Handball-EM 2026 Das traut Kai Häfner dem DHB-Team zu

Kai Häfner (li.) bejubelt den EM-Titelgewinn 2016, inzwischen konzentriert er sich komplett auf den TVB Stuttgart. Foto: imago/Annegret Hilse

Kai Häfner hatte sich für den Notfall bereit erklärt, den deutschen Handballern bei der EM zu helfen. Wie schätzt der Linkshänder vom TVB Stuttgart die Chancen in der Hauptrunde ein?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Aufgrund einer Blessur aus der Hinrunde bereitet sich Kai Häfner derzeit individuell auf die restliche Bundesligasaison mit dem TVB Stuttgart vor. Die Spiele der Nationalmannschaft bei der Handball-EM verfolgt der 36-Jährige und gibt vor dem Hauptrundenauftakt an diesem Donnerstag seine Einschätzung ab.

 

Herr Häfner, als Mann im 35er Kader – sitzt man da auf gepackten Koffern?

Nein, wir haben eine gute Truppe beisammen, die Jungs bekommen es auch ohne mich ganz gut hin. Das hat man ja gegen Spanien gesehen.

Es gab also gar keinen Kontakt während der EM?

Nein, bisher nicht.

Wie verfolgen Sie die Spiele?

Mit großem Interesse natürlich. Im Trainingslager haben wir gemeinsam als Mannschaft geschaut, ansonsten fiebere ich daheim auf dem Sofa mit, allein oder mit Familie und Freunden.

Mit hoher Anspannung?

Vor dem Spanien-Spiel stand schon unglaublich viel auf dem Spiel. Doch bereits nach fünf bis zehn Minuten hatte ich ein gutes Gefühl. Zumal wir dank der Österreicher ja nicht mit drei Toren Unterschied gewinnen mussten.

Die Leistungssteigerung . . .

. . . im Vergleich zum Spiel gegen Serbien war extrem, da lagen Welten dazwischen. Solch eine Antwort zu geben, war schon beeindruckend.

Was erwarten Sie in der Hauptrunde?

Besser hätte es nicht laufen können und alles ist jetzt möglich. Wir haben einen Wachrüttler in Form einer Niederlage bekommen, und wir gehen trotzdem mit der optimalen Punktausbeute und breiter Brust in diese vier Kracherspiele. Wir brauchen uns jetzt vor den Dänen nicht zu verstecken. Und selbst wenn wir das erste Spiel gegen sie verlieren sollten, haben wir es noch in eigener Hand.

Topspiel gegen Spanien: Renars Uscins Foto: IMAGO/Maximilian Koch

Juri Knorr hatte auch Kritik am Bundestrainer geäußert. Wie fanden Sie das?

Ich habe nicht alles genau verfolgt. Aber grundsätzlich will man doch auch Spieler mit Ecken und Kanten, die sagen, was sie denken. Es kommt dabei immer auf die Formulierung an. Und das, was ich mitbekommen habe, war doch nichts Dramatisches. Wir sind alle Menschen, da kommen Emotionen hoch. Unter erwachsenen Männern kann man sich auch mal etwas sagen.

Bei den Titelgewinnen 2007 und 2016 gab es auch in der Vorrunde jeweils eine Niederlage. Ein gutes Omen?

Das gehört vielleicht dazu (lacht). Aber ich bin kein Freund vom Blick in die Vergangenheit, die Mannschaft ist ja auch eine ganz andere. Was zählt ist, dass wir weiter sind und zwei Punkte mitnehmen.

Was muss das Team beherzigen, damit es fürs Halbfinale reicht?

Torhüter und Abwehr müssen den Fokus hoch halten. Das Tempo müssen wir mitnehmen, damit wir ein paar einfache Tore erzielen. Im Positionsangriff gilt es, mit viel Bewegung schnell den Ball laufen zu lassen. Enorm wichtig ist auch, weiterhin die komplette Kaderbreite zu nutzen, gerade jetzt, wenn es in der Hauptrunde Schlag auf Schlag geht.

Auf Ihrer Position im rechten Rückraum kommt Renars Uscins rechtzeitig in Form?

Er hat gespielt wie zu seinen besten Zeiten. Seine überragende Partie gegen Spanien war hoffentlich der Knotenlöser, das freut mich sehr. Renars hatte kein einfaches Jahr.

Wo landet das DHB-Team?

Mein Tipp ist, dass wir auch die Hauptrunde überstehen, das Halbfinale meistern und im Finale gegen Dänemark spielen. Aber ich muss ehrlich zugeben. Nach dem Serbien-Spiel war ich schon erschrocken und habe gedacht, mit solch einem Auftritt wird es schwierig, weit zu kommen.

Weit kommen ist nett formuliert, das Spiel gegen Spanien hätte das letzte Spiel von Alfred Gislason als Bundestrainer sein können.

Ja, genau. So verrückt ist der Sport, alles liegt so eng beieinander, alles geht so schnell. Hätte, wenn und aber – jetzt reden wir plötzlich über ein Finale.

Zur Person

Vita
Kai Häfner wurde am 10. Juli 1989 in Schwäbisch Gmünd geboren. Seine Stationen: TSB Gmünd (1995 bis 2006), TV Bittenfeld (2006/2007), Frisch Auf Göppingen (2007 bis 2011), HBW Balingen-Weilstetten (2011 bis 2014), TSV Hannover-Burgdorf (2014 bis 2019), MT Melsungen (2019 bis 2023), jetzt TVB Stuttgart. Größte Erfolge: Junioren-Weltmeister 2009, EHF-Pokal-Sieger 2011, Europameister 2016, Olympia-Bronze 2016 und Olympia-Silber 2024. Der Linkshänder absolvierte 154 Länderspiele (361 Tore), er hat seine Nationalmannschaftskarriere inzwischen beendet. Sein Vertrag beim TVB läuft bis 2027.

Persönliches
Kai Häfner ist verheiratet mit Saskia. Das Paar wohnt in Lorch und hat zwei Söhne (Levi/5 Jahre und Matti/2). Hobby: Reisen/Städtetrips. Häfners jüngerer Bruder Max spielt ebenfalls beim TVB Stuttgart. (jüf)

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