Handball SV Leonberg/Eltingen Der Mann, den sie „Glücksfall“ nennen: Christian Auer

Christian Auer bei einer Auszeit während eines Spiels: Der Trainer der Leonberger Handballer findet die richtigen Worte und besticht durch Fachkenntnis sowie Führungsstärke. Foto: Andreas Gorr

Seit Trainer Christian Auer die Handballer des SV Leonberg/Eltingen übernommen hat, geht es aufwärts. Was zeichnet seine Arbeit aus? Drei Insider verraten, was die Zutaten seines Erfolgsrezeptes sind.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Fünf ist eine hübsche Zahl, fünf Siege in Folge eine schöne Serie – aber wenn die Handballer des SV Leonberg/Eltingen das halbe Dutzend voll machen könnten, wäre das natürlich eine klasse Geschichte. „Die Chancen stehen 50:50“, sagt Trainer Christian Auer vor der Partie an diesem Samstag (20 Uhr) im Sportzentrum gegen die SG Weinstadt, „wir stehen auf Augenhöhe.“

 

Sie haben sich hoch gearbeitet, die Oberliga-Handballer, stehen auf Platz acht im Mittelfeld, das so vollgepackt ist mit Teams wie sich Menschen in der U-Bahn von Tokio auf der Fahrt zur Arbeit drücken. Auf Rang zwei fehlen bloß vier Punkte, zum Vorletzten sind es aber auch nur zwei. „Wir haben noch nichts erreicht“, betont der 33-Jährige.

Klarer Widerspruch, nichts erreicht, das wäre untertrieben. Es hat sich vieles getan seit Dezember 2024. Mit Christian Auer sind Siege, Spaß und Selbstvertrauen zurückgekehrt zum SV, und so mancher im Sportzentrum nennt den Chefcoach einen „Glücksfall für den Leonberger Handball“. Wir haben uns deshalb ein wenig umgehört in der Club-Szene, was den Trainer Christian Auer denn so besonders macht und worin die Zutaten seines Erfolgsrezeptes liegen.

Lars Neuffer trug bis Sommer 2023 das SV-Trikot. Foto: Andreas Gorr

Lars Neuffer (Ex-Spieler und Ex-Kapitän) Der langjährige Spielführer, der 2023 die Karriere beendet hat, kennt der Coach schon fast ewig. „Was mich an ihm fasziniert: Er ist ungeheuer motiviert und kann diese Motivation in die Mannschaft tragen.“ Was Trainer Auer zudem auszeichnet: seine enormer Arbeitseifer. „Was er an Informationen zum Gegner sammelt“, sagt Neuffer, der einst mit und auch unter Auer spielte, „wie er sie für jeden Spieler aufarbeitet, verdient absolut Respekt.“ Damit gibt der Coach den Spielern zusätzliche Werkzeuge an die Hand, die sie im Spiel zu ihren Gunsten nutzen können – das mögen mitunter die paar Prozentpunkte sein, die Sieg und Niederlage trennen. Neuffer nennt noch eine wichtige Eigenschaft des Coaches: „Er ist ganz sicher kein autoritärer Trainer, aber er gibt die Richtung vor, an die sich alle zu halten haben.“

Dominik Fischer ist aktuell Spielführer der Mannschaft. Foto: Andreas Gorr

Dominik Fischer (aktueller Spielführer) Der Kapitän des Oberligisten schätzt ganz besonders die Fähigkeit von Christian Auer, Selbstvertrauen in die Köpfe der Spieler säen zu können. „Er hat uns unserer Stärken wieder bewusst gemacht“, sagt der 35-Jährige, „er zeigt auf, welche Rolle jeder in der Mannschaft zu übernehmen hat und fordert das ein, was in der Spielvorbereitung besprochen wurde.“ Deshalb hat Christian Auer seine Stammformation gefunden, er wechselt während der Spiele das Team längst nicht mehr so häufig durch wie das sein Vorgänger Oliver Cicione getan hat. „Aber er legt auch Wert darauf, dass alle mitziehen, auch wenn sie nicht so viel Spielzeit bekommen“, erzählt Fischer. Auch der Linksaußen schätzt die enorm akribische Vorbereitung des Coaches auf die Spiele. „Ich habe mal gesagt: Das alles kann sich doch kein Mensch merken“, sagt er, „doch es ist wichtig, diese Infos alle gehört zu haben – denn dann erinnert man sich an etwas und setzt es mit Erfolg um.“

Matthias Groß (li./ mit Oberbürgermeister Martin Cohn) leitet die Geschicke der SV-Handballer. Foto: Simon Granville/Simon Granville

Matthias Groß (Handball-Abteilungschef) Der Chef der Handballer schwärmt über die Einstellung und die Denkweise des Trainer-Rückkehrers, der seinen Vertrag im Sommer 2023 nicht verlängern wollte. „Als wir uns zum ersten Gespräch vor dem Wiedereinstieg trafen“, berichtet Groß, „hatte er schon ein Konzept mit dabei, das er uns mit absolut schlüssigen Argumenten dargelegt hat.“ Der 56-Jährige schätzt die enorme Fachkompetenz von Auer, „die ist à la bonheur, da ist er ganz weit oben angesiedelt“. Dieses Wissen mag einen Teil zum Erfolg beitragen, der andere liegt darin, dass der Coach eine erfolgreiche Vergangenheit als Spieler und Trainer in Leonberg vorweisen kann. „Wenn er Spielern etwas erklärt, ist das fundiert“, sagt Matthias Groß, „und ich kann mir gut vorstellen, dass diese breite Basis besonders die jungen Spieler beeindruckt.“

Auers Zukunft ist noch offen

Akribie, Empathie, Kompetenz, Führungsstärke – irgendwie gewinnt man den Eindruck, Christian Auer ist (zumindest) für die Handballer des SV Leonberg/Eltingen die Eier legende Wollmilchsau. Allerdings läuft die Vereinbarung zwischen Club und Coach nur bis Saisonende, danach möchte Auer wieder die Prioritäten auf Familie und Beruf setzen.

Der SV sucht längst nach einem neuen Trainer für die kommende Saison, Matthias Groß räumt aber auch ein: „Unsere Tür steht immer offen für ihn.“ Und was sagt Christian Auer zu seiner ungeschriebenen Handball-Zukunft? „Wir werden uns bestimmt noch zusammensetzten und darüber sprechen, was möglich ist – aber das passiert nicht heute oder morgen.“ Zunächst kommt die SG Weinstadt am Samstag ...

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