Handball Oberliga Württemberg SV Leonberg/Eltingen geht in letzter Sekunde k. o.

Kaum ein Durchkommen am Kreis der SG Lauterstein: Christoph Hönig (2. v. li.) nutzt eine der seltenen Gelegenheiten. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Die Oberliga-Handballer des SV Leonberg/Eltingen legen nach katastrophalen 30 Minuten eine großartige Aufholjagd hin – und unterliegen der SG Lauterstein doch noch mit 32:33 (14:20).

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Luis Hönninger lag am Kreis auf dem Boden, als hätte ihm ein Boxer einen derart bösen Schlag versetzt, dass man k. o. gehen muss. Der Mann im Trikot des SV Leonberg/Eltingen war damit Sinnbild für alle seine Teamkollegen sowie die Zuschauer, die dem SV die Daumen gedrückt hatten.

 

„Ich konnte es nicht glauben“, stöhnte der 24-Jährige, „dieses Tor war wie ein Stich ins Herz.“ Mit einem Freiwurf, der nach Ablauf der 60 Minuten beim Stand von 32:32 noch ausgeführt werden musste, zirkelte Luca Helfrich den Ball vorbei an der Mauer und Torhüter Dennis Kellner – und stürzte die Leonberger ins Tal der Tränen. Die SG Lauterstein entführte mit dem 33:32 von der Neunmeterlinie beide Punkte aus dem Wohnzimmer der SV-Handballer.

Wie viel Prozent der Freiwürfe in der letzten Sekunde finden den Weg ins Tor? Offenbar hat noch kein Handball-Statistiker eine solche Erhebung ins Internet gestellt, zumindest ist dort nichts Entsprechendes zu finden. Oliver Cicione würde die Wahrscheinlichkeit mit etwa fünf Prozent beziffern. „Von 20 Versuchen landet einer im Tor“, meinte der SV-Chefcoach konsterniert, „der Wurf hat eben ganz genau gepasst.“ Cicione verglich die ärgerliche Präzision des Schützen Helfrich mit dem Freistoß von Sparta Prag in der Champions League gegen den VfB Stuttgart zum 1:1 am Dienstagabend. „Das kannst du nichts machen – der war einfach zu platziert“, meinte auch der Leonberger Handball-Chef Matthias Groß mit bitterer Miene.

Eine Remis wäre verdient gewesen

Drei Spiele, null Punkte. Die Startbilanz des SV Leonberg/Eltingen liest sich wie ein Schauerroman. Erinnern, wann der Club zuletzt am Tabellenende der Liga herumgekrebst war, konnte sich niemand. Gegen die SG Lauterstein hätte das Team zumindest ein Remis und damit den ersten Saisonzähler durchaus verdient gehabt. Denn nach der Pause hatte die Mannschaft einen Sechs-Tore-Rückstand aufgeholt. „Ein Unentschieden hätten wir heute absolut verdient“, sagte auch Oliver Cicione.

Grundsätzlich ja, aber ein Handball-Spiel besteht aus zweit Halbzeiten zu je 30 Minuten – und im ersten Durchgang taten die Leonberger vor der kleinen Kulisse von 150 Fans eigentlich so ziemlich alles, um das Spiel unter keinen Umständen zu gewinnen: Ärgerliche Schrittfehler, haarsträubende Fehlpässe, beste vergebene Chancen frei am Kreis – keiner im gelben Trikot legte eine oberligataugliche Leistung aufs Parkett.

SV-Anhänger sind zur Pause entnervt

Cicione litt an der Außenlinie, die Abwehr fand kaum Zugriff, nach 25 Minuten stand es 10:19 für Lauterstein – und als in einer Auszeit der Song „Don’t stop believing“ (Hör’ nicht auf, dran zu glauben) lief, hörte sich das an wie Galgenhumor. „Hätte ich ein Auto, würde ich heimfahren“, knurrte ein langjähriger Leonberger Edelfan kurz nach dem Pausenpfiff. Er hätte was verpasst. Die SV-Handballer durchlebten in der Kabine eine wundersame Verwandlung wie einst Saulus, der zu Paulus wurde.

Die nun offensiver ausgerichtete Defensive stellte die Gästeangreifer vor Probleme, Torhüter Kellner parierte wichtige Bälle, die SV’ler erspielten und verwerteten ihre Chancen besser, und die SG-Akteure waren eben nicht mehr so konsequent wie noch vor dem Seitenwechsel. Nach 59:37 Minuten erzielte Bernhard Kutzner das umjubelte, verdiente 32:32 – doch für diesen einen Punkt sollte es dann doch nicht reichen.

Zwischen hui und pfui

Die SV-Handballer pendeln zwischen Hui und Pfui. Unglückliches 28:29 bei gutem Auftritt gegen Deizisau, indiskutables 31:35 in Weilstetten, nun eine Katastrophen-Hälfte und 30 Minuten Wiedergutmachung. Woran es liegt, kann Cicione nicht benennen. „Ich bin auf der Suche, warum das Team so wechselhaft agiert“, bekannte der Coach, „aber die Jungs sind motiviert und haben den nötigen Willen.“ Unterm Strich steht jedoch: Bislang reichen diese Eigenschaften nicht für einen Sieg. „Die Trendwende schaffen wir nur gemeinsam als Team“, sagte Felix Wiederhöft. Die nächste Chance bietet sich am Samstag (20 Uhr) gegen den TV Oeffingen. SV Leonberg/Eltingen: Kellner, Schneider; Zimmermann (4), Wiederhöft (6/1), Kutzner (4), Wanner, Hönig (3), Fischer (1), Rühle, Klatte (3), Oral (5), Salathe, Isenberg (2).

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