Handball Oberliga Abschied aus dem Wohnzimmer des SV Leonberg/Eltingen

Der Mann, den nicht wenige Handball-Freunde den „Glücksfall für den SV Leonberg/Eltingen“ nennen: Chefcoach Christian Auer Foto: Andreas Gorr

Handball-Oberligist SV Leonberg/Eltingen bestreitet sein letztes Saisonspiel gegen H2Ku Herrenberg – damit verabschieden sich auch einige Akteure vom Club.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Sie hätten ja Andrea Bocelli und Sarah Brightman einladen können, die Handballer des SV Leonberg/Eltingen. An diesem Sonntag (17 Uhr) trifft der Oberligist in seinem sogenannten Wohnzimmer im Sportzentrum auf die H2Ku Herrenberg, es ist das letzte Saisonspiel – und da stehen für gewöhnlich Verabschiedungen nach Spielschluss auf dem Programm.

 

Signore Bocelli und Miss Brightman könnten zum Saisonfinale der Handballer ihren Welthit „Time to say goodbye“ singen, doch auch wenn das Lied nur von der Konserve kommt, würde es die Atmosphäre bestens abrunden – insgesamt werden acht Personen verabschiedet. Der scheidende Chefcoach Christian Auer charakterisiert die Abgänge kurz und knapp.

Dominik Fischer Der Kapitän geht von Bord, er ist ein Urgestein des Clubs und spielt seit 2013 für den SV. „Er ist auf dem Feld wie neben dem Feld ein klasse Typ“, sagt Auer, „zu dem viele aufschauen. Für mich ist Fischi der beste Linksaußen der Oberliga. Wenn man in Leonberg Trikots an die Hallendecke hängen könnte, müsste seines auf jeden Fall dabei sein.“ Dominik Fischer beendet seine Karriere und ist damit der dritte SV-Spielführer nach Lars Neuffer (2023) und Andreas Binder (2024) in Folge, der aufhört.

Der Kapitän geht von Bord: Dominik Fischer Foto: Andreas Gorr

Dennis Kellner Der Torhüter kam 2022 von den SF Schwaikheim unter den Engelberg und entwickelte sich zusehends zum Rückhalt der Mannschaft. „Ich habe ihn zu uns geholt“, sagt Auer, „und ich würde sagen: Er war mein Gold-Transfer. Er passte menschlich sofort hervorragend ins Team und bildet mit Max Schneider ein super Torhüter-Duo. Ich bewundere vor allem sein ruhiges Stellungsspiel. Dank seiner Leistung haben wir nicht wenige Spiele gewonnen.“ Dennis Kellner hängt sein Trikot an den berühmten Nagel.

Rückhalt zwischen den Pfosten: Dennis Kellner Foto: Andreas Gorr

David Zimmermann Der Rückraumspieler, Jahrgang 1997 und seit 2019 für den SV Leonberg/Eltingen auf dem Feld aktiv, wird ebenfalls seine Laufbahn beenden. „Er hat sich super entwickelt“, sagt Auer und schmunzelt, „er ist im positiven Sinne ein Chaot auf und neben dem Spielfeld. Er haut sich immer voll rein und es ist verdammt unangenehm, gegen ihn zu verteidigen.“

Der Mann für das Unmögliche: David Zimmermann Foto: Andreas Gorr

Jakob Ulrich Der ehemalige Kreisläufer hat eine dicke Krankenakte, die in zum Karriereende zwang; danach stand er als Co-Trainer an der Seitenlinie. Nun macht er zunächst einmal eine Pause. „Jakob war jahrelang der beste Kreisläufer der Liga“, sagt Auer, „obwohl er nicht der Größte ist. Es bricht mir das Herz: Er war nie verletzt, nur einmal – und das bedeutete das Ende seiner sportlichen Laufbahn. Ich bin überzeugt, er kommt eines Tages zurück und wird einmal ein sehr guter Trainer.“

Rückkehr als Trainer nicht ausgeschlossen: Jakob Ulrich Foto: Andreas Gorr

Tobias Rühle Der Rückraum-Akteur war seit 2019 Teil der Leonberger Handball-Mannschaft, der 25-Jährige wechselt zur kommenden Saison zum Oberliga-Absteiger TV Oeffingen. „Der Kreuzbandriss in der vergangenen Saison hat ihn leider ziemlich zurückgeworfen“, sagt Auer, „aber Tobi hat einen richtig guten Arm, den er einzusetzen weiß. Bei ihm hätte ich mir als Trainer noch ein bisschen mehr körperliche Robustheit gewünscht.“

Damals Gegner, bald Teamkollegen beim TV Oeffingen: Tobias Rühle Foto: Maximilian Hamm

Nico Eursterholz Der Mann aus Nordrhein-Westfalen besaß ein Zweitspiel-Recht beim SV – nachdem er seinen Master abgeschlossen hat, kehrt der Kreisläufer (Jahrgang 2002) aus beruflichen Gründen in seine Heimat zurück. „Ein erstklassiger Mann am Kreis“, sagt Auer, „er hält den Innenbereich gut gedeckt. Seinen berühmten Dreher haben wir alle sehr geschätzt. Nico hat sich bei uns großartig eingebracht in der begrenzten Zeit, in der er uns zur Verfügung stand. Er war in jeder Hinsicht eine Bereicherung.“

Abflug in die Heimat: Nico Eusterholz Foto: Andreas Gorr

Philip Schückle Als Spieler trat der 35-Jährige vergangene Saison zurück und wurde Co-Trainer – allerdings sammelte er wegen Personalknappheit in dieser Saison noch ein paar Einsätze am Kreis. Nun ist für Schückle aber endgültig Schluss in Leonberg. „Auf dem Feld war Philip ein Unterschiedspieler“, sagt Auer, „er gewinnt Spiele, weil er immer wieder etwas Unerwartetes rausholt. Als Co-Trainer habe ich ihn wegen seiner sehr akribischen Arbeit schätzen gelernt – er hat mir viel Arbeit beim Sichten von Spielvideos abgenommen. Philip machte sich extrem viele gute Gedanken über Spieler und Spielkonstellationen.“

Engagiert an der Seitenlinie: Philip Schückle Foto: Andreas Gorr

Bleibt nur noch einer übrig, der am Sonntagabend im Sportzentrum noch verabschiedet wird: der Chefcoach selbst, der als Interimstrainer das Amt im Dezember 2024 bis zum Saisonende übernommen hat – und der davor seit 2015 schon sowohl Spieler als auch Chefcoach beim SV Leonberg/Eltingen gewesen ist. Über sich selbst sagt Christian Auer freilich nichts, aber das muss er auch nicht. Nicht wenige haben den scheidenden Chefcoach vor kurzem bestens beschrieben: „Chris ist ein Glücksfall für den Leonberger Handball.“

Es ist keine Frage: Den einen oder anderen der Abgänger werden die Handball-Freunde des Vereins garantiert im sogenannten Wohnzimmer wieder treffen – und dann können sie über alte Zeiten plaudern.

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