Handball SV Leonberg/Eltingen Aus alt mach neu: Trainer Christian Auer kehrt zurück
Der SV Leonberg/Eltingen macht nach dem Abschied von Trainer Oliver Cicione fix Nägel mit Köpfen. Ex-Coach Christian Auer übernimmt die Handballer bis Mai.
Der SV Leonberg/Eltingen macht nach dem Abschied von Trainer Oliver Cicione fix Nägel mit Köpfen. Ex-Coach Christian Auer übernimmt die Handballer bis Mai.
Warum in die Ferne schweifen? Das Gute liegt so nah. Ob dieser kluge Spruch eingerahmt über dem Bett von Matthias Groß hängt, entzieht sich der allgemeinen Kenntnis. Als gesichert dürfte gelten: Der Handball-Chef des SV Leonberg/Eltingen kennt dieses Bonmot von Geheimrat Johann Wolfgang Goethe – schließlich hat er sich bei der Suche nach einem neuen Trainer für den Württemberg-Oberligisten daran orientiert.
Am Montagabend unterzeichnete Christian Auer im Beisein von Groß, dem Sportlichen Leiter Werner Neuffer und Stefan Schuster einen Vertrag bis zum Saisonende im Mai 2025. Danach wurde die Mannschaft beim Training von der Personalie unterrichtet, am Dienstag leitete Auer seine erste Trainingseinheit. „Er kennt das Team, er kennt den Club und das gesamte Umfeld“, betonte Matthias Groß, „wir holen damit eine top-qualifizierten Mann auf die Trainerbank.“ Oliver Cicione hatte seinen Rücktritt am Montag vergangener Woche erklärt.
Aus alt mach neu. Christian Auer hatte die sportliche Verantwortung für die SV-Handballer bereits bis Ende der Saison 2022/2023 inne, davor war er Co-Trainer, Jugend-Trainer sowie Spieler in Leonberg. Nach drei erfolgreichen Jahren als Chefcoach hatte der heute 33-Jährige seinen Vertrag nicht über Mai 2023 hinaus verlängert, weil er sich verstärkt Familie und Beruf widmen wollte. Nun die befristete Kehrtwende. Aber was hätte Christian Auer auch sonst tun sollen, wenn ihn seine langjährige sportliche Heimat in der bitteren Not ruft?
„Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit“, meinte der Mann, der seit 2015 beim SV ist, „ich hatte die Möglichkeit dieser Entwicklung natürlich auch im Hinterkopf, nachdem Oliver Cicione zurückgetreten war.“ Daher hatte Auer schon im Familienrat darüber gesprochen und sich das Okay seiner Frau eingeholt. Als Werner Neuffer vergangene Woche auf ihn zuging und die Offerte (oder den Hilferuf) unterbreitete, benötigte Auer kürzer als ein Teelicht zum Herunterbrennen braucht, um die Herausforderung anzunehmen und die Rückkehr auf die Trainerbank perfekt zu machen.
Wer Christian Auer kennt, der weiß: Der Mann mag keine halben Sachen. Deshalb hat er sich die zehn Videos geschnappt von den Partien der Handballer – und sie akribisch durchgearbeitet. „Ich habe nur zwei Heimspiele verfolgt“, erzählte er, „ich hatte Nachholbedarf. Aber ich kenne noch alle Spielzüge.“ Die Kontaktaufnahme mit der Mannschaft war ein Wiedersehen, der Großteil des Teams kennt ihn noch als Cheftrainer. Lediglich Luis Hönninger, Roman Salathe, Yannik Oral und Nico Eusterholz waren für ihn unbeschriebene Blätter. Mit dem Quartett führte der Rückkehrer deshalb gleich Gespräche, um ein Gefühl für sie zu bekommen.
Christian Auer hat erkannt, wo er vor dem ersten Einsatz am Samstag (20 Uhr) beim TSV Schmiden an den Stellschrauben drehen wird: Die Defensive ist das Sorgenkind, „im Schnitt 34 Gegentore sind zu viele“, betonte er und unterstrich: „Das Ziel der Qualifikation für die Regionalliga gilt weiterhin.“
Christian Auer ist kein Feuerwehrmann, auch wenn der kurze Vertrag dies suggerieren mag – dafür identifiziert er sich zu sehr mit dem Verein. Er ist in dieser Situation die 1-a-Lösung: Er kennt den Club und fast alle Spieler sowie das System – und die Leonberger Handball-Gemeinde kennt ihn. Johann Wolfgang Goethe wusste zwar nichts vom Handball, doch er verstand viel vom Leben.