Unter dem Regenbogentuch hindurch: Für die „Schönbuch-Füchse“ ist jedes Training ein großer Spaß. Foto: Vanessa Frey
Die neuen „Schönbuch-Füchse“ der HSG Schönbuch bieten jeden Mittwoch ein Handballtraining für Kinder mit geistigen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen an. Initiiert wurde das Inklusionsprojekt von Marielle Bohm, für die das Vorhaben eine Herzensangelegenheit ist.
Vanessa Frey
18.02.2025 - 12:05 Uhr
Mit leuchtenden Augen, kreischend und voller Freude rennen sie gemeinsam mit ihren Betreuerinnen geschwind unter dem regenbogenfarbenen Schwungtuch hindurch. Den Handball fest im Griff über das Trampolin drüber und dann rein damit in den großen Kasten. Es ist ein ganz besonderes Team, welches sich seit Anfang Februar jeden Mittwochnachmittag im Sportzentrum in Weil im Schönbuch trifft, um dort gemeinsam eine Stunde zu trainieren.
Die „Schönbuch-Füchse“ der HSG Schönbuch sind ein Angebot für Kinder von sechs bis zwölf Jahren mit geistigen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen. Sie sind Teil der „Glücksliga“, einer deutschlandweiten Initiative, die behinderten Kids und Jugendlichen die Möglichkeit bietet, ebenfalls Teil der Sportwelt zu sein.
„Wir wollen alles dafür tun, den Kindern zu zeigen, dass sie auch einen Platz haben und dazugehören“, erklärt Leiterin Marielle Bohm das oberste Ziel hinter dem neuen Inklusionsprojekt auf der Schönbuchlichtung. Sie selbst ist Mutter einer Tochter, die mit dem Down-Syndrom auf die Welt kam. „Als sie zwei Tage alt war, hat mir meine beste Freundin Mut zugesprochen und mir direkt von der ,Glücksliga’ aus Dänemark erzählt – seither schlummerte dieser Gedanke in mir“, erklärt Bohm die Ursprünge der Idee, ein inklusives Trainingsangebot zu schaffen. „Es ist eine Herzensangelegenheit. Deshalb bin ich im vergangenen Jahr mit meinen Kindern nach Renningen gefahren und habe mir angeschaut, wie es dort umgesetzt wird.“
Die von ihr angesprochenen „Rankbach Rockets“ der SpVgg Renningen starteten vor knapp zwei Jahren unter der Leitung von Silke Bächtle das erste Projekt dieser Art im Kreis Böblingen. Die HSG Strohgäu ist mit ihren „Händicapsele“ der Vorreiter im Südwesten, die restlichen Teams in der „Glücksliga“ finden sich hauptsächlich im Norden der Republik. „Wir erleben in jedem Training immer wieder ganz wundervolle Momente“, nickt Silke Bächtle, die im zweiten Training der „Schönbuch-Füchse“ vorbeischaute, um sie offiziell mit einem Schal in der „Glücksliga“ zu begrüßen. „Wir wollen uns weiterhin austauschen und auch hier im Süden ein Netzwerk aufbauen. Das gehört ebenfalls zur Teilhabe dazu, denn in der ,Glücksliga’ sind die glücklichsten Kinder unterwegs.“
Silke Bächtle (re.) von den „Rankbach Rockets“ aus Renningen schaute im Training vorbei, um Marielle Bohm (Mitte) und ihre „Schönbuch-Füchse“ in der „Glücksliga“ willkommen zu heißen. Foto: Vanessa Frey
Marielle Bohm ergänzt: „Es gibt sonst kein Sportangebot im Team für diese Kids. Und ob das jetzt Handball ist oder nicht, ist zunächst zweitrangig.“ Gemeinsam mit ihren ehrenamtlichen Helferinnen bei den „Schönbuch Füchsen“ möchte sie jede Woche ein abwechslungsreiches Training bieten. „Wir lernen alle mit jedem Training etwas dazu“, lacht die derzeitige baden-württembergische Landestrainerin und unterstreicht nochmals die Wichtigkeit ihres Betreuerteams: „Ich habe nie konkret bei jemandem angefragt, alle haben von sich aus ihre Hilfe angeboten. Die kommen alle nicht aus Handballkreisen, sie wollen nur etwas Gutes tun.“ Für alle Beteiligten war die Premiereneinheit dabei eine Art Wundertüte.
Mit viel Geduld mussten sie sich erstmal an sich und die vielen Reize einer Sporthalle gewöhnen – jedes Kind mit unterschiedlichsten Anforderungen. „Das erste Training war schon spannend“, blickt Bohm schmunzelnd zurück. „Ich war gefühlt nervöser als vor meinem eigenen ersten Bundesligaspiel und habe auch im Nachhinein viel darüber nachgedacht.“ Denn nach Jahren der Gedankenspiele und Planungen wurde ihr Projekt nun endlich Realität.
Marielle Bohm erklärt den Kindern die Übungen. Foto: Vanessa Frey
Auch die HSG Schönbuch und die Gemeinde standen von Beginn an voll dahinter, und der Zulauf war auf Anhieb positiv. Ganz ohne Werbung sind bereits zehn Jungs und Mädels kleine Füchse geworden, stets begleitet von ihren Eltern. „Auch für sie ist diese eine Stunde ein tolles Erlebnis“, weiß Marielle Bohm aus eigener Erfahrung. „Sie sind glücklich, wenn es ihren Kindern gut geht und sie auch mal sehen, dass etwas möglich ist. Sonst hören sie immer nur, was alles nicht geht.“
Dieser Grundsatz ist ihre größte Motivation überhaupt: „Meine Tochter hat es genauso verdient, in die Halle zu gehen und Sport machen zu können. Ich wollte ihr zeigen: Es gibt auch ein Training für dich. Ich möchte ihr das Gefühl ermöglichen, auch Teil des Sportes zu sein.“
Mit Nele Franz und Luisa Schulze konnten zudem zwei Bundesligaspielerinnen als Patinnen für die „Schönbuch-Füchse“ gewonnen werden. „Sie werden bestimmt mal im Training vorbeischauen. Wir versuchen, mit den Bundesligavereinen eine Kooperation zu starten und vielleicht mal mit ihnen einzulaufen.“ Ganz getreu dem Schlachtruf der „Schönbuch-Füchse“: „Team, Team, Team – wir sind alle das Handball-Füchse-Team!“
Info
Idee aus Dänemark Die „Glücksliga Deutschland“ ist eine Initiative, die behinderten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben soll, ihrem Lieblingssport nachzugehen – genau wie andere Kinder. Die Idee von so einer „LykkeLiga“ kommt aus Dänemark von der ehemaligen Handball-Nationalspielerin Rikke Nielsen.
Immer mittwochs Die „Schönbuch-Füchse“ trainieren immer mittwochs von 17 bis 18 Uhr im Weiler Sportzentrum. Weitere Infos dazu gibt es unter www.hsg-schoenbuch.de im Internet.