InterviewHandball-Trainer Rolf Brack hört auf „Jupp Heynckes kehrte mit 72 zurück“

Von Jürgen Frey 

Rolf Brack erklärt seine Karriere als Handball-Trainer für beendet. Der 66-Jährige lässt sich aber ein kleines Schlupfloch offen.

Rolf Brack an der Seitenlinie in seiner letzten Trainerstation beim Bundesligisten HC Erlangen. Neben ihm Ex-Nationaltorwart Carsten Lichtlein, der Bundesliga-Rekordspieler. Foto: Baumann
Rolf Brack an der Seitenlinie in seiner letzten Trainerstation beim Bundesligisten HC Erlangen. Neben ihm Ex-Nationaltorwart Carsten Lichtlein, der Bundesliga-Rekordspieler. Foto: Baumann

Stuttgart - Ob mit dem TSV Scharnhausen, dem VfL Pfullingen oder mit dem HBW Balingen-WeilstettenRolf Brack hat aus kleineren Vereinen mit relative wenig Mitteln viel herausgeholt. Voraussetzung dafür war ein längerfristiges Arbeiten in den jeweiligen Clubs. Und genau das hält er mit 66 Jahren nicht mehr für realistisch – deshalb hat er unter seine Trainerkarriere nun einen Schlussstrich gezogen.

Herr Brack, wir können es kaum glauben, Sie wollen Ihre Trainerkarriere beenden?

(lacht) Doch. Ich werde dieses Jahr 67 Jahre alt und sehe meinen Schwerpunkt in der Wissensvermittlung. Nach über 40 Jahren zwischen Trainerbank und Lehrstuhl möchte ich die Trainer-Aus- und Fortbildung in den Vordergrund stellen, beratend auch mit innovativen Online-Seminaren tätig sein.

Ihre letzte Station war das 24-Tage-Kurzengagement beim HC Erlangen...

...und natürlich ist es schade so abzutreten, aber diese letzte Station hat mir deutlich gezeigt, dass ich kein Trainertyp Feuerwehrmann bin.

Sondern?

Eher der Konzepttrainer. Ich setze auf einen langfristigen Leistungsaufbau und eine kontinuierliche Verbesserung der Spieler. Der Faktor Zeit ist wichtig. Das zeigen meine Stationen in Scharnhausen, Pfullingen und Balingen, wo ich im Schnitt zehn Jahre im Amt war.

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Haben sich nicht auch die Spielertypen verändert?

Die Spieler könnten meine Enkel sein. Deshalb ergibt es mehr Sinn, wenn zwischen Spieler und Trainer nur eine Generation liegt. Die Kommunikation erfolgt dann eher auf Augenhöhe, das Feedback, die Kritik erfolgt partnerschaftlicher.

Ihr Motto war immer Leidensdruck schafft Leidenschaft.

Ja, aber auch Empathie und Sympathie sind wichtig. Wenn ich meinen Sohn Daniel (Anm. d. Red.: 39/Trainer von Drittligist VfL Pfullingen) beobachte, geht er es lockerer an und führt das Team über positive, emotionale Erlebnisse.

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Sie haben die Entwicklung kritisiert, dass auch im Handball Trainer immer schneller ausgetauscht werden. Wird sich daran nach der Corona-Krise etwas ändern?

Ich befürchte, nein. Im Profisport geht es um Erträge und Resultate. Drohende wirtschaftliche Einbußen werden immer zu Drucksituationen für die Trainer führen.

Und Ihr Entschluss ist unumstößlich?

(schmunzelt) Ja, andererseits sollte man niemals nie sagen. Jupp Heynckes kehrte mit 72 aus dem Ruhestand zurück.

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