uns als auf den Gegner. Ich denke, ich habe das Niveau in der Mannschaft, dass wir jeden Gegner schlagen können. Aber wir sind halt aktuell weit weg davon, das Optimum abzurufen.
Spieler
Der Heimatverein von Ralf Bader, 45, ist der VfL Pfullingen, bei dem er in der Jugend spielte und mit dem er im Jahr 2002 den Aufstieg in die Bundesliga feierte. Im Jahr 2006 wechselte er zum damaligen Regionalligisten TV Neuhausen/Erms, mit dem er im Jahr 2012 ebenfalls den Sprung in die Bundesliga schaffte. Im Jahr 2015 beendete Bader, der den Spitznamen „Badinio“ bekommen hatte, seine Karriere als Spieler.
Trainer
Bader begann seine Trainerkarriere bei der A-Jugend der JSG Echaz/Erms. Von 2016 bis 2018 trainierte er die Männer des TSV Neuhausen und führte die Mannschaft in der ersten Saison zurück in die 3. Liga. Anschließend wechselte er zur frisch in die Bundesliga aufgestiegenen SG BBM Bietigheim. Nach der Beurlaubung dort im Februar 2019 übernahm er im Sommer 2019 den Drittligisten TV Großwallstadt und stieg mit der Mannschaft in die 2. Bundesliga auf. Von März 2022 bis Oktober 2023 war Bader ohne Trainerjob, dann stieg er beim Schweizer Erstligisten HSC Kreuzlingen ein. Nachdem der Verein seine Mannschaft aus der Schweizer Liga zurückgezogen hatte, arbeitete Bader dort im Jugendbereich weiter. Im Januar 2026 übernahm er den Drittligisten HSG Konstanz, wo er einen Vertrag bis zum Sommer 2028 unterschrieb.