Am kommenden Wochenende wird Veronika Goldammer erneut kaum Zeit zum Durchatmen bekommen. Am Samstagabend steht für die HSG Stuttgart Kickers/TuS Metzingen 2 um 20 Uhr in der Möhringer Rembrandthalle das Regionalliga-Derby gegen die HSG Leinfelden-Echterdingen an, am Sonntagmittag empfängt dann die A-Jugend der Handballspielgemeinschaft in der Meisterschaftsrunde der Jugendbundesliga den TSV Bayer 04 Leverkusen. Für beide Mannschaften trägt die 51-Jährige als Cheftrainerin die Verantwortung. Zudem ist sie bei den B-Juniorinnen als Co-Trainerin dabei.
„Ich bin das seit Jahren gewöhnt, mit mehreren Mannschaften gleichzeitig zu arbeiten. Daher ist das für mich völlig normal, am Wochenende bei zwei oder drei Spielen auf der Bank zu sitzen“, erzählt Goldammer. Der Spaß und ihre Begeisterung treiben sie an, ihre Wochenenden in Sporthallen zu verbringen, verrät die Trainerin. „Es ist einfach das Schönste, zu sehen, wie sich junge Spielerinnen entwickeln, wie man selber auch Spielerinnen prägt, nicht nur sportlich, sondern natürlich auch persönlich“, erläutert sie.
Spielerinnen zu entwickeln, ist die Hauptaufgabe, die die A-Lizenz-Inhaberin im Mai bei der HSG Stuttgart/Metzingen übernommen hat. Zuvor war sie rund 19 Jahre lang erst Trainerin und später Sportliche Leiterin beim ehemaligen Bundesligisten TV Nellingen. Dort hatte die gebürtige Oberfränkin keine sportliche Perspektive mehr gesehen und sich deshalb dem Nachwuchsprojekt des TuS Metzingen und der Stuttgarter Kickers angeschlossen. Damit folgte sie ihrer Tochter Katharina, die ein Jahr zuvor als Spielerin den gleichen Weg gegangen ist. Hin und wieder steht die 18-jährige Bundesligaspielerin im Kader des Regionalliga-Teams – und spielt damit unter ihrer Mutter. „Das ist ja auch eine gewohnte Situation für uns“, erzählt Veronika Goldammer. Schon in Nellingen wurde die Junioren-Nationalspielerin von anderen Trainern betreut und spielte regelmäßig in Mannschaften, die ihre Mutter trainierte.
Veronika Goldammer selbst hatte in ihrer Jugend ebenfalls um eine deutsche Meisterschaft gespielt und war anschließend zehn Jahre lang in Österreich als Spielerin aktiv. Mit ihrem Verein aus der Wiener Neustadt lief sie außerdem in mehreren internationalen Wettbewerben auf. „Das sind Erfahrungen, die dir als Trainerin weiterhelfen, was auch Belastungen der Spielerinnen angeht“, sagt Goldammer.
Denn diese Doppelbelastung muss sie als Trainerin der jungen Spielerinnen steuern, die zum Großteil sowohl in der Frauen-Regionalliga als auch in der A-Jugend aktiv sind. „Mir ist es aber auch wichtig, das in die Eigenverantwortung der Spielerinnen zu geben“, erklärt Goldammer. Wenn eine Spielerin eine Pause braucht, solle sie das kommunizieren, dann erhalte sie diese selbstverständlich. „Das funktioniert wirklich sehr gut. Da bin ich auch echt stolz auf die Mädels“, sagt die hauptberufliche Physiotherapeutin. Grundsätzlich seien die Spielerinnen die Doppelbelastung bereits gewöhnt.
Auch am kommenden Wochenende sind viele Spielerinnen wieder doppelt gefordert. Zunächst geht es am Samstag in der Frauen-Regionalliga gegen die HSG Leinfelden-Echterdingen. Das Ziel ist nach dem unglücklichen Abstieg aus der 3. Liga im vergangenen Jahr klar: der direkte Wiederaufstieg. Bislang befindet sich das Team auf einem guten Weg. Spielerisch zeigen sie den gewünschten offensiven Handball und auch die Ergebnisse stimmen. Mit 24:4 Punkten führt das junge Team die Tabelle an. Die ersten beiden Teams qualifizieren sich für die Aufstiegsrunde zur 3. Liga. „Es ist in diesem Jahr kein Muss, spätestens nächstes Jahr sollte es aber klappen“, stellt Goldammer klar.
Das Spiel gegen den Tabellenneunten Leinfelden-Echterdingen will die erfahrene Trainerin nicht unterschätzen. Im Hinspiel setzte sich der Favorit nur knapp mit 26:25 durch. „Ich sehe auch die Entwicklung der Leinfelder Mannschaft, bei der man jetzt auch sieht, dass die Mädels besser miteinander harmonieren und zusammenspielen“, erzählt Goldammer. Ihr Team müsse deshalb konzentriert zu Werke gehen und Respekt vor dem Gegner haben.
Genauso wie dann am Sonntag um 15 Uhr in Metzingen gegen Leverkusen. Viele Spielerinnen der Leverkusener A-Jugend laufen für das Zweitliga-Team der Rheinländer auf. „Am Samstag spielt die erste Mannschaft von Leverkusen in Waiblingen. Ich denke, davon wird einiges abhängen. Wie viele Einsatzzeiten haben die Spielerinnen dort? Wie stark vorbelastet sind sie?“, sagt Goldammer, die den Gegner sonst schwer einschätzen kann. „Sie haben super Außenbahnspielerinnen. Außerdem haben sie in Merle Muth die U-19-Nationaltorhüterin“, berichtet die Stuttgarter Trainerin.
Die Ziele der HSG Stuttgart/Metzingen sind klar
Dennoch ist auch hier das Ziel für den Tabellendritten der Meisterrunde B klar: unter die besten vier kommen und damit das Viertelfinale erreichen. Für ihre gesetzten Ziele nehmen die Spielerinnen und ihre Trainerin alle Strapazen gerne in Kauf.