Handball-EM So viel Gehalt und Prämien erhalten die Handballer
Dass der Volkssport Fußball mehr als ein Millionengeschäft ist, weiß jeder. Wie sieht es im Handball aus? Was verdienen die Nationalspieler? Welche Prämien erhalten sie bei dieser EM?
Dass der Volkssport Fußball mehr als ein Millionengeschäft ist, weiß jeder. Wie sieht es im Handball aus? Was verdienen die Nationalspieler? Welche Prämien erhalten sie bei dieser EM?
Dem deutschen Fußball sind in letzter Zeit schon ein paar Zacken aus der Krone gebrochen. Das ändert natürlich überhaupt nichts daran, dass die Nationalspieler des Volkssports Nummer eins, wenn sie nichts total Verrücktes anstellen, am Ende ihrer Karriere ausgesorgt haben. Von den Handballern mit dem Adler auf der Brust kann das dagegen kaum einer behaupten. Während kickende Topstars wie Manuel Neuer, Thomas Müller, Leroy Sane oder Joshua Kimmich auf Jahres-Gehälter von rund 20 Millionen Euro kommen, gilt in der Auswahl des deutschen Handballbundes (DHB) Kapitän Johannes Golla laut „Sportbuzzer“ mit einem Brutto-Jahresgehalt von 480 000 Euro als der Topverdiener.
Dass in seiner Branche nur ein Bruchteil dessen eingestrichen wird, was die berühmtesten Fußballer-Kollegen teils im Monat kassieren, ist für den 26-Jährigen von der SG Flensburg-Handewitt überhaupt kein Problem und sogar nachvollziehbar: „Natürlich ist es ein Riesenunterschied, aber die Fußballer zahlen dafür auch ihren Preis. Die stehen noch mehr in der Öffentlichkeit, haben noch weniger Freiraum“, erklärte Golla und ergänzte: „Ich bin sehr zufrieden, dass ich mit meinem Sport ein gutes Leben habe und für später etwas zurücklegen kann.“
Der abwehrstarke Kreisläufer war es auch, der gemeinsam mit Rechtsaußen Timo Kastening Anfang November 2023 in München die EM-Prämien mit dem DHB aushandelte. Man einigte sich gemäß „Sport-Bild“ auf 30 000 Euro pro Nationalspieler für EM-Gold, Für Platz zwei gibt es 25 000 Euro, für Platz drei noch 18 000 Euro und 12 000 Euro für Platz vier. Die sogenannte „6:0-Punkte-Prämie“ hat das Team durch die 30:33-Niederlage gegen Frankreich schon verspielt.
Wäre die Hauptrunde ohne Minuspunkte erreicht worden, hätte es es 50 000 Euro extra für alle zusammen gegeben. Zudem bekommen die Spieler für die EM-Dauer inklusive Vorbereitung Tagesgelder, die nach der Anzahl der absolvierten Länderspiele gestaffelt sind: Von null Euro (null bis 25 Länderspiele) bis 260 Euro (181 und mehr).
Zum Vergleich: Für die Fußballer ist mit Blick auf die Heim-EM (14. Juni bis 14. Juli 2024) die grobe Verhandlungsgrundlage für den Titel 400 000 Euro pro Spieler.
Obwohl die deutsche Handball-Bundesliga aufgrund ihrer Ausgeglichenheit als die stärkste Liga der Welt gilt, werden Topleute im Ausland zum Teil besser entlohnt. Bekannte Beispiele gibt es vor allem in Osteuropa, wo KC Veszprem aus Ungarn, Industria Kielce aus Polen oder auch Dinamo Bukarest (Rumänien) als besonders zahlungskräftig gelten.
Auch der FC Barcelona und Paris Saint-Germain entlohnen üppig, wobei vor allem beim spanischen Traditionsclub zuletzt der Rotstift angesetzt wurde, da die Handballer am finanziellen Tropf der Fußballer hängen. Der Franzose Nikola Karabatic (Paris Saint-Germain) und der Däne Mikkel Hansen (Aalborg Handbold/früher Paris) gelten in Fachkreisen als die einzigen Handballer in der Geschichte des Sports, deren Jahresgehalt inklusive Prämien den Millionenbereich knacken dürfte.
„Wahrscheinlich wird in anderen Ländern tatsächlich teils mehr bezahlt, doch auch bei uns sind die Gehälter exzellent. Und wer den Wettbewerb haben will, der spielt in der Bundesliga und nicht vor teils 250 Zuschauern in Spanien“, sagt Bob Hanning, der Geschäftsführer der Füchse Berlin. Nur so ist es auch zu erklären, dass in seinem Verein mit dem dänischen Rückraumass Mathias Gidsel der aktuell begehrteste Handballer der Welt am Ball ist.
Die Bundesliga mit ihren vollen Hallen zieht die Topleute an. Andreas Wolff (32) ist im DHB-Team der einzige Legionär. Der Weltklassekeeper vom polnischen Topclub Kielce kommt laut „Sportbuzzer“ auf ein Brutto-Jahresgehalt von 420 000 Euro. Da die deutschen Clubs im Vergleich mit den ausländischen Ligen für ihre Stars aufgrund des Spitzensteuersatzes von 42 Prozent mehr hinblättern müssen als die internationale Konkurrenz, bleibt Wolff aber unterm Strich ein höheres Netto-Gehalt als Brutto-Topverdiener Golla.
Wie sieht es in den anderen Sportarten hinter dem Fußball aus? Im Basketball schert der deutsche Topstar Dennis Schröder nach oben aus. Der Nationalspieler streicht bei den Toronto Raptors in der nordamerikanischen Profiliga NBA rund elf Millionen Euro pro Saison ein. In der Basketball-Bundesliga (BBL) gehört dagegen ein Jahresgehalt von 300 000 Euro zum absoluten Spitzenwert. Das gilt auch für die Deutsche Eishockey Liga (DEL). Leon Draisaitl vom amerikanischen NHL-Club Edmonton Oilers thront im Ranking der Kufenflitzer mit etwa sieben Millionen Euro über allen.
Angebot und Nachfrage regelt das Gehalts-Ranking. Das weiß auch Bayern-Original Thomas Müller: „Wir Fußballer bekommen mehr Geld als die Handballer, Basketballer und Eishockeyspieler. Aber nicht weil wir besser Fußball spielen als die in ihren Sportarten, sondern weil den Fußball – Gott sei Dank, das ist unser Glück – in Deutschland und auf der Welt einfach die meisten Menschen anschauen, lieben und konsumieren.“
Johannes Golla (25/SG Flensburg-Handewitt): 480.000 Euro
Kai Häfner (34 Jahre/TVB Stuttgart): 420.000 Euro
Andreas Wolff (32/Industria Kielce): 420.000 Euro
Timo Kastening (28/MT Melsungen): 360.000 Euro
Juri Knorr (23/Rhein-Neckar Löwen): 336.000 Euro
Jannik Kohlbacher (28/Rhein-Neckar Löwen): 324.000
Philipp Weber (31/SC Magdeburg): 300.000 Euro
Julian Köster (23/VfL Gummersbach): 300.000 Euro
Sebastian Heymann (25/Frisch Auf Göppingen): 300.000
Christoph Steinert (33/HC Erlangen): 240.000 Euro
Lukas Mertens (27/SC Magdeburg): 216.000 Euro
Rune Dahmke (30/THW Kiel): 216.000 Euro
David Späth (21/Rhein-Neckar Löwen): 180.000
Nils Lichtlein (21/Füchse Berlin): 144.000
Renars Uscins (21/TSV Hannover-Burgdorf): 144.000
Justus Fischer (20/TSV Hannover-Burgdorf): 144.000
Martin Hanne (22/TSV Hannover-Burgdorf): 120.000