Handball – Regionalliga Gaßmanns taktischer Kniff
Handball-Regionalligist HSG Ostfildern fährt gegen den TSV Heiningen einen souveränen 35:26-Sieg ein und nimmt wieder Tuchfühlung zum oberen Bereich der Tabelle auf.
Handball-Regionalligist HSG Ostfildern fährt gegen den TSV Heiningen einen souveränen 35:26-Sieg ein und nimmt wieder Tuchfühlung zum oberen Bereich der Tabelle auf.
Mission erfüllt – die Regionalliga-Handballer der HSG Ostfildern feierten gegen den TSV Heiningen einen deutliche 35:26 (15:15)-Erfolg und orientieren sich damit in der Tabelle wieder nach oben. Denn nach zuletzt guten Leistungen – etwa beim 28:29 beim Meisterschaftsfavoriten TSB Schwäbsich Gmünd – standen die Filderhandballer oft mit leeren Händen da: „Es tut richtig gut, dass wir uns endlich belohnen konnten“, freute sich HSG-Trainer Marco Gaßmann.
Wobei zunächst ein Großteil der ersten Hälfte nicht unbedingt einen solch souveränen Auftritt der Ostfilderner versprach: Exakt 244 Tage nach dem letzten Ligaduell der beiden Teams – damals gingen die Heininger nach einer völlig desolaten Leistung der HSG in Abschnitt zwei mit einem 38:29-Sieg von der Platte – starteten die Gäste mit ihrer bekannten giftigen 3:2:1-Abwehr und nahmen der HSG damit erst mal erneut den Wind aus den Segeln. Ein ums andere Mal ließen sich die Ostfilderner ins Zeitspiel drängen, die Chancenverwertung war entsprechend unterirdisch, auch die technische Fehlerquote nahm zu. „Wir wussten, dass die Heininger 3:2:1 total eklig zu spielen ist“, erklärte Gaßmann, der sich im Vorfeld einige Gedanken gemacht hatte: „Auch das vergangene Spiel gegen Heiningen hatte ich im Hinterkopf.“ Zum Glück für Ostfildern verpasste es der TSV indes, das Momentum zu nutzen. Das Spiel blieb eng und keine der beiden Mannschaften schaffte es im Verlauf der ersten Hälfte, sich auf mehr als zwei Tore abzusetzen. Zehn Sekunden vor der Pause düpierte Ostfilderns Janne Böhm Heiningens Torwart Manuel Weinbuch mit einem Treffer durch die Hosenträger zum 15:15 – und alles blieb offen.
Das hatte aber auch wesentlich damit zu tun, dass Gaßmann noch vor der Pause in der Offensive auf einen relativ neuen taktischen Kniff setzte – den man auch in der Bundesliga noch nicht allzu oft sieht: Zugunsten eines vierten Rückraumspielers verzichtete der HSG-Coach auf einen Kreisläufer und brachte damit die offensive Heininger Defensive immer wieder gewaltig in die Bredouille. „Wir haben das schon ein paar Mal trainiert“, sagte Gaßmann – im Spiel umgesetzt wurde es vor der Partie gegen Heiningen aber noch nie. Mit ein Grund dafür: In Ben Tiago van der Mei hat die HSG aktuell nur einen gelernten Kreisläufer im Kader und der Youngster ist nach einem Bandscheibenvorfall noch nicht ganz bei 100 Prozent – sein Positionskollege Daniel Maier verabschiedete sich bekanntlich studienbedingt am Anfang der aktuellen Runde. „Man könnte also sagen, wir haben aus der Not eine Tugend gemacht“, erklärte Gaßmann.
„Nach der Umstellung im Ostfilderner Angriff auf den vierten Rückraumspieler haben wir zu oft geschlafen, das war der große Unterschied“, konstatierte Hagen Gunzenhauser, der die Heininger seit Anfang der Saison zusammen mit Mike Wolz coacht. Angeführt von HSG-Spielmacher Felipe Soteras Merz gelangen den Ostfildernern immer wieder starke Eins-gegen-Eins-Aktionen und den Heiningern schwammen langsam aber sicher die Felle davon. Ein weiterer Faktor: Sebastian Arnold im HSG-Tor steigerte sich im Vergleich zu Abschnitt eins ganz gewaltig – insgesamt zwölf Paraden gelangen ihm im zweiten Durchgang. „Das Torwartduell haben wir in der zweiten Hälfte ganz klar verloren“, sagte Gunzenhauser und ärgerte sich. Ein fünf Tore-Lauf brachte Ostfildern mit 24:19 (44.) in Front, ehe Gunzenhauser entnervt die grüne Karte warf. Doch ohne Erfolg: Die HSG bewahrte weiter die Ruhe und spielte sich clever gute Chancen heraus – beim 32:22 (54.) betrug der Vorsprung erstmals zehn Tore, letztlich gelang es den Heiningern lediglich, den Rückstand wenigstens im einstelligen Bereich zu halten. „Wir waren viel zu hektisch und aufgeregt, später hat dann einfach das Selbstvertrauen gefehlt“, ärgerte sich Gunzenhauser – damit bleibt die Auswärtsbilanz der Heininger in der aktuellen Saison eher mau, gerade mal ein Sieg gelang dem Team in fremder Halle.
HSG Ostfildern: Breuning, Arnold; Distel (6), Gehrung (1), Van der Mei (2), Böhm (2), Keim (2), Soteras Merz (5/1), Steinfath (3), Lehmkühler (6), Piskureck, Bauer (8), Fischer, Aichele.
TSV Heiningen: Kabak, Weinbuch; Fink (2/2), Zöller (2), Weißer (4), Herberger (3), Dürner (3), Schreitmüller, Allgaier, Abele (1), Neudeck (1), Krempl (1), Kohnle (3), Höer (5), Bauch (1).
Schiedsrichter: Stephan Long/Sebastian Schott (Schriesheim/Laudenbach).
Zuschauer: 350.
Zeitstrafen: 2:4 – zwei Mal zwei Minuten für Dürner (Heiningen), zwei Minuten für Böhm (Ostfildern).
Beste Spieler: Soteras Merz, Lehmkühler, Bauer/Weißer, Kohnle.