Handball Oberliga SV Leonberg/Eltingen: 400 Arbeitsstunden für Trainer Christian Auer

Rückblick in den September 2022: Christian Auer (stehend) als Trainer des SV Leonberg/Eltingen, sein Co-Trainer Philip Schückle (ganz li.) war damals noch aktiv. Foto: Andreas Gorr

Der neue Coach der Handballer des SV Leonberg/Eltingen will an drei großen Stellschrauben drehen – wofür er Berufs- und Privatleben neu geordnet hat. Am Samstag geht es gegen die HSG Langenau/Elchingen.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

„Radfahren verlernt man nicht, wenn man es einmal gelernt hat“, sagt Christian Auer und zieht damit einen Vergleich zu seiner Situation im Sport. Vor eineinhalb Jahren hatte er seinen Vertrag als Handball-Trainer beim SV Leonberg/Eltingen nicht mehr verlängert – und nun ist er Ende November zurückgekehrt, um den überraschend abgesprungenen Chefcoach Oliver Cicione zu ersetzen. Radfahren verlernt man nicht. Handball-Trainer sein offenbar auch nicht. Zumindest gilt das für Christian Auer.

 

„Ich glaube“, erzählt der 33-Jährige, „ich habe in den vergangenen eineinhalb Jahren so viele Handball-Spiele im Fernsehen verfolgt wie davor in meinem gesamten Leben nicht.“ Der Mann hatte eben die Abende zur freien Verfügung, eingebettet in den Kreis der jungen Familie. Aber das ist seit zwei Wochen so passé wie das deutsche Kaiserreich.

Nun stehen wieder drei Trainingseinheiten plus ein Spiel im Wochenplan, dazu kommen die Stunden der Vorbereitung. Christian Auer hat sich mit seiner Zusage bis Saisonende Anfang Mai beim Oberligisten – grob geschätzt – 400 Stunden zusätzlicher Arbeit aufgebrummt, wenn man seine Annahme zugrunde legt, dass er sich zwischen 15 und 20 Stunden pro Woche seiner Aufgabe als Chefcoach widmet. Oder besser: sich in seine Aufgabe als Chefcoach hineinbeißt.

Der Job lässt die Trainertätigkeit zu

Als Nebenjob begreift Auer die Aufgabe neben dem Beruf als Prokurist einer Versicherungsgruppe beileibe nicht. Also hat er seine drei Leben als Familienvater, Berufstätiger und Trainer neu geordnet, „glücklicherweise lässt der Job es zu, die Arbeitszeit entsprechend anzupassen“, sagt er. An diesem Samstag (20 Uhr) soll bei seiner Heimpremiere gegen die HSG Langenau/Elchingen der erste Sieg geschafft werden, nachdem das Team beim TSV Schmiden trotz guter Leistung mit 21:25 verloren hatte. Drei große Stellschrauben hat Auer nach der ersten Durchsicht des Handbuches „SV Leonberg/Eltingen 2024/2025“ ausgemacht, an denen er mit aller Kraft drehen will, um im Tabellenkeller die Tür nach oben zu öffnen.

Defensive/Torhüter Es gilt die Maxime: dem Gegner keine einfachen Tore ermöglichen. „Dazu müssen wir die Mitte verdichten“, sagt der Coach, „und dazu muss jeder ganz genau wissen, was er in welche Situation zu tun hat.“ Es geht darum, zur richtigen Zeit vom Kreis herauszurücken, darum, die richtigen Kommandos zum exakt richtigen Zeitpunkt zu geben. Heißt: Abläufe müssen immer wieder geübt und verinnerlicht werden – es ist ein Wenn-dann-Spiel, wie ein Ablaufplan in einem PC-Programm: „Wenn dass geschieht, dann tun wir dieses“.

Tempospiel Was dem Gegner nicht gelingen soll, das wollen die Leonberger erreichen: schnelle, einfache Tore. Auer setzt auf ein schnelles Umschaltspiel, und auch dabei ist es wichtig, dass jeder Einzelne genau weiß, was er wann zu erledigen hat. Mann kann es ein wenig mit einem Playbook beim American Football vergleichen, in dem die verschiedenen Spielzüge minutiös aufgezeichnet sind und wo jeder einzelne Akteur in einer bestimmten Situation seine Pflicht kennt. „Das erfordert je nach Spielsituation eine schnelle Reaktion“, verdeutlicht Auer.

Angriffsvarianten Tatsächlich besitzen auch die Handballer eine Art Playbook, in denen verschiedene Angriffsvarianten festgehalten sind. Aber anders als im Football, wo der Quarterback vor jedem Angriff 40 Sekunden Zeit hat, um im Huddle den nächsten Spielzug anzukündigen, muss es im Handball schnell gehen, wenn ein Tor gefallen ist oder die Verteidigung den Ball erobert hat. Da müssen Spieler in Sekundenschnelle erfassen, welcher Angriff nun der am meisten erfolgversprechende ist und ihre damit verbundene Aufgabe erfüllen. „Ich habe schon einige Ideen, wo wir noch etwas verbessern können“, sagt Christian Auer.

Vor seinem Heim-Comeback als Coach spürt der 33-Jährige keine besondere Nervosität, er kennt die Situation im Sportzentrum ja. Es ist schließlich auch niemand nervös, wenn er nach einer Pause von ein paar Wochen wieder erstmals aufs Fahrrad steigt.

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