Handball – Entscheidungsspiele Die TVR-Frauen verpassen den Aufstieg knapp
Der 27:22-Erfolg im Rückspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen reicht aufgrund der Auswärts-Tore-Regel nicht. Dennoch ist Trainerin Zemmel stolz.
Der 27:22-Erfolg im Rückspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen reicht aufgrund der Auswärts-Tore-Regel nicht. Dennoch ist Trainerin Zemmel stolz.
Es hat nicht sollen sein: Wie bereits die Männer am Vortag scheiterten die Landesliga-Handballerinnen des TV Reichenbach in den Entscheidungsspielen. Die TVR-Frauen gewannen zwar das Rückspiel um den Aufstieg in die zur kommenden Saison startende überregionale Verbandsliga des neuen baden-württembergischen Handballverbands gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 27:22 (10:11), mussten den Gästen aber aufgrund der mehr erzielten Auswärtstore den Vortritt lassen. Das Hinspiel hatten die Reichenbacherinnen mit 19:24 verloren.
„Im ersten Moment ist die Enttäuschung natürlich riesengroß“, sagte TVR-Trainerin Carolin Zemmel. Gleichzeitig war sie aber „mega-stolz“ auf die Leistung: „Wir können die Halle hier hoch erhobenen Hauptes verlassen“, bekräftigte Zemmel, die vor der Saison als Interimslösung den Trainerstab übernommen hatte und selbigen zu kommenden Runde an Frank Rilling weitergibt.
Die Partie in der brütend heißen Reichenbacher Brühlhalle begann zäh – das 2:3 nach einer guten Viertelstunde aus Sicht der TVR-Frauen spricht eine deutliche Sprache. Es gab viele technische Fehler auf beiden Seiten, die Reichenbacherinnen taten sich im Angriff schwer gegen die robust zupackende 6:0-Defensive der Löwen, ebenso wie sich die Gäste ein ums andere Mal die Zähne an der offensiv ausgerichteten 4:2-Abwehr der TVR-Frauen ausbissen.
Nach einer Auszeit (22.) stellte Löwen-Coach Roland Mächtel sein Team besser ein – die Löwinnen drückten im Angriff aufs Tempo, fanden plötzlich Lücken und legten bis zum 10:6 (25.) vor. Bis zur Pause verkürzten die Reichenbacherinnen teilweise im Überzahlspiel wieder auf 10:11.
In Durchgang zwei verpasste TVR-Coach Zemmel der cleveren Löwen-Spielmacherin Anna-Lena Mächtel fast über die gesamten 30 Minuten eine Sonderbewachung. Mit Erfolg. Beim 15:15 (39.) per erweitertem Tempogegenstoß durch Ann-Kristin Seiter gelang erstmals wieder der Ausgleich, wiederum Seiter gelang knapp drei Minuten später beim 16:15 sogar die erste Reichenbacher Führung seit dem 5:4 (20.). „Die enge Deckung hätte vielleicht früher kommen müssen“, übte Zemmel Selbstkritik.
Der Spielfluss der Löwinnen wurde dank des Kniffs deutlich ausgebremst, dennoch hielten die Gäste zunächst mit. Erst in den letzten zehn Minuten zogen die TVR-Frauen Treffer um Treffer davon und angesichts des Fünf-Tore-Rückstands aus dem Hinspiel rückte eine Überraschung immer mehr in greifbare Nähe. Stück für Stück arbeiteten sich die Hausherrinnen mit viel Herz weiter heran – und behielten im Gegensatz zu den Löwen auch in brenzligen Situationen öfters die Nerven. Beispielsweise Jana Erfle, die zwei Minuten vor der Schlusssirene beim 25:22 einen Siebenmeterwurf erst an die Latte setzte, sich dann aber wieselflink den Abpraller schnappte und zum 26:22 traf. Anders die Löwinnen, die im Angriff gleich mehrfach leichtfertig den Ball verloren. Wiederum Erfle erhöhte eineinhalb Minuten vor dem Spielende per Siebenmeter auf 27:22 – womit der Fünf-Tore-Rückstand der Reichenbacherinnen egalisiert war.
Die Vorteile schienen aufseiten der Hausherrinnen, die auch noch in Überzahl waren. Letztlich brachten sie die Ball aber nicht mehr im Löwen-Tor unter. „Die Partie war wie auch schon das Hinspiel auf Messers Schneide“, sagte Löwen-Trainer Mächtel sichtlich erleichtert. Er hatte 50 Minuten ein gutes, aber hart umkämpftes Spiel seines Teams gesehen. Angesichts der dünnen Personaldecken – gleich fünf Spielerinnen waren direkt aus dem Urlaub nach Reichenbach gekommen – hatte die Löwen nach dem Hinspiel nicht trainiert: „Es war nicht zu erwarten, dass wir soweit kommen. Im Gegenteil – aufgrund der Neustrukturierung der Ligen haben wir eigentlich fast die komplette Saison gegen den Abstieg gespielt.“
Bei den TVR-Frauen waren ebenso drei Stammspielerinnen privat verhindert. Und auch wenn sie weiter in der Landesliga antreten: „Wir haben uns noch mal belohnt für eine tolle Saison, das ist nach zuletzt schwierigen Zeiten psychologisch sehr wichtig für die Mannschaft“, sagte Zemmel.
TV Reichenbach: Baur, Graf, Schmidt; Seiter (5), Horeth (1), Pflüger (1), Leonhardt (2/2), Erfle (9/6), Aurenz (1), Rottmann (2), Greiner, Robinson, Tonn (6).
Rhein-Neckar Löwen: Förderer; Köse (3), Melder (5), Sabisch (3), Eggers, Reichenbach (1), Rausch, Laier (3), Firnkes (1), Salzer (2), Mächtel (4), Merk.
Schiedsrichter: Mario Keppler / Tobias Schüle (Oberstenfeld).
Zuschauer: 200.
Zeitstrafen: 6:10 Minuten – zwei Mal zwei Minuten für Erfle (Reichenbach), Rausch (Rhein-Neckar Löwen), zwei Minuten für Tonn (Reichenbach), Sabisch, Eggers, Firnkes (Rhein-Neckar Löwen).
Beste Spielerinnen: Tonn, Seiter / Mächtel, Laier.