Nationalspieler Marko Grgic sucht den Kontakt zu seinem Vater und Ratgeber Danijel Grgic (li.), dem Co-Trainer des TVB Stuttgart. Foto: IMAGO/wolf-sportfoto
Marko Grgic zeigte gegen Norwegen eine überragende Leistung. Sein Vater Danijel, Co-Trainer beim TVB Stuttgart, schätzt vor dem EM-Duell mit Dänemark die Chancen des DHB-Teams ein.
Mit sieben Toren warf Marko Grgic Deutschland zum 30:28 gegen Norwegen. Sein Vater Danijel, Co-Trainer beim TVB Stuttgart, schätzt vor dem EM-Duell mit Dänemark (Montag, 20.30 Uhr/ARD) die Lage ein.
Herr Grgic, auf welche Art haben Sie Ihrem Sohn gratuliert?
Wir haben ihm geschrieben, ich weiß, dass er viel zu tun hat, gerade nach so einem Spiel ist er ein gefragter Interviewpartner.
In den ersten vier Spielen war er mit zwei Toren noch nicht im Turnier angekommen. Waren Sie als Ratgeber gefragt?
Natürlich habe ich ihm am Telefon meine Meinung gesagt, Kritik geübt, Tipps gegeben. Man darf sich nicht verunsichern lassen, man darf den Mut und die Entschlossenheit nicht verlieren, egal was passiert. Das Nationaltrikot wiegt schwerer als das Vereinstrikot. Das spüren alle, das hemmt viele – mit einer Ausnahme.
Er läuft extrem heiß, ihn beflügelt es, wenn er für Deutschland im Tor steht, und er hält außerirdisch. Die Feldspieler dagegen überlegen viel mehr, ihr Arm wird schwerer. Nehmen Sie unseren norwegischen Rechtsaußen vom TVB, Kasper Lien. Er verwirft am Samstag nicht nur einmal freistehend, bei unserem Bundesligaspiel in Kiel schenkte er Andi Wolff locker fünf Tore ein.
Ohne Ihren Sohn hätte es trotz der 22 Wolff-Paraden nicht gereicht. Wie erklären Sie sich seine Leistungsexplosion?
Gegen Portugal erwischte Miro Schluroff so einen Glanztag mit vielen glücklichen Umständen, Fifty-fifty-Würfe aus zehn Metern gingen rein, jetzt war das bei Marko der Fall. Er hätte auch einen Kühlschrank aufs Tor werfen können, und der wäre drin gewesen. Das ist ein schmaler Grat. Da gilt es dran zu bleiben und die Leistung zu bestätigen. Bisher machen wir vorne zu viele Fehler.
Marko Grgic freut sich nach seinem Gala-Auftritt gegen Norwegen. Foto: IMAGO/Kessler-Sportfotografie
Was muss konkret besser werden?
Wir müssen im Angriff mehr Zweikämpfe führen. Das heißt nicht, dass wir ständig ins Eins-gegen-Eins gehen sollten wie der SC Magdeburg oder Island, aber immer wieder einmal. Das würde uns Sicherheit geben, das ermüdet die gegnerische Abwehr. Uns fehlt diese Tiefe. Wir können uns nicht auf die Würfe aus zehn Metern verlassen. Schon gar nicht gegen die Dänen, da sie mit Emil Nielsen ebenfalls einen Ausnahmekönner im Tor haben.
Deutschland braucht für den Halbfinaleinzug einen Sieg gegen Dänemark oder Frankreich. Glauben Sie dran?
Bis jetzt hat das deutsche Team in keinem Spiel über 60 Minuten überzeugt. Das heißt, mit durchschnittlichen Leistungen kam man auf die Optimalausbeute von sechs Punkten. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass jetzt als Mannschaft ein absoluter top Tag gelingt, an dem vorne und hinten alles klappt. Ob das gegen Frankreich oder Dänemark der Fall ist? Je früher, desto besser. Genug Körner sind im Tank und jeder Spieler weiß, das nächste Spiel kann seines werden.
Würden Sie gegen Dänemark Matthes Langhoff auf seinen Berliner Vereinskollegen Mathias Gidsel ansetzen?
Das ist eine gute Frage. Das Problem ist, dass wir uns eigentlich keine Angriff- Abwehr-Wechsel leisten können, weil uns sonst die Dänen bestrafen und überrennen. Ich hätte auch kein Problem damit, mit Langhoff auf Halblinks zu beginnen, damit man nicht wechseln muss.
Wer holt den Titel?
Ich hatte auf Dänemark getippt. Sie haben 15 000 Zuschauer im Rücken. Andererseits gibt es diesen EM-Fluch bei den Dänen, ähnlich wie dieser Finalfluch der Fußballer von Benfica Lissabon. Worauf ich mich festlege: Die beiden Mannschaften, die aus der deutschen Gruppe ins Halbfinale kommen, werden wir im Finale wiedersehen.