Handball-Bundesliga TVB Stuttgart im Formcheck

Auf dem abwehrstarken Kreisläufer Oscar Bergendahl ruhen die größten Hoffnungen des TVB Stuttgart. Foto: Baumann/Sandy Dinkelacker

Im achten Jahr seiner Erstliga-Zugehörigkeit gibt der TVB Stuttgart erstmals nicht nur den Klassenverbleib als Saisonziel aus. Kann der Handball-Bundesligist die gestiegenen Erwartungen erfüllen.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Die Auftakthürde hat es für den TVB Stuttgart in sich: Der Handball-Bundesligist muss am ersten Spieltag zum deutschen Rekordmeister THW Kiel (Sonntag, 16.05 Uhr). Wir nehmen das neue TVB-Team unter die Lupe und geben eine Prognose ab.

 

Team Geschäftsführer Jürgen Schweikardt ist guter Dinge: Oscar Bergendahl soll nach seinen Schulterproblemen rechtzeitig fit werden für den Start am Sonntag. Auf dem schwedischen Neuzugang, als bester Abwehrspieler ins All-Star-Team der vergangenen EM gewählt, ruhen die größten Hoffnungen, die Deckung zu stabilisieren. Und dies ist auch dringend nötig: Mit 1032 Toren kassierte der TVB in der Saison 2021/22 die meisten Gegentreffer aller 18 Clubs. Neben Bergendahl sind auch die Neuzugänge Ivan Sliskovic und Jan Forstbauer gute und routinierte Defensivstrategen. Zudem hat Abwehrspezialist Fynn Nicolaus ein weiteres Jahr Bundesligaerfahrung hinter sich. Unterm Strich ist der TVB in der Hintermannschaft deutlich breiter aufgestellt und kann sich auch den einen oder anderen Abwehr-Angriff-Wechsel sparen.

Viel wird von den Torhütern abhängen, das Dauer-Wechselspiel mit insgesamt vier Keepern ist vorbei. Es gibt eine klare Hierarchie. Grundsätzlich ergänzen sich Silvio Heinevetter (37) und Miljan Vujovic (22), was Alter und Torwartstil angeht, gut. Im Angriff könnte der rechte Rückraum zur Problemzone werden. Forstbauer kann Torjäger Viggo Kristjansson vorne kaum ersetzen, erschwerend hinzu kommt, dass der zweite Linkshänder Jerome Müller (Sprunggelenksverletzung) zumindest die ersten fünf Saisonspiele ausfällt. Zu einer echten Waffe könnte sich der neue spanische Linksaußen Daniel Fernandez entwickeln.

Trainer Roi Sanchez geht in sein zweites Jahr als Cheftrainer in Deutschland. Er kennt nun die Gegner, die Hallen, die Schiedsrichter. Zudem hat er sein Wunschteam beisammen. Der Druck wird größer, der Spanier muss sich an den gestiegenen Erwartungen messen lassen. Bei seinem Einstieg wollte er zu viel auf einmal umkrempeln.

Doch der 38-Jährige ist lernfähig und kein Coach, der stockstur an seinem Konzept festhält. Bester Beweis: Er modifizierte das Abwehrsystem, ließ einen Tick konservativer spielen, das kam der Stabilität zu Gute. In der Rückrundentabelle landete der TVB auf Platz zehn. Den zarten Aufschwung gilt es nun fortzusetzen.

Saisonziel Im achten Erstligajahr und Rang 15 in der Vorsaison lautet das Saisonziel erstmals nicht nur Klassenverbleib, sondern Platz zwölf oder besser. Am Standort Stuttgart, mit Blick auf die Ansprüche der Sponsoren und den immer höheren Etat (über sechs Millionen Euro) wäre alles andere auch nur schwer vermittelbar.

Prognose Der TVB wird mit dem Abstieg nichts zu tun bekommen. Bleiben Schlüsselspieler wie Adam Lönn gesund und werden die Neuzugänge unterschiedlichster Mentalität schnell integriert, dann ist trotz des knüppelharten Auftaktprogramms der angepeilte zwölfte Platz möglich. Ein Selbstläufer wird es allerdings nicht.

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