Handball SV Leonberg/Eltingen Werner Neuffer und der Abschied durch die Vordertür

Im November wurde Werner Neuffer (re./mit Torhüter Max Schneider) beim SV Leonberg/Eltingen aus seiner offiziellen Position verabschiedet. Foto: Andreas Gorr

Werner Neuffer hat das Amt des Sportlichen Leiters von Oberligist SV Leonberg/Eltingen abgegeben. Der 66-Jährige war aber weit mehr als ein reiner Funktionär.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Zucker in den Kaffee? Das ist für Werner Neuffer so eine Sache, die ist für ihn so gefährlich wie einen Leoparden im Zirkus zu streicheln. Besser Hände weg. „Ich bin ja ein leidenschaftlicher Weizenbier-Freund, da muss ich ein bisschen haushalten“, sagt der 66-Jährige und deutet auf seinen Bauch. Deshalb holt er sich im Rutesheimer Bäckerei-Café an diesem sonnigen Morgen auch weder eine Brezel noch ein Croissant zum Heißgetränk.

 

Werner Neuffer genießt nun viel Freizeit, noch eine ordentliche Ladung mehr als nach seinem Aus im Job in einem Autohaus – im November ist der Rutesheimer in den Ruhestand als Sportfunktionär getreten. Bis dahin war er zehn Jahre lang als Sportlicher Leiter der Handballer des SV Leonberg/Eltingen aktiv, dann zog er den Schlussstrich ein halbes Jahr früher als eigentlich geplant.

Rücktritt im November

„Man muss aufhören, wenn es soweit ist“, betont er, „ich will ja nicht mit einem Rollator ins Sportzentrum fahren.“ Die mobile Gehhilfe steht freilich noch nicht bereit im Hause Neuffer, aber der umtriebige Mann sah sich am Ende eines langen Weges angekommen, als Cheftrainer Zoran Stavreski beim Oberligisten im November überraschend zurückgetreten war – also legte auch er ohne Verbitterung oder anderer missliebiger Gründe sein Amt nieder. „Ich bin stets ein Verfechter der Philosophie gewesen“, betont er, „man geht zur Vordertür raus!“

Mann mit Mikrofon: Werner Neuffer war auch Hallensprecher der Handballer im Sportzentrum. Foto: Andreas Gorr

Diesen Schritt hat Werner Neuffer vollzogen, wobei er vor gut zehn Jahren nicht durch ein Portal ins Handball-Geschäft eingestiegen war. Fußball war sein Metier, erst als Stürmer, dann als Abteilungsleiter des SV Gebersheim. Doch die Liebe von Sohn Lars zu Handball hüllte den Vater nach und nach ein, bis er sich im Handball-Kokon befunden hat, aus dem er nicht mehr ausbrechen wollte. „Ich habe Lars oft ins Training gefahren, dann kommt man eben mit den Leuten ins Gespräch“, erzählt der Ex-Fußballer.

Eigentlich hatte Werner Neuffer nicht vor, als Funktionär groß in Erscheinung zutreten, doch – wie das Leben manchmal spielt – konnte er diesen Vorsatz nicht durchhalten. Erst ließ er sich überreden, am Mikrofon den Hallensprecher zu geben, als der Sportliche Leiter des damaligen Landesligisten SG Leonberg/Eltingen beruflich nach München entfleucht war, lehnte er das Angebot nicht ab, dessen Nachfolge zu übernehmen. An das erste Spiel im neuen Amt erinnert er sich genau. „Es ging gegen Schwäbisch Hall und es waren vielleicht gerade mal 30 Zuschauer im Sportzentrum“, berichtet Werner Neuffer.

Werner Neuffer (rotes Shirt) im Jahr 2016 als neuer Sportlicher Leiter der Handballer des SV Leonberg/Eltingen. Foto: Andreas Gorr

Der einstige Fußballer fuchste sich rein in die Handball-Szene, das nötige Fachwissen holte er sich wie ein Sammler von Pfandflaschen – überall und jederzeit Augen und Ohren offen halten, jede nützliche Information in den Sack stecken. Doch was Werner Neuffer mindestens genauso wichtig war wie Fachkenntnis: ein gedeihliches Miteinander und die menschliche Komponente. Der Neueinsteiger wollte mehr sein als nur ein funktional-nüchterner Sportlicher Leiter, und dank seiner kommunikativen Ader plus dem nötigen Einfühlungsvermögen hatte Werner Neuffer bald eine zweite Rolle inne als Erziehungsberechtigter in Sachen Handball von vielen Burschen, die noch keine 20 Jahre alt waren, als sie zum Sportverein stießen. „Ich war eine Vertrauensperson für junge Spieler wie für deren Eltern“, erzählt er.

Den guten Ruf eines verständigen Funktionärs mit Verstand und Herz eroberte sich der Sportliche Leiter schließlich auch bei den gestandenen Handballern, wobei: Ein wenig Kalkül steckte freilich dahinter. Da der SV nicht zu den Clubs zählt, die Spieler mit Geldscheinen überzeugen können, musste die Chemie im Verein stimmen. „Den Spielern sollte es bei uns gefallen. Das sollte die Motivation sein, dem Verein treu zu bleiben“, umreißt er seine Philosophie.

Werner Neuffer (Mi.) bei der Verabschiedung von Trainer Tobias Müller (re.) Foto: Andreas Gorr

Aber Werner Neuffer auf die Rolle des Gute-Laune-Onkels zu reduzieren, würde ihm so gerecht als würde man den verstorbenen Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer bloß als einen ordentlich guten Kicker bezeichnen. Der nimmermüde Rutesheimer kümmerte sich ziemlich um alle Aufgaben, die erledigt werden mussten. Kaderplanung, Trainersuche, Scouting. „Ich habe Spielberichte durchgeschaut, Zeitungsartikel gelesen, um Spieler zu finden, die zu uns passen könnten“, verrät er. Wenn er glaubte, einen Kandidaten ausgemacht zu haben, stimmte er sich in der Führungsriege ab und der Menschenfänger warf seine Angel aus.

Nun sind Werner Neuffer diese Aufgaben abhanden gekommen, doch als Großvater hat er bereits eine neue Beschäftigung mit den Enkeln gefunden. „Ich bin mit mir im Reinen“, sagt der 66-Jährige – und wenn er nun zu den Spielen des SV Leonberg/Eltingen kommt, betritt er das Sportzentrum selbstverständlich durch die Vordertür.

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