Handball-Oberliga: TSV Schmiden Der Shooter sagt tschüss

Hat weit mehr als 1000 Tore für den TSV Schmiden erzielt: Matthias Fischer Foto: /Alessandro Marcigliano

Matthias Fischer bestreitet am Samstag, 20 Uhr, sein letztes Heimspiel im Trikot der Oberliga-Handballer des TSV Schmiden. Am Ende der Saison ist Schluss für den 30-Jährigen – nach zehn Jahren.

Leicht fällt ihm der Abschied nicht. Seit der Saison 2015/2016 streift sich Matthias Fischer nun schon das Trikot der Handballer des TSV Schmiden über. Seinerzeit war er vom A-Kreisligisten TV Möglingen als Liga-Torschützenkönig in seiner ersten Männer-Saison zu dem Verein gewechselt, bei dem schon seine Mutter Annette in den 1990er Jahren in der Regionalliga erfolgreich gespielt hatte. Nach dieser Spielzeit, seiner zehnten, ist nun Schluss. Am kommenden Samstag, 20 Uhr, bestreitet der inzwischen 30-Jährige im Spitzenspiel gegen die zweitplatzierte SG Weinstadt sein letztes Heimspiel für den Oberligisten. „Ich möchte noch einmal zeigen, was ich drauf habe“, sagt der 1,87 Meter große Rückraumwerfer mit dem Hang zum Perfektionismus.

 

Drei Spielzeiten hatte Fischer zunächst in der zweiten Mannschaft des TSV in der Landesliga gespielt. Erfolgreich. In der Saison 2017/18 – Christian Schüle war Trainer – war er mit 220 Toren in 24 Spielen Torschützenkönig geworden. Nach dem 41:31-Erfolg gegen die Neckarsulmer Sportunion II titelte die Fellbacher Zeitung: „Matthias Fischer erzielt 20 Tore“. Grund genug für Henning Fröschle, der damals den ersten Verbund anleitete, den 23-Jährigen zum Ende der Saison in die erste Mannschaft zu beordern – für die am Ende allerdings erfolglosen Relegationsspiele um den Aufstieg in die Baden-Württemberg-Oberliga. „Wir hatten damals in Fabian Baldreich zwar schon einen wurfgewaltigen Schützen, mit Matze kam einer dazu, dessen Wurf noch ein bisschen stärker war. Er hatte da ein unglaubliches Potenzial“, sagt Fröschle und erinnert sich gern an die Zusammenarbeit. „Matze war trainingsfleißig und hat immer Vollgas gegeben. Und wenn er sich auf die Abwehr fokussiert hat, konnte er auch da spielen. Sogar gut.“ Nur einmal, erinnert sich Fischer selbst, hat er in den vergangenen zehn Jahren die rote Karte gesehen – wegen der dritten Zeitstrafe. „Das war in meinem ersten Spiel in der Baden-Württemberg-Oberliga, als ich in der Saison 2015/16 mal aushelfen durfte. Da waren die Gegner einfach noch alle viel zu schnell für mich.“

Das Spielsystem, das Fröschle präferierte und ein Jahr später von dessen Nachfolger Slavko Pustoslemsek fortgeführt wurde, war so ganz im Sinne von Fischer, der in Schwieberdingen aufgewachsen ist und dort auch als Vierjähriger mit dem Handball begonnen hatte. „Die Mittespieler haben das Kreuzen angezogen und wir haben auf den Halbpositionen alles kaputt geschossen“, sagt er und lacht. Am Ende der Saison 2019/20 stand so der ersehnte Wiederaufstieg in die Baden-Württemberg-Oberliga und für Fischer der erste Platz in der Torschützenliste der Württemberg-Liga Nord zu Buche. In 20 Spielen hatte der Spieler mit der Nummer 6 – diese trug auch schon seine Mutter auf ihrem Schmidener Trikot – 149 Mal eingenetzt.

Zuletzt ist ihm das weniger oft gelungen. Das Spielsystem hat sich geändert, der klassische Shooter ist nicht mehr so gefragt, sagt Fischer. Auch die rechte Schulter – 2023 hatte er sich das Schultereckgelenk verletzt – macht ihm etwas zu schaffen. Die aber braucht der Physiotherapeut und bald auch Osteopath, der in der Praxis seiner Mutter in Schwieberdingen arbeitet. „Am Ende passt so gesehen einfach alles zusammen“, sagt Fischer – auch wenn Wehmut in seinen Worten mitschwingt. Schließlich ist ihm der Verein ans Herz gewachsen, die Handballabteilung längst eine zweite Familie geworden. Mit vielen Freundschaften und zahlreichen sportlichen Höhepunkten. „Die Stadtderbys werden mir immer in Erinnerung bleiben“, sagt er. Und deshalb wird Fischer auch nicht gänzlich von der Bildfläche verschwinden. Die sozialen Kanäle der Abteilungen will er weiterhin pflegen, sich ein wenig im Marketing einbringen und natürlich auch künftig die Frauen des HC Schmiden/Oeffingen um seine Freundin Nicola David anfeuern, mit der er seit Jahresbeginn in Stuttgart-West wohnt. „Ohne Handball geht es bei mir nicht“, sagt Fischer, der Fan des VfB Stuttgart ist und gerne Ski fährt. Im Herbst will er seinen ersten Hyrox-Wettkampf bewältigen und sich in naher Zukunft als Triathlet versuchen. „Obwohl ich nie gerne gelaufen bin“, sagt er mit einem breiten Grinsen.

Und irgendwann wird man Matthias Fischer auch wieder auf der Wechselbank sitzen sehen. Nicht im Trikot, sondern als Physiotherapeut mit einem Eiskoffer neben sich. Am liebsten in der Bundesliga. „Ich kann mir nichts Geileres vorstellen, als bis 70 beim Handball hautnah dabei zu sein“, sagt er.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu TSV Schmiden Oberliga