Es war ein Gespräch im privaten Umfeld, eines in angenehmer Atmosphäre in der Vorweihnachtszeit. Aber es ging weder um Geschenke noch um Festivitäten. Es ging um die Zukunft von Mona Binder. Und am Ende sagte die Trainerin der Verbandsliga-Mannschaft gegenüber Handball-Chef Matthias Groß und Stefan Schuster: „Ich höre am Saisonende auf.“
Für Matthias Groß war das nicht unbedingt eine Nachricht, die er in der Adventszeit hören wollte, womit er aber rechnen musste – denn die Zeit um den Jahreswechsel sind bei den Handballern fast schon traditionell die Tage, an denen die Zukunft für den kommenden Sommer festgezurrt wird. An denen mit Spielern und Trainern über Vertragsverlängerungen diskutiert wird.
„Wir hätten gerne mit Mona weitergemacht“, sagte Matthias Groß, der oberste der SV-Handballer, „wir bedauern ihre Entscheidung, aber natürlich haben wir sie zu akzeptieren.“ Der 56-Jährige unterstreicht, dass der Trennung keinerlei persönliche Animositäten vorausgegangen sind. Damit muss Groß in diesen Wochen gleich auf drei sportlichen Baustellen werkeln, denn schon vor geraumer Zeit hatte Co-Trainer Nermin Delic seine Demission zum Saisonende bekannt gemacht. Und für die Männer aus der Oberliga wird ebenfalls nach einem Übungsleiter für die neue Saison gefahndet.
Ein neues Team ist nicht in Sicht
Die Ära Mona Binder bei den Handballerinnen hatte vor vier Spielzeiten begonnen, eine Saison davor war sie selbst noch als Spielerin im SV-Trikot aktiv. „Die Zeit ist für mich reif für einen Abschied“, sagte sie, „ich brauche einen Luftaustausch und die Mannschaft einen neuen Input.“ Und auch sie betont, dass sie sich absolut wohl fühle im sogenannten Handball-Wohnzimmer Sportzentrum. Aber nun sei es an der Zeit, „etwas Neues zu beginnen“.
Was sich hinter dem Begriff verbirgt, kann Mona Binder nicht konkret umreißen – zu welchem Ufer sie aufbricht, weiß sie selbst nicht. Einen Vertrag bei einem anderen Verein als Trainerin hat sie bislang nicht unterschrieben, auch keine mündliche Zusage gegeben. Das ist nicht der Grund für den freiwilligen Abschied. Es dürfte das sichere Gefühl sein, dass sich zwischen Mannschaft und Trainerin das Verhältnis etwas abgeschliffen hat in der vergangenen vier Jahren. Dass Abläufe zur gefährlichen Gewohnheit geworden sind, dass neue Impulse vermisst werden. „Ich brauche einen Tapetenwechsel“, sagte Mona Binder.
Ziel Aufstieg bleibt bestehen
Die Mannschaft nahm die Nachricht vor dem Training am Montagabend eher ruhig und besonnen zur Kenntnis. Für die einen mag es ein kleiner Schock gewesen sein, weil sie gut können mit der Übungsleiterin, aber natürlich gibt es immer auch Spielerinnen im Kader, für die ein Trainerwechsel eine neue Chance beinhaltet. Fakt ist aber auch: Mona Binder wird noch bis April das Sagen haben beim Verbandsligisten.
Denn die Zielsetzung bleibt wie Schillers Glocke „festgemauert in der Erden“ und heißt: Aufstieg in die Oberliga. Auf dem Weg zur Zielerreichung mussten Trainerin und Team allerdings zwei deftige Tiefschläge verkraften – eine peinliche Pleite gegen das Mittelklasse-Team HC Oppenweiler/Backnang (24:28) sowie eine völlig vermeidbare Niederlage im Topspiel gegen die SG Weinstadt (24:25). Die Lage könnte rosiger sein, wobei die Alarmstufe Rot keineswegs ausgerufen werden muss. „Wir legen den Fokus auf die Rückrunde und wollen mit neuer Kraft am 18. Januar starten“, sagte Mona Binder. Sollten die Frauen des SV Leonberg/Eltingen am Saisonende tatsächlich in die Oberliga aufrücken, die Abschiedsparty für die Trainerin wäre garantiert eine rauschende.