Handball-Bundesliga der Frauen Quartett aus Württemberg mit unterschiedlichen Zielen

Metzingens neue Spielmacherin Nele Franz (Mi.) versucht sich beim Supercup gegen die HB Ludwigsburg durchzusetzen – am Ende war der Außenseiter aber chancenlos. Foto: imago//Ant Palmer

HB Ludwigsburg, TuS Metzingen, Sport-Union Neckarsulm und Aufsteiger Frisch Auf Göppingen – mit vier Teams aus Württemberg und dem neuen Play-off-Modus startet die Handball-Bundesliga der Frauen in die neue Saison.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Mit dem 32:24 im Supercup vor 9034 Zuschauern in Düsseldorf gegen die TuS Metzingen haben die Handballerinnen der HB Ludwigsburg vor dem Bundesligastart an diesem Mittwoch ein erstes Ausrufezeichen gesetzt. Wir nehmen alle vier württembergischen Frauen-Erstligisten unter die Lupe.

 

HB Ludwigburg Neuer Name, alte Ziele: Der Anspruch des amtierenden deutschen Meisters ist auf nationaler Ebene die Titelverteidigung und der Gewinn des DHB-Pokals. Dafür hat Sportchef Gerit Winnen die acht Abgänge plus Karolina Kudlacz-Gloc (Schwangerschaft) durch hochkarätige Neuzugänge ersetzt. Dabei stechen die schwedische Nationalspielerin Jenny Carlson (Brest Bretagne HB/Frankreich) sowie die deutschen Auswahlspielerinnen Mareike Thomaier und Viola Leuchter (beide TSV Bayer 04 Leverkusen) sowie die Torfrauen Johanna Bundsen (IK Sävehof/SWE) und Nicole Roth (Thüringer HC) heraus. In der Champions League will der Vorjahres-Überraschungs-Finalist so weit kommen wie möglich. Obwohl auch Trainer Jakob Vestergaard warnt: „Wir haben schon in der Vorrunde eine Hammergruppe erwischt.“ In der Liga wartet durch die Einführung der Play-offs eine neue Herausforderung. Winnen sieht die Änderungen vor dem Start am Mittwoch (19 Uhr/MHP-Arena) gegen Frisch Auf Göppingen kritisch: „ Ich persönlich bin kein Freund davon. Wer in einer normalen Runde, in der jeder gegen jeden zweimal spielt, Erster wird, der wird auch zu Recht deutscher Meister.“ Die Play-offs haben für ihn Pokalcharakter: „Fallen dir in einem K.-o.-Spiel zwei Schlüsselspielerinnen aus, kann dir dies eine komplette Saison kaputt machen.“

Hammergruppe in der Champions League

TuS Metzingen Der DHB-Pokalsieger um seine Nationalspielerin Julia Behnke geht mit neuem Cheftrainer in die kommende Runde, die für die TusSies erst am 15. September beim Buxtehuder SV beginnt: Der bisherige Assistenzcoach Peter Woth (56) löste seinen Chef Werner Bösch (39) ab, der als Männercoach zum Schweizer Erstligisten GC Amicitia Zürich wechselte. Zu ersetzen gilt es auch Nationalspielerin Maren Weigel, die ihre Karriere beendete. Um in der Liga unter den Top Fünf zu landen und auch für die künftigen Spiele auf der internationalen Bühne gewappnet zu sein, zog Geschäftsführer Ferenc Rott einen dicken Fisch an Land: Spielmacherin Nele Franz (24) wechselte nach elf Jahren bei der HSG Blomberg-Lippe nach Metzingen. Vor drei Jahren wurde die Bielefelderin zur besten Bundesliga-Spielerin der Saison 2021/22 gewählt. Ein Meniskusriss und zwei Kreuzbandrisse setzen sie lange Zeit außer Gefecht. Jetzt ist sie wieder fit und Rott ist sicher: „Nele will es unbedingt allen beweisen. Sie wird das Vertrauen mehr als nur zurückzahlen und unseren Fans mit ihrer Spielweise viel Freude bereiten.“ Beim 24:32 im Supercup gegen Ludwigsburg deutete sie mit fünf Toren (davon vier Siebenmeter) schon einmal ihre Klasse an.

Neuanfang für Nele Franz

Frisch Auf Göppingen Im dritten Anlauf hat’s geklappt. Die Frisch-Auf-Frauen sind wieder erstklassig. Damit darf sich Göppingen wieder Deutschlands Handball-Hauptstadt nennen. Denn keine andere Stadt hat einen Männer- und Frauen-Erstligisten im Handball zu bieten. Dabei soll es auch bleiben. Die klare Zielsetzung der Mannschaft um die neue Kapitänin Louisa de Bellis lautet Klassenverbleib. „Ich bin überzeugt davon, dass mein Team die Qualität hat, sich zu behaupten. Was Einstellung, Kampf und Wille angeht, dürfen wir aber in keinem Spiel schlechter sein als der Gegner, sonst wird es schwierig“, sagt Trainer Nico Kiener. Das zeigte sich schon am Sonntag im DHB-Pokal: Mit dem 30:31 daheim gegen Zweitligist HSV Solingen-Gräfrath gab es einen Dämpfer. Kiener: „Wir haben in den entscheidenden Momenten viele Dinge falsch gemacht, das müssen wir schnell aufarbeiten.“

Fan-Unterstützung als Faustpfand

Von den sechs Abgängen schmerzen die von Torjägerin Selina Kalmbach (TuS Metzingen) und Torhüterin Anne Bocka (Karriereende/Torwarttrainerin TuS Metzingen) am meisten. Da tat der Zugang von Ex-Nationalspielerin Luisa Schulze (33) ganz besonders gut. Die Erfahrung der 1,90 Meter großen Abwehrspezialistin ist für das junge Team unbezahlbar. Genauso die Unterstützung der Fans in der EWS-Arena: Schon in der zweiten Liga hatten die Grün-Weißen mit über 1000 Zuschauern im Schnitt den zweitbesten Besucherzuspruch im Frauenhandball in ganz Deutschland (hinter dem VfL Oldenburg mit 1134 Zuschauern im Schnitt).

Sport-Union Neckarsulm In der vergangenen Saison kam das Team in dem Klassement von 14 Mannschaften auf Platz zehn. In dem nun auf zwölf Clubs reduzierten Feld wird nun Platz acht angepeilt. „Wenn wir das erreichen würden, wäre das großartig“, sagt SUN-Coach Thomas Zeitz. Die Platzierung wäre in dem neu eingeführten Modus gleichbedeutend mit der Teilnahme an den Play-offs um die Meisterschaft. Ansonsten würden die Play-Down-Spiele anstehen, in denen die Verlierer aus den Spielen Neunter gegen Zwölfter und Zehnter gegen Elfter den einzigen Absteiger ausspielen. Zeitz würde auf die Abstiegskrimis gerne verzichten, hält den Modus aber für attraktiv: „Ohne die Play-Downs wäre die Saison für die letzten vier Teams im April bereits zu Ende.“

Bundesliga

Erster Spieltag
HB Ludwigsburg – Frisch Auf Göppingen (4. September, 19 Uhr), Sport-Union Neckarsulm – HSG Bensheim-Auerbach (7. September, 18 Uhr), BVB Dortmund – Buxtehuder SV (7. September, 19 Uhr), BSV Sachsen Zwickau – HSG Blomberg-Lippe (8. September, 16 Uhr), Bayer Leverkusen – Thüringer HC (8. September, 16 Uhr), TuS Metzingen – VfL Oldenburg (noch nicht terminiert/voraussichtlich 2. Oktober). (jüf)

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