Handball-Bundesliga Fünf Gründe für den Fehlstart des TVB Stuttgart

Roi Sanchez hat sich seinen Einstieg als Trainer beim TVB Stuttgart anders vorgestellt. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Die Verletzungsprobleme beim TVB Stuttgart spitzen sich immer mehr zu. Doch es gibt noch weitere Gründe für den 0:8-Punkte-Fehlstart des Handball-Bundesligisten.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Stuttgart - Der Handball-Bundesligist TVB Stuttgart steckt mit 0:8 Punkten im Tabellenkeller. Vor dem Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen an diesem Sonntag (16 Uhr/Porsche-Arena) nennen wir fünf Gründe für den enttäuschenden Saisonbeginn.

 

1 Verletzungsmisere Es klingt oft nach Ausreden, wenn nicht einsatzfähige Spieler als Grund für Misserfolge herangezogen werden. Doch den TVB hat es besonders hart getroffen. Zwei Tage vor dem Saisonstart zog sich Viggo Kristjansson eine schwere Daumenverletzung an der Wurfhand zu. Er fehlt noch bis November. Der Linkshänder ist nicht nur der Top-Torjäger, sondern auch ein Führungsspieler im Team. Was seinen Ausfall noch gravierender macht: Sein Vertreter Jerome Müller schleppte sich mit einer Schleimbeutelentzündung im Knie von Spiel zu Spiel. Am Mittwoch ließ sich der 24-Jährige operieren und fehlt nun drei bis fünf Wochen. Da auch Spielmacher Max Häfner (Rücken-Operation) und Abwehrspezialist Fynn Nicolaus (Schulterverletzung) noch bis Februar ausfallen, fehlen die nötigen Wechselmöglichkeiten im Spiel des TVB. Der neue Trainer Roi Sanchez musste das von ihm eingeforderte bedingungslose Tempospiel inzwischen dosieren. Der TVB plant so schnell als mögliche, eine Nachverpflichtung vorzunehmen, die wenigstens die Breite des Kaders verstärkt. Doch der Markt gibt offenbar wenig her. Aufgrund der coronabedingten staatlichen Unterstützung für die Clubs gibt es wenig Krisenvereine, die gezwungen sind, Spieler abzugeben.

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2 Abschlussschwäche Die extrem schwache Chancenverwertung zieht sich wie ein roter Faden durch die bisherige Saison. „Die Spieler sind da in der Verantwortung, jeder hat die Pflicht, in jedem Training jeden Wurf mit voller Konzentration abzuschließen“, fordert Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. Was dem ehemaligen Coach bewusst ist: Trainieren lässt sich das nur bedingt. Im Spiel hängt der Torabschluss mit Selbstvertrauen zusammen. Und das ist dem TVB bei der 27:34-Derbyniederlage gegen Frisch Auf Göppingen abhandengekommen. Seitdem spielen Zweifel mit. „Das ist Kopfsache“, sagt Trainer Roi Sanchez.

3 Torwarttief In der bisherigen vier Spielen kamen Primoz Prost und Tobias Thulin in keiner Partie gemeinsam auf eine zweistellige Anzahl an Paraden. Beim 26:34 gegen den HSV Hamburg hielt Thulin drei Bälle, Prost einen – eine katastrophale Bilanz. „Wir brauchen dringend Impulse von den Torhütern“, fordert Schweikardt. Neuzugang Thulin, der Nachfolger von Johannes Bitter, wirkt mit seiner Körpersprache fast lustlos. Der Geschäftsführer nimmt ihn in Schutz: „Er ist eben ein eher introvertierter Typ. Auch wenn er gegen den THW Kiel 15 Bälle hält, bleibt er eher ruhig.“

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4 Systemprobleme Torhüterleistungen sind auch immer ein Zusammenspiel mit der Abwehr. Und bis auf die Partie beim Bergischen HC (25:26) fehlt der Deckung bisher die Stabilität. Die spanische Schule von Coach Sanchez ist stark darauf fokussiert, die Passwege des Gegners zuzustellen, Bälle zu antizipieren und zu klauen. Darunter leidet bisher die Kompaktheit, speziell im Innenblock. Abwehrriese Dominik Weiß etwa ist dadurch mehr Eins-gegen-eins-Situationen ausgesetzt und kann weniger seine Block-Qualitäten zum Tragen bringen. „Ein neues System braucht Zeit“, sagt Schweikardt. Und Coach Sanchez ergänzt: „Wir müssen trainieren, trainieren, trainieren.“

5 Mentalität Johannes Bitter fehlt nicht nur zwischen den Pfosten, er fehlt auch als Motor, Motivator, Einpeitscher. „Ich kann nicht leugnen, dass uns ein emotionaler Leader derzeit fehlt“, räumt Schweikardt ein. Der verletzte Torjäger Viggo Kristjansson wäre so ein Mann, auch der Rechtsaußen Sebastian Augustinussen, doch er ist noch neu im Team. Der Rückraum-Allrounder Adam Lönn ist auf dem Feld zwar ein kämpferisches Vorbild, aber genauso wie Weiß kein Lautsprecher.

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Fest steht: Die Problemzonen des TVB Stuttgart werden sich nicht von heute auf morgen beheben lassen. „Wir stecken in einer schwierigen Phase, der Oktober wird knüppelhart. Wir müssen diese Herausforderung jetzt annehmen“, sagt Geschäftsführer Schweikardt und richtet einen fast schon flammenden Appell ans Umfeld: „Alle, die es mit dem TVB halten, brauchen Geduld und müssen zusammenhalten.“ Wenn im Profisport die Ergebnisse ausbleiben, ist das aber ein frommer Wunsch.

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