Die Enttäuschung war riesengroß – mit 34:35 (18:20) unterlagen die Handballer des TSV Wolfschlugen dem HTV Meißenheim im entscheidenden Aufstiegsspiel zur Regionalliga. Das Hinspiel hatten die Wolfschlugener mit 31:30 noch für sich entschieden, am Ende gaben die mehr erzielten Auswärtstore den Ausschlag für die Gäste aus dem Ortenaukreis.
„Wir wollten in diesem Spiel aufsteigen, insofern sind wir jetzt erst mal maximal enttäuscht“ – auch Wolfschlugens Trainer Steffen Klett hatte sichtlich an der Niederlage zu knabbern. Vor allen Dingen, da Wolfschlugens Linksaußen Julian Blum wenige Sekunden vor der Schlusssirene den Ausgleich auf der Hand hatte, aber zum Pechvogel avancierte und den Ball am Tor vorbei jagte. Das Unentschieden hätte den Hexenbannern drei Jahre nach dem Abstieg zur Rückkehr in die Regionalliga gereicht.
HTV Meißenheim „griffiger“ als im Hinspiel
Vorwürfe will Coach Klett seinem Youngster Blum – Jahrgang 2004 – aber auf keinen Fall machen: „Diese Dinger macht er sonst zu hundert Prozent. Solche Fehler passieren eben auch mal.“ Positiv fand Klett, der bei den Wolfschlugenern auch in der kommenden Saison an der Seitenlinie stehen wird, dass es letztlich ganz schön knapp wurde: „Es war nicht unser Spiel, trotzdem haben wir uns noch die Chance auf den Aufstieg erspielt. Letztlich hat uns nur ein Tor dazu gefehlt.“
Tatsächlich hatten die Meißenheimer ab dem 1:1 (2.) über die gesamte Partie die Nase vorne – vor allem mit einer robusten 6:0-Abwehr nahmen sie den Wolfschlugenern von Anfang an den Wind aus den Segeln. „Wir waren um einiges griffiger in der Abwehr im Vergleich zum Hinspiel“, bestätigte HTV-Trainer Christoph Baumann. Dazu hätten seine beiden Torhüter eine solidere Leistung als noch vor ein paar Tagen abgeliefert: „Und wir sind über die gesamten 60 Minuten konzentriert aufgetreten.“
Auch die rote Karte gegen den ehemaligen Bundesligaspieler Alexander Velz im Meißenheimer Trikot, der in der 43. Minute Wolfschlugens Moritz Bittner beim Tempogegenstoß ziemlich rüde von den Füßen holte, brachte keinen großen Bruch ins Spiel der Gäste. „Das kann man schon pfeifen“, meinte Baumann – auch wenn sich die 100 mitgereisten HTV-Fans lautstark über die Entscheidung beschwerten.
TSV Wolfschlugen bleibt in der Oberliga und richtet den Blick nach vorne
Den fälligen Siebenmeter verwandelte Wolfschlugens Marc Wieder nervenstark zum 25:26 (43.) und die Hausherren waren auf einen Treffer dran. Ein Vier-Tore-Lauf des HTV zum 30:25 (48.) machte aber alle aufkeimenden Hoffnungen schnell wieder zunichte. In den letzten Minuten zeigten die Meißenheimer dann aber Nerven. Wolfschlugen versuchte, den Gästen mit verschiedenen offensiven Deckungsvarianten den Zahn zu ziehen und verkürzte Tor um Tor. Nach einer sehenswerten Einzelaktion traf Felix Mendler aus dem linken Rückraum 35 Sekunden vor dem Spielende zum umjubelten 34:35. Nach einer Auszeit der Gäste setzte HTV-Akteur Dustin Ammel den Ball frei vom Kreis übers Tor und im folgenden schnellen Angriff der Wolfschlugener hatte Blum die Chance, zum Aufstiegshelden auf der Hand – das Ende ist bekannt.
„Wir sind zwar ähnlich gut ins Tempospiel gekommen, haben aber keinen Zugriff auf den Meißenheimer Rückraum bekommen“, resümierte Wolfschlugens Kreisläufer Lukas Mäußnest. Das habe im Hinspiel deutlich besser funktioniert: „Da haben wir unseren Matchplan klarer umgesetzt. Zudem hat der HTV im Rückspiel am Optimum gespielt.“ Auch bei dem 29-Jährigen, der eine weitere Saison in Wolfschlugen dranhängt, ist die Enttäuschung riesengroß: „Das ist jetzt schon ganz schön bitter.“ Mit Blick auf das junge Team sei es aber vielleicht gar nicht so schlecht, in der kommenden Runde wieder in der Oberliga aufzulaufen: „Da können sich unsere Youngster weiterentwickeln und den nächsten Schritt machen.“
Gerechnet hatte obendrein keine der beiden Mannschaften mit der Relegation – so waren im Hinspiel bei den Wolfschlugenern einige Spieler privat verhindert und das komplette Meißenheimer Team hatte ein paar Tage vor der Aufstiegsrelegation ihren bereits im vergangenen Herbst gebuchten Saisonabschluss auf Mallorca schon mal ordentlich begossen. Nach der 120-minütigen Verlängerung ist die Saison 2025/2026 nun aber für beide Clubs tatsächlich Geschichte. „Wir machen jetzt bis Anfang Juli erst mal Pause“, kündigte Klett an. Und ebenso sicher war sich der Wolfschlugener Coach in einem weiteren Punkt: „Wenn wir morgen aufwachen, werden wir stolz auf uns sein.“
TSV Wolfschlugen: Thurow, Petruzzi; Wittmann, Prawatschke, Schmid, Toth (3), Bittner (5), Terbeck (2), Thumm, Mendler (5), Wieder (10/7), Jacobs (3), Blum (4), Mäußnest (1), Francik (1).
HTV Meißenheim: Bader, Zander; Zürcher (1), Karner, Huser (6), Leppert (1), Funke (2), Haag (2), Hasemann (3/2), Haffner, Velz (8), Häß, Weiser, Ammel (5), Fink (7).
Schiedsrichter: Roland Hofmann / Daniel Sohns (Viernheim /Heddesheim).
Zuschauer: 700.
Zeitstrafen: 8:8 – zwei Mal zwei Minuten für Mäußnest (Wolfschlugen), Fink (Meißenheim), zwei Minuten für Mendler, Blum (Wolfschlugen), Zürcher, Velz (Meißenheim).
Rote Karte: Velz (42./Meißenheim, grobes Foulspiel).
Beste Spieler: Mäußnest, Jacobs, Wieder / Fink, Huser.