Handball-Bundesliga Was Frisch Auf Göppingen noch zur Spitze fehlt

Schwerstarbeit am Kreis: Göppingens Kresimir Kozina versucht sich durchzusetzen. Der 31-Jährige spielte auch schon für die Füchse Berlin und die SG Flensburg-Handewitt. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Frisch Auf Göppingen hat sich hinter den vier Topclubs der Liga festgesetzt. Was fehlt dem Handball-Bundesligisten vor dem Duell beim deutschen Vizemeister SG Flensburg-Handewitt noch zur Spitze?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Er ist mit seiner Mannschaft der krasse Außenseiter, aber ein klein wenig Hoffnung hat Kresimir Kozina vor dem Auftritt von Frisch Auf Göppingen beim deutschen Vizemeister SG Flensburg-Handewitt (Donnerstag, 19.05 Uhr) dennoch: „Vielleicht sind die Flensburger mit ihren Gedanken schon bei ihren ganz großen Aufgaben.“ Diese ganz großen Aufgaben stehen für die SG in der Champions League gegen den FC Barcelona an (11. und 19. Mai) sowie in der Liga gegen den THW Kiel (22. Mai) an.

 

Umkämpfter Platz fünf

Natürlich wissen die Flensburger, dass in der Handball-Bundesliga kein Gegner im Vorbeigehen bezwungen wird, doch dass sich der Fokus mit Blick auf den Spielplan zumindest im Hinterkopf etwas verschieben könnte, wäre zumindest ein Stückweit menschlich. Frisch Auf jedenfalls will im Kampf um einen Europapokalplatz seine Chance im hohen Norden nutzen. Derzeit steht die Mannschaft von Trainer Hartmut Mayerhoffer auf dem hart umkämpften fünften Platz, der auf jeden Fall den Sprung auf die internationale Bühne bedeuten würde. Sollte der SC Magdeburg die European League gewinnen, reicht auch Platz sechs.

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Das Restprogramm ist hart, doch die Ausgangsposition nicht schlecht: Göppingen führt mit 33:21 Punkten die Tabelle „best oft the rest“ (mit einem beträchtlichen Abstand) hinter den vier Topclubs SC Magdeburg (50:4 Punkte), THW Kiel (46:10 Punkte), SG Flensburg-Handewitt und Füchse Berlin (jeweils 42:12 Punkte) an, knapp vor der HSG Wetzlar (31:25 Punkte), dem SC DHfK Leipzig (30:26 Punkte) und der MT Melsungen (29:27 Punkte).

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Geld ist nicht alles

Doch was fehlt Frisch Auf, um mittelfristig in diese Phalanx der Top Vier eindringen zu können? Natürlich muss auch auf den Etat von gut sechs Millionen Euro noch ein paar Euro draufgesattelt werden, aber dass Geld nicht alles ist, zeigt das Beispiel MT Melsungen, deren Startruppe bei hohem Trainerverschleiß die Leistung seit Jahren nicht aufs Feld bringt.

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Kozina bringt viel Erfahrung mit. Er war schon für die SG Flensburg-Handewitt (2016/17) und die Füchse Berlin (2017/18) am Ball. Er kann Vergleiche anstellen. Und für den Kroaten steht fest: Das alles entscheidende spielt sich im Kopf ab: „Teams wie Kiel und Flensburg haben eine Siegermentalität in ihrer DNA, einen extremen Hunger auf Titel entwickelt. Und das über Jahre hinweg, so etwas geht nicht über Nacht.“ Der Kreisläufer glaubt, dass oftmals Mannschaften schon beim Aufwärmen gegen solche Topmannschaften verloren haben: „Manche Spieler sehen die Topstars des THW und überlegen nur, ob sie mit zehn Toren Unterschied oder weniger verlieren.“

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Auch schlechte Spiele gewinnen

Sollte es mal eng zugehen, dann gewinnen die großen Clubs auch ihre schlechten Spiele – wenn’s sein muss hauchdünn. Und Frisch Auf? Der EHF-Pokalsieger der Jahre 2011, 2012, 2016 und 2017 kann gegen jeden gewinnen, aber eben auch gegen jeden verlieren. Bestes Beispiel: Der Patzer am 3. April gegen die HBW Balingen-Weilstetten. Obwohl keine internationale Zusatzbelastung in dieser Saison der Mannschaft die nötigen Körner rauben könnte, setzte es nach einer schlechten zweiten Halbzeit eine 27:28-Heimniederlage gegen den Abstiegskandidaten von der Zollernalb. Das ist der große Unterschied zu den Topvereinen.

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Dennoch ist Kozina sicher: „Wir befinden uns seit vier Jahren auf einem guten Weg. Unter Trainer Hartmut Mayerhoffer werden wir jedes Jahr um ein, zwei Plätze besser.“ Die Füchse Berlin oder der SC Magdeburg hätten vor fünf oder sechs Jahren auch noch nicht in der Spitzengruppe mitgemischt. Jetzt schon.

Kozina hat noch einen Vertrag bei Frisch Auf bis 2024. Der Publikumsliebling und emotionale Anführer des Teams fühlt sich mit seiner Frau Petra und den Kindern Magdalena (3) und Petar (1) in Göppingen pudelwohl. „Wir haben tolle Fans, eine seriöse Vereinsführung, die großen Wert auf Kontinuität legt. Dazu eine gute Infrastruktur, die weiter verbessert wird, ich sehe gute Perspektiven für eine Weiterentwicklung“, sagt der 31-Jährige und ergänzt: „Wir dürfen nur eines nicht: nachlassen.“

Und das gilt für alle Bereiche.

Restprogramm Frisch Auf Göppingen

5. Mai, 19.05 Uhr: SG Flensburg-Handewitt – Frisch Auf

12. Mai, 19.05 Uhr: Frisch Auf – HSV Hamburg

19. Mai, 19.05 Uhr: Füchse Berlin – Frisch Auf

22. Mai, 14 Uhr: TuS N-Lübbecke – Frisch Auf

2. Juni, 19.05 Uhr: Frisch Auf – Rhein-Neckar Löwen

8. Juni, 19.05 Uhr: Frisch Auf – TBV Lemgo Lippe

12. Juni, 15.30 Uhr: THW Kiel – Frisch Auf

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