Handball Oberliga Jung wie selten zuvor: Das Team des SV Leonberg/Eltingen
Beim Handball-Oberligisten müssen sich der neue Trainer Zoran Stavreski und das verjüngte Team in der Vorbereitung finden. Mit zum Teil ungewöhnlichen Aktionen.
Beim Handball-Oberligisten müssen sich der neue Trainer Zoran Stavreski und das verjüngte Team in der Vorbereitung finden. Mit zum Teil ungewöhnlichen Aktionen.
Im Stocherkahn in Tübingen waren sie unterwegs, die Handballer des SV Leonberg/Eltingen, und danach sind sie noch gemeinsam aufs Stadtfest marschiert. Entspanntes Kontrastprogramm zum harten Trainingsalltag in der Vorbereitung. Doch hinter dem erquicklichen Ausflug steckte mehr als nur ein bisschen chillen.
„Diese Aktion zählte zur Team-Entwicklung“, sagt Zoran Stavreski, „die Jungs sollen sich besser kennenlernen, und zwar außerhalb der Halle.“ Und natürlich war der Trip an den Neckar auch für den neuen Coach des Oberligisten eine Möglichkeit, seine künftige Mannschaft einmal in Zivil zu erleben und mit dem einen oder anderen zu plaudern, ohne dabei das Thema Handball auch nur zu streifen.
Kennenlern-Wochen beim SV. Ein neuer Chefcoach gibt die Kommandos, Markus Rentschler heißt der neue Co-Trainer, und auch einige Spieler kennen das Leonberger Sportzentrum erst seit ein paar Wochen von innen. Neun Neuzugänge hat der Club neben den zwei Coaches geholt, sieben Abgänge vermeldet. „Das war schon grenzwertig, so viele Verpflichtungen“, sagt der Sportliche Leiter Werner Neuffer. Das Team wurde am Jungbrunnen gelabt. Selten zuvor war eine Leonberger Herren-Mannschaft jünger. Durchschnittsalter der 19 Spieler: 22,49 Jahre. „Jeder ist unter 30“, betont Neuffer.
Eine ordentliche Aufgabe für Zoran Stavreski, der die Individuen zu einem Team vermengt, ganz wie ein Chemiker, der mehrere Stoffe mischt und daraus eine wertvolle Verbindung schafft – wie aus Sand, Zement und Wasser etwas Massives wie Beton entsteht. „Ich habe schon viele Gespräche mit den Spielern geführt“, erzählt der neue Trainer, mal am Telefon, mal über Video und selbstverständlich auch Auge in Auge in der direkten Ansprache. „Eines kann ich jetzt schon sagen“, meint der 47-Jährige, „aus den Spielern wird sich ein gutes Team formen lassen. Es wird sich ein Teamgeist entwickeln.“
Eine Übung soll Vertrauen aufbauen. Dabei lässt der Chefcoach im Training seine Schützlinge auf einen hohen Kasten klettern, von dem sie sich rücklings in die Tiefe fallen lassen sollen – in die Arme der Teamkollegen. Zoran Stavreski bringt für diese Mannschaftsfindungsphase mehr mit als sein profundes Handball-Wissen, das mit der EHF-Mastercoach-Lizenz manifestiert wird, und die die umfassendste Qualifikation für Trainer im internationalen Handball darstellt. Der Mann arbeitet südlich von Frankfurt als Prokurist in einem Unternehmen und ist seit über zehn Jahren Vorgesetzter von mehr als 100 Mitarbeitern – Stavreski weiß, welche Aspekte das Feld Menschenführung beinhaltet und kennt sich aus bei Konfliktlösungen im zwischenmenschlichen Bereich.
Beides ist im Beruf wie im Mannschaftssport eine unabdingbare Basis, um etwas wie Teamgeist zu schaffen und eine gemeinsame Werteskala zu etablieren. „Ich kenne aber auch die Unterschiede zwischen Sport und Wirtschaft im Umgang mit den Menschen“, betont er. Ein guter Zusammenhalt ist die notwendige Bedingung für Erfolg im Sport, erweitert um die hinreichende Bedingung der Konkurrenzfähigkeit der Mannschaft, ist eine erfreuliche Saison in der neuen zweigleisigen Oberliga in Baden-Württemberg für den SV Leonberg/Eltingen möglich.
Deshalb wird rund um die Trainingseinheiten nicht nur geredet, sondern auch an Technik wie Taktik gefeilt. Auch spielerisch soll sich die neu formierte Mannschaft entwickeln – deshalb muss der Trainer zunächst die Stärken und Schwächen seiner Akteure erforschen, um für jeden einzelnen entsprechend zu fordern und zu fördern. „Wir müssen die beste Formation finden, also den richtigen Spieler für die jeweilige Position“, erläutert er, „damit das Team fast blind miteinander spielen kann.“ Heißt: Automatismen anlegen in Abwehr wie im Angriff, das situative Verhalten am Ball verinnerlichen.
Schließlich muss sich in der Mannschaft parallel zu diesen Aufgaben eine interne Führungsstruktur bilden. Denn in Dominik Fischer hat sich der Kapitän der vergangenen Saison in die Sportrente verabschiedet, Philip Schückle, einer, der immer voranging, hat aufgehört, wie auch der erfahrene David Zimmermann und Torhüter Dennis Kellner, der hoch geschätzt wurde. Es müssen neue Führungskräfte reifen, die beim SV in guten wie in schlechten Zeiten auf dem Spielfeld voran gehen. Auch zu ihnen muss Zoran Stavreski einen guten Draht entwickeln.
„Ich bin dabei“,sagt er, „als Trainer allmählich in Leonberg anzukommen.“ Dass ihn sein Gefühl dabei nicht trügt, belegt eine Aussage aus dem Umfeld der Mannschaft. „Der neue Coach kommt gut an bei der Truppe“, ist da zu vernehmen.
Zugänge
Joshua Denk (TSV Denkendorf), Paul Schreiner (SV Salamander Kornwestheim), Konstantin Kost (TSV Altensteig), Bastian Laib (U 19 Team Stuttgart), Dorian Rentschler, Samuel Oechsle (beide SG Stutensee-Weingarten), Mattis Fratnassi (U 19 TV Bittenfeld), Lasse Wörz (HC Neuenbürg), Jonas Renz (eigene Jugend).
Abgänge
Dennis Kellner, Dominik Fischer, David Zimmermann, Philip Schückle (alle Karriereende), Tobias Rühle (TV Oeffingen), Jonas Heer (TSF Ditzingen), Nico Eusterholz (zurück nach Nordrhein-Westfalen).