Handball – Regionalliga Das TVN-Team tritt nicht mehr an

Das Nellinger Team läuft in dieser Saison nicht mehr auf. Foto: /Herbert Rudel

Der TV Nellingen zieht sein Frauenteam aus der Handball-Regionalliga zurück. Ob es in der kommenden Saison in der Oberliga weitergeht, ist offen.

Reporter: Sigor Paesler

Es ist eine weitere Kurve in der Abwärtsspirale: Frauenhandball-Regionalligist TV Nellingen hat sein Team aus der laufenden Saison abgemeldet. Damit werden die Nellingerinnen zu den verbleibenden Spielen nicht mehr antreten, auch nicht am Sonntag bei der HG Oftersheim/Schwetzingen, und stehen als Absteiger in die Oberliga fest. Ob der Verein dort aufläuft, entscheidet sich in den kommenden Wochen.

 

„Es sind alle ziemlich traurig, dass es so geendet ist. Gerade hatte es richtig Spaß gemacht und wir waren als Team auf einem guten Weg“, sagt Spielmacherin Carla Kösling, die sich zu einer Stütze des Teams entwickelt hatte. „Natürlich tut das weh“, findet Abteilungsleiter Tobias Danner. Nachdem bereits am vergangenen Samstag zum schon zweiten Mal in der laufenden Runde eine Begegnung abgesagt worden war, habe man alles versucht, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Aber es hat nicht geklappt.

Es kam in den vergangenen Wochen einiges zusammen, dennoch reiht sich der Schritt in eine Entwicklung ein. Nach dem Rückzug aus der Bundesliga im Jahr 2019 war das TVN-Team am Ende der vergangenen Saison aus der 3. Liga abgestiegen und mit einem sehr dünnen Kader inklusive vieler Jugendspielerinnen in der Regionalliga an den Start gegangen. Es folgten hauptsächlich Niederlagen, die Trennung von Trainer Jan Hirschmüller, der kurzfristige Abgang der Leistungsträgerinnen Lilly Allgaier und Evi Valsama und jüngst die Ankündigung der langjährigen Trainerin und sportlichen Leiterin Veronika Goldammer, am Ende der Runde aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zum Konkurrenten HSG Stuttgart/Metzingen zu wechseln. Zu den Langzeitverletzten kam zuletzt Luisa Baisch dazu und Tarja Weiß muss sich einer Knieoperation unterziehen. Und dann ging die einzige verbliebene Kreisläuferin Leana Heim kurzfristig zu Stuttgart/Metzingen – was schon zur Absage am vergangenen Samstag führte.

Danner versucht, in der Misere auch das Positive herauszustellen: Friederike Jacobi von Wangelin wurde vom VfL Waiblingen zurückgeholt und die verbliebenen Spielerinnen versuchten, ihre Kontakte zu nutzen und kurzfristig Zugänge zu gewinnen. „Am Anfang der Saison hatten wir keinen Teamgeist, darauf sind wir jetzt schon stolz“, erklärt Danner. Geholfen hat es aber nicht. Einen Unterbau mit einem zweiten Team gibt es nicht mehr.

Das Team bricht auseinander

Die Nellingerinnen gehen nun in eine ungewisse – oder noch ungewissere – Zukunft. Das jetzige Team, das vor dem Rückzug mit 9:29 Punkten auf dem drittletzten Platz stand, wird vermutlich vollends auseinanderbrechen. Laut Danner haben zwei Spielerinnen ihr Bleiben angedeutet, mit zwei weiteren sei man in guten Gesprächen. Alle anderen („es bleiben dann ja nicht mehr viele übrig“) werden wohl gehen. Der Abschied von Romy Allgaier nach Waiblingen steht bereits fest. Kösling wird studienbedingt die Region verlassen. „Ich verstehe, wenn die anderen gehen. Und die Jugend soll auch einfach mal Jugend spielen“, erklärt sie.

Danner und seine Mitstreiter planen nun eine Rückholaktion früherer TVN-Handballerinnen und versuchen darüber hinaus, Zugänge zu gewinnen. „Wir wollen ein Grundteam aufbauen, dann treten wir in der Oberliga an“, erklärt Danner, „wir werden kämpfen und haben Hoffnung, aber ich kann schwer einschätzen, ob es gelingt.“

Was den Nachwuchs betrifft, so rechnet der Abteilungsleiter mit einer „massiven Abwanderungswelle“ zu Stuttgart/Metzingen: „Da sind auch viele unsicher, wie es bei uns weitergeht.“ Dass der TVN auch in der kommenden Saison wieder mit der A- und B-Jugend in der Bundesliga antreten wird, ist sehr unwahrscheinlich. Danner drückt es so aus: „Wir spielen da, wo die Mädels sich hinqualifizieren.“ Er ist jedoch froh, dass seiner Erwartung nach jede Jugendklasse besetzt sein wird und dass ausreichend Trainer zur Verfügung stehen. Patrick Lippmann etwa, der während der laufenden Saison die A-Jugend übernommen hat, hat sein Bleiben angekündigt. Wie übrigens auch Romuald Guervilly, der erst seit Ende November das Frauenteam trainiert, signalisiert hat, weiter zur Verfügung zu stehen. „Auch für Rom tut es mir richtig leid, er hat viel Schwung und wieder den Spaß reingebracht“, erklärt Spielerin Kösling und lobt auch die neue Abteilungsführung um Danner und die Ex-Spielerinnen Stefanie Urbisch und Sandra Härtl: „Die haben das super übernommen, haben alles gegeben und viel mit uns gesprochen. Gerade Steffi hat sich super eingebracht und uns geholfen.“

„So können wir nicht weitermachen“

Danner ist mit seinem Team seit ziemlich genau einem Jahr in der Verantwortung. Damals strebte er noch die Rückkehr zumindest in die 3. Liga an. Er weiß, dass schwere Zeiten auf den TV Nellingen zukommen. Er will aber dafür kämpfen, dass es überhaupt weitergeht. „Es wurde immer gesagt, dass wir ganz oben mitspielen müssen, auch wenn wir es uns nicht leisten können. So können wir nicht weitermachen“, sagt Danner. Es wird einen Neustart geben. Ob in der Oberliga und ob er überhaupt gelingt, ist völlig offen.

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