Handball in Fellbach Ein bisschen Laisser-faire muss sein

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Der 31-jährige Halbfranzose Jerome Staehle ist der neue Trainer der Handballer des TSV Schmiden (Württemberg-Liga).

Jerome Staehle gefällt es in der Schmidener Sporthalle, seiner neuen handballerischen Heimstätte. Foto: Gerhard Pfisterer
Jerome Staehle gefällt es in der Schmidener Sporthalle, seiner neuen handballerischen Heimstätte. Foto: Gerhard Pfisterer

Schmiden - Horst wer?“ titelte die Bild-Zeitung 2004 nach der Ernennung von Horst Köhler zum Bundespräsidenten. „Jerome wer?“ fragten sich unlängst die Fans der Handballer des TSV Schmiden (Württemberg-Liga) nach der Verpflichtung von Jerome Staehle als Nachfolger des renommierten Trainers Alexander Prasolov für die nächste Runde, die Mitte September beginnt.

Gestatten: Jerome Staehle, geboren am 13. September 1981 in Stuttgart. Mutter Französin, Vater Deutscher. Zweisprachig aufgewachsen – und mit Handball. Bereits seit seinem 16. Lebensjahr vielfältig als Coach engagiert, Inhaber der A-Trainer-Lizenz. „Ich habe eine Handballmacke, für mich gibt es nur Arbeit und Handball“, sagt der 31-Jährige aus Zuffenhausen, der mit einer Firma im Gartenbau selbstständig ist. Das heißt aber nicht, dass er Wege pflastert. Es geht mehr um Designideen und Floristik. Jerome Staehle, ausgebildeter Florist und Gärtnermeister, ist ein kreativer Kopf. Auch als Trainer. „Schnellen Handball mit vielen Freiheiten“ will er beim TSV Schmiden etablieren.

„Ich gebe Richtungen vor – aber keine Schienen, sondern freie Straßen“, sagt der neue Coach. „Es soll jeder seine Kreativität entfalten, ich zwinge keinen in einen Schuh.“ Ein bisschen Laisser-faire muss sein. Das ist seine Grundeinstellung. Alles weitere ergibt sich. „Ich versuche, mit der Mannschaft eine Philosophie zu finden und zu entwickeln. Einfach kommen und eine Glocke drüberstülpen, das funktioniert nicht“, sagt Jerome Staehle.

Saison mit vielen Rems-Murr-Kreis-Derbys

Zugute kommt ihm dabei, dass sich das Schmidener Team in einem Umbruch befindet. Matthias Heineke (Karriereende/Trainer TSF Ditzingen), David Thomitzni (TSF Ditzingen), Marco Kolotuschkin (SV Kornwestheim) und Timo Leonhardt (SF Schwaikheim), allesamt langjährige Stammkräfte, sind ebenso weg wie Tobias Deuring (SG Bottwartal) und Sebastian Scheffzek (Karriereende). Sebastian Bürkle, Maik Hammelmann (beide VfL Waiblingen), Jakob Jungwirth (TV Oppenweiler), Marius Roming (FA Göppingen II) und Leon Pabst (TV Bittenfeld) sind dafür neu im Aufgebot. Zudem dürfen sich während der laufenden Vorbereitung etliche Spieler aus der zweiten Formation wie Tobias Müller oder Felix Purkert für einen Platz im Kader empfehlen. „Die Hierarchie entwickelt sich ganz alleine. Aber man sieht schon, dass Tim Baumgart als dienstältester Spieler eine Führungsrolle übernimmt“, sagt Jerome Staehle.

Den TSV Schmiden erwartet nach dem Abstieg aus der Baden-Württemberg-Oberliga eine Saison mit vielen Rems-Murr-Kreis-Derbys (gegen den Stadtrivalen SV Fellbach, den VfL Waiblingen, den TV Bittenfeld II, die SF Schwaikheim und die SV Remshalden). „Das Ziel wird sein, eine tragende Rolle zu spielen“, sagt Jerome Staehle. „Wir können aber nicht sagen, wir sind als Absteiger Aufstiegsfavorit. Es gibt acht Mannschaften, von denen jede jeden schlagen kann. Es wird sehr interessante Spiele mit großen Emotionen geben.“

Die eigene Spielerkarriere endet früh

Mit Derbys kennt er sich aus: „Ich mache den Job ja schon eine Weile.“ Mit nur 16 Jahren hat er bei seinem Heimatverein HSV Stuttgart-Nord als Jugendtrainer angefangen. Bereits mit 18 Jahren hörte er nach zwei Bandscheibenvorfällen und einem Kreuzbandriss als Spieler auf und betreute fortan oftmals gleich zwei Teams parallel. Stationen waren beispielsweise Frisch Auf Göppingen II und der VfL Waiblingen (jeweils Frauen), die HSG Schönbuch (Frauen, Männer) oder die HSG Ostfildern (Männer).

Zuletzt führte der 31-Jährige die Handballerinnen des TSV Bönnigheim in der Württemberg-Liga an. Eigentlich wollte er sich in dieser Runde eine Auszeit vom Trainertum gönnen – bis die Anfrage aus Schmiden kam. „Der Umbruch hat mir gefallen und dass auf Eigengewächse Wert gelegt wird. Es wird auch immer seltener, dass irgendwo so viele Fans kommen wie hier“, sagt Jerome Staehle, der sich nun in Fellbach einen Namen machen möchte.




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