Handball-Bundesliga TVB Stuttgart – Heimdebüt von Hoffnungsträger Rudolf Faluvegi

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Handball-Bundesligist TVB Stuttgart hat in dieser Saison schon große Verletzungssorgen gehabt. Als Letzter meldet sich nun der Ungar Rudolf Faluvegi fit – zum Spiel gegen Meister SG Flensburg-Handewitt.

Rudolf Faluvegi greift endlich für den TVB an. Foto: Baumann
Rudolf Faluvegi greift endlich für den TVB an. Foto: Baumann

Stuttgart - Ein Mann sieht Rot. Im Handball, wo das – genau wie im Fußball auch – Platzverweis bedeutet. So geschehen vor zwei Wochen in Magdeburg, als Rudolf Faluvegi kurz vor Schluss der Partie vom Feld musste. Was war passiert? Bei nur zwei Toren Rückstand wollte der Außenseiter TVB Stuttgart ein Stürmerfoul herausholen, was den Ungarn zu dem etwas ruppigen Körpereinsatz gegen den SCM-Kapitän Christian O’Sullivan animierte. Doch der Plan ging schief. Wie so manches bisher für den Handball-Bundesligisten im allgemeinen, der erst einen Sieg auf dem Konto hat, und Faluvegi im besonderen, dessen Heimdebüt um satte zwei Monate verschoben werden musste.

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Denn erstens kommt es anders (der geplante Heimauftakt gegen Kiel wurde auf den 15. Dezember verlegt) und zweitens als man denkt: Der 25-Jährige, der zum Saisonauftakt beim HC Erlangen eigentlich schon fit schien, zog sich eine Ellenbogenverletzung zu und fiel erneut einige Wochen aus, nachdem er schon die Vorbereitung wegen einer Sprunggelenk-Operation weitgehend verpasst hatte.

Viele Verletzungen pflastern den Weg

Die Verletzungsanfälligkeit begleitet den Weg des Handballers seit längerem. Schon bei seiner vorigen Station in Frankreich wurde er wegen einer Schulter-OP zuletzt vom HB Nantes nach Cesson-Rennes verliehen, um dort wieder mehr Spielpraxis zu bekommen. Risiko? TVB-Trainer Jürgen Schweikardt gab von Beginn an zu: „Ohne die Vorgeschichte hätten wir so einen Spieler gar nicht bekommen.“

Einen ungarischen Nationalspieler, der mit Nantes noch 2018 das Final Four in der Champions League in Köln erreicht hatte. So ein Kaliber kommt normalerweise nicht zu einem Abstiegskandidaten der Bundesliga. Auch wenn Faluvegi sagt: „Die Bundesliga war immer mein Traum, schon als kleiner Junge.“ Damals hat er in der Grundschule auch vier Jahre deutsch gebüffelt, das kam ihm jetzt zugute. Denn schon nach wenigen Wochen Eingewöhnungszeit spricht er natürlich noch mit Akzent, aber ansonsten schon recht fehlerfrei. Die vom Verein angebotenen Deutsch-Stunden jedenfalls muss er nicht mehr besuchen, so schnell hat er Fortschritte gemacht.

Der Anfang macht Mut

Wenn er dieses Talent aufs Feld übertragen kann, wird der TVB noch viel Freude an ihm haben. „Er hat eine ungeheure Dynamik und individuelle Qualität“, sagt Schweikardt über den Mittelmann, der schon in Magdeburg (28:33) angedeutet hat, dass er eine Verstärkung sein kann auf dieser wichtigen Position. Zumal Senkrechtstarter Max Häfner bisher nicht an seine Leistungen der Rückrunde anknüpfen kann, vielleicht auch weil der Überraschungseffekt dahin ist.

Faluvegi wiederum kennen sie in der Bundesliga noch nicht, doch seine Qualitäten als Führungsspieler sind klar. „Ich will auch Verantwortung übernehmen, das bin ich so gewohnt.“ Aber natürlich geht der Integrationsprozess selbst bei einem so erfahrenen Spieler nicht von heute auf morgen. „Ich brauche noch einige Zeit bis ich bei 100 Prozent bin“, sagt Faluvegi, der aber auch weiß: Der November ist der Monat der Wahrheit. Nicht unbedingt gegen Flensburg, aber in Balingen gegen den Bergischen HC und Aufsteiger Nordhorn müssen Punkte her.

Hobbymusiker und Schlagzeuger

„Wir hatten noch kein perfektes Spiel“, gibt der Hobbymusiker zu, der die Mitspieler im Trainingslager mit einer Gesangseinlage an der Gitarre überrascht hat, und früher in einer Band auch Schlagzeug gespielt hat. Dafür fehlt für den Familienvater, der mit Frau und dem eineinhalbjährigen Sohn in Fellbach wohnt, jetzt die Zeit. Doch die künstlerische Ader scheint neben der sportlichen in der Familie zu liegen. Die 18-jährige Schwester ist Entertainerin und vielleicht auf dem Sprung zu einer großen Karriere. Die hat die ältere Schwester Dorottya (21) als Handballerin schon hingelegt bei Eto Györ, das die vergangenen drei Jahre Champions- League-Sieger war. Rivalitäten? „Nein, nein“, winkt Faluvegi ab. Schade nur, dass es mit einem Gruppenspiel bei den Frauen der SG BBM Bietigheim nicht geklappt hat. „Das hatte ich gehofft.“ Wird wohl nichts mehr. Da die SG vor dem Aus steht, dürfte es auch in der Zwischenrunde nichts mit einem Wiedersehen werden.

Dafür vielleicht mit der Nationalmannschaft. Vor einem Jahr stand Rudolf, genannt Rudi, Faluvegi letztmals im Aufgebot der Magyaren – noch hat er die Hoffnung auf die EM im Januar nicht ganz aufgegeben. „Die nächsten Wochen werden entscheiden.“ Für den TVB - und Faluvegi. Der hat zwar rot gesehen, sieht aber nicht schwarz. „Unsere Mannschaft hat alles, was man im Handball braucht.“ Bis auf Erfolg.