Handball – 3. Liga Scheidender Trainer Tobias Klisch: „Es war schon schwierig“

Noch zwei Mal steht Tobias Klisch neben der Neuhausener Bank. Foto: Herbert Rudel

Handball-Trainer Tobias Klisch verabschiedet sich früher als ursprünglich geplant vom TSV Neuhausen. Es ist das Ende einer nicht einfachen Beziehung.

Reporter: Sigor Paesler

Platz sechs, 30:26 Punkte. So gehen die Drittligahandballer des TSV Neuhausen am Samstag (19.30 Uhr) in das letzte Saisonheimspiel gegen den unangefochtenen Spitzenreiter HC Oppenweiler/Backnang. Das hätte den Maddogs Mitte November vergangenen Jahres vermutlich nicht jeder im Umfeld des Vereins zugetraut. Vor allem haben nicht alle damit gerechnet, dass Tobias Klisch noch als Trainer auf der Bank sitzen wird. Damals hatte die Vereinsführung dem Coach mitgeteilt, seinen noch bis zum Sommer 2026 laufenden Vertrag aufzulösen. Das war nach den Inhalten des Kontrakts möglich. Aber es wurden Gräben aufgerissen, die auch mit dem Auseinandergehen in einer Woche nicht zugeschüttet sein werden.

 

Über die Gründe der Trennung hatten beide Seiten geschwiegen. Klisch wiederholt aber auch jetzt: „Es waren ja keine sportlichen. Ich finde es nach wie vor nicht richtig, wie es abgelaufen ist. Es ist viel kaputtgegangen.“ Für ihn kam es überraschend. Die Verbitterung war – und ist immer noch – so groß, dass er sich entschloss, nach dem Saisonende mindestens eine Pause vom Handball zu machen. Daran hat sich nichts geändert: „Ich habe alles abgelehnt, ich habe keinerlei Gespräche geführt. Ich habe kein Interesse.“ Der ebenfalls scheidende sportliche Leiter Markus Fuchs sieht es mit ein bisschen Abstand so: „Im Nachhinein würde ich ein paar Dinge anders machen. Aber es hätte keine andere Entscheidung gegeben. Es ging um das Beste für den Verein.“ Und er fügt hinzu: „Wenn etwas nicht optimal läuft, gehören mehrere Parteien dazu. Da nehme ich mich nicht raus.“

Fuchs betont aber auch: „Die Mannschaft und Tobi haben das sehr professionell zu Ende gebracht.“ Sofort hinzuschmeißen war für Klisch jedenfalls „kein Weg“, wie der 37-Jährige erklärt: „Es war schon schwierig und es hat mich ein paar Nächte gekostet, darüber nachzudenken. Aber ich habe einen Vertrag und es macht mir eigentlich auch Spaß.“ Eine „ganz, ganz große Rolle“ habe Markus Locher gespielt. „Er ist der beste Co-Trainer der Liga“, sagt Klisch, „er war für mich da und er war für die Jungs da.“

„Stinkstiefelig“ sein hilft nicht

Auch für die Spieler war nach Aussage von Kapitän Hannes Grundler klar, mit Klisch die Runde zu Ende bringen zu wollen, und das sehr ordentlich. „Wir wollten alle aus der Situation so gut wie möglich rauskommen“, erklärt Grundler, „es hilft ja nicht, wenn einer stinkstiefelig ist.“ Gerade ihm war angesichts des Endes seiner langen Karriere wichtig, „eine schöne Platzierung zu holen“. Klisch wiederum rechnet das den Spielern hoch an, andererseits könne man ein entsprechend professionelles Auftreten in der dritthöchsten Spielklasse erwarten. Während sich der Trainer am Samstagabend vom Neuhausener Publikum verabschiedet, wird es für Grundler und seinen langjährigen Mitstreiter Timo Durst am 28. Juni noch ein Abschiedsspiel geben.

Er selbst sei mit Klisch gut ausgekommen, erklärt Grundler. Für die anderen im Team gelte das „im Prinzip“ ebenso: „Ich sehe aber, dass einzelne Spieler nicht zufrieden sind.“ Klisch sei „ein lieber Kerl, vielleicht ist er in manchen Situationen zu angespannt und zu verkopft“. Auf die Frage, was von der Ära Klisch bleibe, muss Grundler ein bisschen überlegen. Grundsätzlich sei das nach zwei Jahren schwer zu beantworten. „Es hat sich selten so angefühlt, dass wir richtig gut gespielt haben“, sagt er dann, „aber wir sind von einer Fahrstuhlmannschaft zu Platz sechs gekommen, da ist eine Entwicklung zu sehen.“ Der Coach habe die jungen Spieler weitergebracht, wobei er nach Grundlers Geschmack dem einen oder anderen noch mehr Spielzeit hätte geben können.

Wenn sie zur Verfügung standen. Denn die Einsätze besagter Nachwuchsspieler aus der Bundesliga-A-Jugend der JANO Filder im Drittligateam waren der augenscheinlichste Konfliktpunkt zwischen Klisch und der Clubführung. „Mit ihnen gehören wir zu den Top-Fünf-Mannschaften der Liga, ohne sie sind wir ein Mittelfeldteam“, sagt der Trainer.

Froh, manche nicht mehr zu sehen

Nach dem Saisonabschluss am 4. Mai in Schwetzingen wird sich Familienvater Klisch – abseits seines Lehrerjobs – ins Privatleben zurückziehen. „Die tägliche Arbeit in der Halle wird mir fehlen, ich bin ein Wettkampftyp“, sagt er, aber auch: „Ich freue mich auf die freie Zeit.“ Und auch: „Ich bin froh, dass ich manche Personen nicht mehr sehen muss.“ Daran, dass die Runde für die Maddogs sportlich ordentlich endet, habe er übrigens „keine Zweifel“ gehabt, erklärt der Coach. Fuchs will Klisch „auch in Zukunft die Hand geben“, wie er betont. Und wie wird das für den scheidenden Trainer am Samstagabend nach dem Spiel gegen Oppenweiler/Backnang sein? Klisch: „Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“

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