Die SG H2Ku Herrenberg feiert mit zahlreichen Fans den Aufstieg in Heiningen. Foto: Eibner/Andreas Ulmer
Die Handballerinnen der SG H2Ku Herrenberg feiern den Aufstieg in die Regionalliga. Doch für die Überflieger der vergangenen Monate sah es zu Beginn der Saison noch ganz anders aus.
Peter Gebhardt
13.04.2026 - 18:20 Uhr
Der Jubel nach dem Schlusspfiff in Heiningen war grenzenlos. Mit dem 27:21 war den Oberliga-Handballerinnen der SG H2Ku Herrenberg die Rückkehr in die Regionalliga auf Anhieb geglückt. Bevor die überglücklichen Aufsteigerinnen in die Partynacht entlassen wurden, gab es aber sicher bei der einen oder anderen eine Spur von Genugtuung.
Denn vor nicht einmal einem Jahr gab es zunächst einen Abstieg als Tabellenneunter, ehe es durch einen Verbandsfehler fälschlicherweise wieder für einen einzigen Tag geheißen hatte, der Gäuklub würde doch die Klasse halten. Mit dem souveränen Triumph haben sie nun den eindrucksvollen Beweis erbracht, zurecht in Zukunft wieder eine Klasse höher antreten zu dürfen.
SG H2Ku Herrenberg durchläuft einen Entwicklungsprozess
Dementsprechend einig war man sich auch in der Bewertung dieses Erfolgs. „Ich bin so stolz auf die Mannschaft. Vor allem, wenn ich auf die Entwicklung der letzten Monate schaue“, schwärmt Trainer Heiko Fleisch. Für den ehemaligen Sportvorstand Herbert Bökle stand fest: „Nach der bisherigen Saison war mir schon im Vorfeld der Partie klar, dass wir heute souverän gewinnen.“ Bis es mit dem Titel aber soweit war, gab es einen Prozess zu durchlaufen, der vor allem in der ersten Halbserie so manches Wellental bereithielt.
Als sich die Kuties nach einer problemlosen und überzeugenden Vorbereitung nach dem vierten Spieltag mit bereits zwei Niederlagen im Tabellenmittelfeld wiederfanden, war schon etwas Ratlosigkeit an den Fuß der Stiftskirche eingezogen. Die Mannschaft war noch nicht in der Oberliga angekommen, die mentale Stärke wie weggeblasen.
Große Erleichterung: Die SG H2Ku Herrenberg darf ihre Meister-Shirts schon in Heiningen überstreifen. Foto: Eibner/Andreas Ulmer
SG H2Ku Herrenberg leitet die Wende ein
Das Spiel in Pfullingen sollte die Wende bringen. Als man beim dortigen VfL eine hohe Halbzeitführung von acht Treffern innerhalb weniger Minuten verspielte und nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich am Ende doch noch knapp triumphierte, urteilte Fleisch schon damals: „Dieser Erfolg bringt uns richtig voran, vielleicht mehr als ein klarer Sieg.“
Und er sollte Recht behalten. Im Rest der Hinrunde gab es ebenso keinen Punktverlust wie zu Beginn des Januars. Dabei spielte es eine große Rolle, dass der Coach in der Pause rund um den Jahreswechsel wieder verstärkt an der Defensive arbeiten ließ. Waren es in den ersten zehn Saisonduellen knapp 28 Gegentore pro Partie, konnte der Schnitt bei der gleichen Anzahl an Partien der Rückrunde auf überragende 22 Gegentreffer gedrückt werden.
SG H2Ku Herrenberg verfügt über personelle Ausgeglichenheit
Genau diese Deckungsstärke früherer Tage erlaubte es, ein konsequentes Tempospiel über sechzig Minuten mit hohem Risiko zu gehen, da die Ballgewinne in der Abwehr oft zu einfachen Kontern genutzt wurden.
Nur noch eine einzige knappe Niederlage gegen die HSG Bargau/Bettringen gab es im weiteren Verlauf. Was die Gegnerschaft zudem des Öfteren zur Verzweiflung brachte, war die personelle Ausgeglichenheit in der Truppe. Fast jede Akteurin konnte eins zu eins ersetzt werden. So gab es fast nie einen Bruch im Spiel.
SG H2Ku Herrenberg spielt sich in immer größer werdende Dominanz
Denkendorfs Trainer Christoph Hönig umschrieb es nach der Niederlage in Herrenberg fast schon resignierend: „Die sind so unglaublich breit besetzt. Das merkt man gar nicht, wenn die das ganze Spiel durchwechseln.“ So spielten sich die H2Ku-Frauen in eine immer größer werdende Dominanz. Die Frage, zumindest für die Konkurrenz war nicht, ob, sondern wann die SG aufsteigt. Diese Worte nahm Heiko Fleisch allerdings nie an. „Wir tun gut daran, nur in Etappen zu denken“, mahnte er immer wieder.
So war es nun am drittletzten Spieltag soweit. Eine große Anhängerschar war in Heiningen vor Ort, unter anderem auch die früheren Macher aus Zweitligazeiten, Ingo Janoch und Hagen Gunzenhauser, sowie die vorherige Trainerin Melanie Schittenhelm. Und plötzlich gab es trotz allen Selbstvertrauens hier und da ein zittriges Händchen. Die Qualität war dennoch so groß, dass es zum souveränen Erfolg reichte. Man darf nun davon ausgehen, dass die Kuties auch in der Regionalliga eine akzeptable Rolle spielen können.