Handball – Talent Linus Schmid: erst das Abitur, dann der Profi-Handball

Oben angekommen: Linus Schmid (rechts) spielt in einem Team mit den TVB-Stars Kai und Max Häfner (Mitte). Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Nachwuchs-Handballer Linus Schmid unterschreibt beim TVB Stuttgart einen neuen Profivertrag, spielt aber weiterhin auch für den TSV Neuhausen.

Für die Macher des Handball-Drittligisten TSV Neuhausen ist es vor allem „eine Formalie“, wie es der sportliche Leiter Dennis Saur ausdrückt. Für Linus Schmid aber ist es der nächste Schritt auf der Karriereleiter: Der U-19-Weltmeister hat beim TVB Stuttgart einen neuen Profivertrag bis zum Sommer 2028 unterschrieben.

 

Bisher schon spielte er mit einem Zweitspielrecht auch für den Bundesligisten. Nun wurde die Reihenfolge umgedreht: Der TVB hat das erste Zugriffsrecht auf den Rückraumspieler, die Neuhausener das zweite. Kreisläufer Max Heydecke war diesen Schritt bereits Anfang Dezember vergangenen Jahres gegangen und hat sich sogar bis zum Jahr 2029 an die Stuttgarter gebunden.

Linus Schmid (Mitte) rückt in den Profikader des TVB Stuttgart auf und unterschreibt einen Vertrag bis Sommer 2028. Foto: TVB Stuttgart

Der Wechsel zwischen dem roten Neuhausener und dem blauen Stuttgarter Trikot ist für Schmid kein Problem. „Das geht schon“, sagt er locker. Im Moment aber heißt es für den 19-Jährigen nicht Neuhausen oder Stuttgart, sondern: „Die Haupt-Priorität, wo ich nicht fehlen darf, ist die Schule.“ In wenigen Wochen legt er das Abitur ab. „Es ist anstrengend, aber ich bin zufrieden“, sagt er über den Stand der Vorbereitung. Noch zwei Monate, dann wird sich sein Fokus ganz auf den Handball verschieben. Ein halbes bis ganzes Jahr möchte er sich Zeit geben und sich voll auf den Sport konzentrieren. „Dann will ich ein Fernstudium beginnen“, sagt er und möchte auch die Zeit nutzen, um das Passende zu finden.

Und er will die Zeit nutzen, um besser zu werden. Handball-Profi, da wollte er hin. „Auf jeden Fall bin ich dem Ziel näher gekommen“, sagt er bescheiden, „jetzt muss ich mich erst einmal durchsetzen und zeigen, dass ich den Vertrag verdient habe.“ Diejenigen, die ihm den Vertrag gegeben haben, glauben daran. „Wir sind stolz und freuen uns, in Schmid den zweiten Spieler nach Heydecke aus dem TVB-Talent-Hub fest bei den Profis zu integrieren“, sagt TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt in einer Pressemitteilung.

Greifen wird das mit dem geänderten Erstzugriffsrecht gleich am übernächsten Wochenende, wenn die Stuttgarter am Sonntag, 22. Februar, um 16.30 Uhr gegen den TSV Hannover-Burgdorf spielen und die Neuhausener eine halbe Stunde später beim SV Salamander Kornwestheim. „Ansonsten aber gibt es wenig Terminüberschneidungen und es hat auch bisher sehr gut funktioniert“, erklärt Saur zum Thema Absprache zwischen den Vereinen.

Mehrstufiges Modell

Überhaupt ist die Kooperation mit den Stuttgartern ganz nach Saurs Geschmack – und soll zum Vorteil aller sein: „Das ist eine gute Sache. Wenn einer zu gut für die 3. Liga ist oder eine entsprechende Perspektive hat, dann soll er zum TVB gehen, bleibt in der Region und wir haben weiter Zugriff.“ Und der Funktionär denkt noch einen Schritt weiter: „So wie wir Talenten aus der Region bei uns bei der JANO Filder eine Chance geben, wollen die Spieler und ihre Eltern natürlich wissen, wie die Anschlussförderung ist.“ Grob beschrieben ist es ein mehrstufiges Modell: Wer nach der Jugendzeit keinen Platz auf den Fildern findet, wechselt zu seinem Heimatverein zurück oder zu einem anderen unterklassigen Club, manche Handballer gehen – möglicherweise zunächst – den Schritt in die Regionalliga zur HSG Ostfildern, die besseren nach Neuhausen und die noch besseren zum TVB. Saur: „Wenn es einer in die Bundesliga schafft, freuen wir uns.“ Aber dann eben lieber nach Stuttgart als nach Kiel oder Melsungen.

Keine Einbahnstraße

Eine Stufe unter Schmid und Heydecke agieren Julien Sprößig und der zurzeit an einem Kreuzbandriss laborierende Nick Scherbaum. Sie gehören dem sogenannten Talent-Hub des TVB an, trainieren also regelmäßig in Stuttgart, sind aber – noch – nicht Teil des Bundesliga-Kaders. Spielmacher Scherbaum hat in Neuhausen bereits für die kommende Saison verlängert, mit Außenspieler Sprößig ist der Verein laut Saur „in guten Gesprächen“.

Wenn Saur derweil von einem „engen“ Austausch mit den TVB-Verantwortlichen um Geschäftsführer Schweikardt und Trainer Misha Kaufmann spricht, dann meint er damit auch, dass das Ganze keine Einbahnstraße sein soll. Wer es aus dem Stuttgarter Nachwuchs nicht in die Bundesliga schafft, kann beim eigenen Drittligateam der Stuttgarter, also dem TV Bittenfeld II, unterkommen – oder eben gerne, vor allem bei Zugängen externer Talente, in Neuhausen. Im Fall des niederländischen A-Nationaltorhüters Jorick Pol wurde das schon so gehandhabt. Er spielt ebenfalls auch in der kommenden Runde für beide Clubs. „So muss das weitergehen, so kommen spannende Spieler zu uns“, findet Saur.

Schmid haut sich derweil erst mal voll für die Schule rein und trainiert zusätzlich drei Mal in der Woche in Stuttgart und zwei Mal in Neuhausen. So wie Heydecke. „Ich bin froh, ihn weiter an meiner Seite zu haben“, sagt Schmid. Für das Abitur kann er seinem Freund dann Tipps geben. Denn das schreibt Heydecke in einem Jahr.

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