Handball-Bundesliga der Frauen Warum die SG BBM Bietigheim immer stärker wird

Karolina Kudlacz-Gloc jubelt über eines ihrer 14 Tore im Champions-League-Spiel gegen Brest Bretagne. Foto: Baumann

Die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim sind mit ihrem neuen Trainer Jakob Vestergaard glänzend in die Saison gestartet. Großen Anteil daran hat die 38-jährige Rückraumspielerin Karolina Kudlacz-Gloc, für die das Motto gilt: Je älter, desto besser.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Wenn eine Spielerin 14 Tore bei 15 Versuchen wirft, dann ist das schon etwas Außergewöhnliches. „Es lief tatsächlich richtig, richtig gut“, sagt Karolina Kudlacz-Gloc mit ein bisschen Abstand zu ihrem Weltklasse-Auftritt beim 34:30-Sieg der SG BBM Bietigheim gegen das europäische Schwergewicht Brest Bretagne aus Frankreich. Es war der vierte Sieg im vierten Champions-League-Spiel in dieser Saison. Dass die Unersättlichen von Enz und Metter national eine Klasse für sich sind, geht fast schon etwas unter: Vor dem Auswärtsspiel am Freitag (19.30 Uhr/Eurosport) beim Thüringer HC sind sie seit 79 Bundesliga- und Pokalspielen ungeschlagen. Die letzte Niederlage datiert vom 31. März 2021 bei Borussia Dortmund.

 

Vorjahr als Warnung

Es läuft beim amtierenden deutschen Meister, DHB-Pokal-Sieger und Supercupgewinner. Vor allem in der Königsklasse konnten dicke Ausrufezeichen gesetzt werden. Wobei der neue Geschäftsführer Bastian Dörr (seit 1. September offiziell im Amt) vor allzu viel Euphorie warnt: „Im Vorjahr sind wir auch mit 9:1 Punkten gestartet – und haben das Weiterkommen noch äußerst unglücklich verspielt.“ Doch der 44-Jährige ist sehr optimistisch, dass das diesmal nicht passiert und der Sprung ins Viertelfinale gelingt: „Unser Kader ist ausgeglichener besetzt, durch die Neuzugänge haben wir noch mehr an Qualität dazubekommen.“

Vor allem die beiden Schwedinnen Isabelle Andersson (H65 Höör/Schweden) und Sofia Hvenfelt (Kopenhagen Handbold/Dänemark) bringen auf den zentralen Positionen auf Rückraum-Mitte und am Kreis wertvolle Impulse. Doch auch Klara Birtic (Lokomotiva Zagreb/Kroatien), Anne With Johansen (Ajax Kopenhagen/Dänemark) und Dorottya Faluvegi (Györi Audi ETO KC/Ungarn) sind wichtige Verstärkungen.

Vestergaard rotiert mehr

Entsprechend gut kann der neue Trainer Jakob Vestergaard die Spielanteile verteilen. Der Däne rotiert mehr als sein Vorgänger Markus Gaugisch, nicht nur während des Spiels. „Jakob bringt eine riesige internationale Erfahrung mit und hat zweimal mit Viborg die Champions League gewonnen. Er analysiert fast schon verbissen, arbeitet extrem akribisch und auch mehr auf die Spiele in der Königsklasse hin. Er denkt eine Stufe höher“, erklärt Dörr. Daraus resultiert, dass Vestergaard in der Bundesliga auch mal vier Spielerinnen der so genannten „zweiten Garde“ gleich in der Anfangsformation bringt.

Wie ein guter Wein

Unzweifelhaft zur „ersten Garde“ gehört neben der deutschen Nationalspielerin Xenia Smits auch Karolina Kudlacz-Gloc. Bei der Polin verhält es sich wie bei einem guten Bordeaux-Wein: Je älter, desto besser. Wenn sie die Ärmel hochkrempelt und ihr Trikot während des Spiels zum Muskelshirt wird, dann zeigt das ihre Einstellung und die Gegner wissen: Jetzt wird’s ernst. „Mich stört der Stoff, aber es signalisiert auch: Ich bin bereit“, sagt die 38-Jährige zu ihrer Marotte.

Sie ist eine Kämpfernatur, ein Vorbild, eine, die ihr Herz auf dem Feld lässt. „Karolina ist ein absoluter Vollprofi, sie lebt ihren Sport, trainiert wirklich wahnsinnig viel und schiebt Zusatzschichten“, lobt sie Dörr. Während der Coronazeit zog sie sogar Baumstämme durch die Wälder rund um Bietigheim. „Jetzt gehe ich immer noch viel in die freie Natur, aber die Gewichte stemme ich wieder im Kraftraum“, sagt die Rückraumspielerin mit einem Schmunzeln.

Studierte Psychologin

Ihr Mann arbeitet bei Hauptsponsor Olymp, ihr Sohn geht in die erste Klasse. Sport und Familie bekommt sie unter einen Hut. „Das ist kein Problem, vielmehr verleiht mir das die Stabilität, die ich brauche“, sagt die studierte Psychologin. Nur in der polnischen Nationalmannschaft (197 Länderspiele, 983 Tore) ist sie seit 2021 nicht mehr am Ball.

Wie lange sie noch im Verein spielen will? „Es ist möglich, dass es meine letzte Saison sein wird. Alles ist noch offen“, sagt die 1,78 Meter große Rechtshänderin, die aus der Nahdistanz auch mit links werfen kann. Seit 2006 spielt sie in Deutschland. Bis 2017 war sie beim HC Leipzig, danach in Bietigheim. Fünf deutsche Meisterschaften hat sie gewonnen, sechs Mal den DHB-Pokal, einmal die European League. Was noch fehlt, ist der Champions-League-Triumph. Vielleicht in dieser Saison mit der SG BBM? „Mal sehen, wo alles hinführt“, lässt sie sich nicht zu einer vollmundigen Ansage verleiten. Sie krempelt lieber die Ärmel hoch.

Champions League

Restliche Spiele 2023
SG BBM – IK Sävehof (22. Oktober, 14 Uhr), Odense Handbold

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