Handball – Club-WM Ostfildern und Köngen bei der Club-WM

Spannendes Intermezzo: Dominik Keim im Trikot der California Eagles. Foto: oh

Wie es kommt, dass sich Dominik Keim, Sebastian Pollich und Leon Agner ab diesem Freitag mit den besten Handballern der Welt messen.

Die Handballteams der HSG Ostfildern und des TSV Köngen bei der Club-WM der Handballer in Kairo? Nein. Zumindest nicht direkt. Deutschland wird dort vom SC Magdeburg vertreten, dem Champions-League-Sieger. Aus Europa sind ab diesem Freitag in der ägyptischen Hauptstadt zudem der FC Barcelona und Titelverteidiger Veszprem HC dabei. Und trotzdem spielen der aktuelle und der ehemalige HSG-Spieler Dominik Keim und Sebastian Pollich sowie der Neu-Köngener Leon Aigner in der ägyptischen Hauptstadt mit.

 

Wie geht das? Ganz einfach, oder auch nicht ganz so einfach: Das Trio aus dem Schwabenland tritt in Kairo im Trikot der California Eagles an. Das ist der nordamerikanische Meister und damit ein veritabler Teilnehmer der Club-WM. Dort ist die Mannschaft zwar mutmaßlich chancenlos, aber das ist eine andere Geschichte. Keim, Pollich und Aigner nordamerikanische Handball-Meister? Keim ja, die anderen beiden nicht.

Argentinischer Starcoach

Der Reihe nach. Keim wurde vor ein paar Wochen von seinem Kumpel Mika Gemlich gefragt, ob er für das amerikanische Meisterschaftsturnier in Las Vegas zu den Eagles dazustoßen wolle. Gemlich stand früher bei Frisch Auf Göppingen im Tor und studiert zurzeit in Los Angeles. Keim wollte. „So eine Chance bekommt man nicht alle Tage“, erzählt der Rückraumspieler, „ich war noch nie zuvor in Amerika, es wurde alles bezahlt.“ Nun sind die USA nicht gerade das Mutterland des Handballs und so kam es, dass Keim als deutscher Viertligaspieler eine echte Verstärkung für die Mannschaft war. Ihr gehörte auch MT Melsungens neuer Co-Trainer Isaias Guardiola an, betreut wurde es vom argentinischen Starcoach Guillermo Milano. Beim zehntägigen Turnier um die Meisterschaft gewannen die Eagles alle fünf Spiele und wurden Meister.

„Insgesamt war alles wie ein Fiebertraum“

Und wie war das so? „Wir haben eigentlich nicht richtig zusammen trainiert, wir haben ein paar Spielzüge einstudiert“, erzählt Keim. In der Halle, die passender Weise im Kongresszentrum eines Casinos angesiedelt war, saßen etwa 200 Zuschauer „und es war arschkalt“. Zudem sah er etwas von Los Angeles und Las Vegas: „Das war schon sehr cool. Insgesamt war alles wie ein Fiebertraum.“

Man darf den Titel sportlich nicht zu hoch hängen. Aber es ist ein Meistertitel – und er führt dazu, dass Keim die Chance erhält, in Ägypten mit dem besten Team aus Nordamerika gegen die besten Mannschaften der Welt zu spielen. Insgesamt sind neun Teams in der New Capital Sports Hall dabei. „Wann hat man schon mal die Chance, gegen Magdeburg zu spielen?“, fragt Keim. Gegen den SCM treten die Eagles am Samstag um 14.30 Uhr an, los geht es 24 Stunden vorher gegen den Asienmeister Sharjah SC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Weil noch Plätze im Kader zu besetzen waren, machte es Keim wie zuvor Gemlich, griff zum Telefon und fragte Pollich sowie Agner, ob sie nicht Lust auf das Abenteuer hätten. Hatten sie natürlich. Und so waren die beiden zwar nicht in Las Vegas dabei, sind es aber jetzt in Kairo. „Wenn du diese Chance bekommst, musst du es machen“, sagt auch der langjährige Drittligaspieler Agner. Ostfilderns Ex-Kapitän Pollich hatte nach dem Ende der vergangenen Saison sogar seine Karriere beendet. Zuletzt trainierte er aber eifrig mit der HSG mit. So eifrig, dass sie ihn dort am liebsten reaktiviert hätten. Das aber wollte er nicht.

Ambitionierte Magdeburger

Ägypten wird nun eine spannende Reise. Nur ein Spaß-Trip soll es aber nicht sein. „Wir werden da kein Spiel gewinnen“, ist Keim realistisch, „aber wenn ich auf dem Feld stehe, gebe ich immer 110 Prozent, das werden die Spieler der anderen Mannschaften hoffentlich sehen.“ Die Eagles werden jedenfalls alles daran setzen, „dass wir nicht überrannt werden“. Auch Agner sagt: „Natürlich werden wir uns voll reinhauen.“

Mit Gnade, glaubt Keim, werden sie nicht rechnen dürfen. Schon möglich, dass es im Gegensatz zu ihm und seinen Kameraden etwa für die Magdeburger coolere Angelegenheiten gibt, als mitten während der Saison nach Nordafrika zu reisen. „Aber die werden da schon mit ihrer Top-Mannschaft auflaufen, sie werden das gegen Barcelona oder Vezprem gewinnen wollen“, glaubt Keim.

Bei der HSG und den Köngenern schwanken sie dieser Tage dazwischen, Keim beziehungsweise Agner den Trip zu gönnen und dem Problem, sie bei den Ligaspielen ersetzen zu müssen. Aber natürlich haben sie den Spielern keine Steine in den Weg gelegt. Und auch, wenn sie vermutlich mit vier Niederlagen – und vielleicht dem einen oder anderen Trikot eines Stars – zurückkehren werden, dürfte die Erfahrung der Motivation und dem Spaß am Handball nicht abträglich sein. Denn auch wenn die HSG Ostfildern und der TSV Köngen nicht als Teams bei der Club-WM am Start sind, in Person von Dominik Keim, Sebastian Pollich und Leon Agner sind sie es ein bisschen schon.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Club-WM Kairo FC Barcelona SC Magdeburg