Handball – Trainersuche Der Nachwuchs- und der Zeitfaktor

Der TV Reichenbach und der TSV Deizisau spielten jüngst gegeneinander. Beide Mannschaften bekommen zur kommenden Saison einen neuen Trainer. Foto: Michael Treutner

Warum sich einige Handballclubs schwer tun, einen Trainer zu finden. Der Verbandsligist TSV Deizisau zumindest ist mittlerweile sehr weit.

Reporter: Sigor Paesler

Zumindest der TSV Deizisau ist mittlerweile „auf der Zielgeraden“, wie Arne Staiger vom Management erklärt. Es herrscht bei dem Traditionsverein große Zuversicht, in den kommenden Tagen einen neuen Trainer präsentieren zu können – und entsprechend Erleichterung, dass die Bank der Verbandsligamannschaft auch in der kommenden Saison besetzt sein wird. Dem gingen zahllose Gespräche, zunächst am Telefon und später persönlich, voraus. Und es bleibt auffällig: Einige Handballclubs sind auf der Suche und tun sich mit selbiger schwer. Deizisaus Verbandsligakonkurrent TV Reichenbach etwa findet bereits seit einigen Wochen keinen geeigneten Nachfolger für Jochen Masching. Am vergangenen Wochenende kam nach dem überraschenden Rücktritt von Veit Wager der Oberligist SG Hegensberg/Liebersbronn noch dazu.

 

„Es ist schon auffällig, dass in einem Umkreis von wenigen Quadratkilometern gleich drei Vereine auf einem ähnlichen Niveau einen Trainer suchen“, sagt Reichenbachs Abteilungsleiter Marcus Masching und forscht nach Erklärungen. „Es fehlt ein bisschen der Nachwuchs im Trainerbereich“, findet er einen, „dazu kommt, dass einige, die schon länger unterwegs sind, mittlerweile im Handball-Ruhestand sind oder ihre Kinder trainieren, wie etwa Steffen Rost und Stefan Haigis in Deizisau.“ Dessen Funktionär Staiger sieht im Fall seines Vereins vor allem den Faktor Zeit: „Es war lange offen, ob Sven Strübin weitermacht. Wenn es mal nach Weihnachten ist, wird es schwer.“ Was sollen sie da bei der SG Heli da sagen? „Drei Wochen vor dem Saisonende mit der Suche anzufangen, ist eine Herausforderung“, sagt Abteilungsleiterin Anna Lederle, ist aber „aufgrund unseres großen Netzwerkes zuversichtlich, dass wir einen Trainer finden, der zu Mannschaft passt. Die ist jedenfalls intakt.“ Bei den – stark abstiegsgefährdeten – Oberliga-Frauen des TSV Köngen, bei denen Armin Dobler nach der Beurlaubung von Marion Radonic bis zum Ende der Runde eingesprungen war, ist die Zukunft ebenfalls noch nicht geklärt. Auch Co-Trainer Martin Schorr hört dort auf und kehrt als Jugendcoach zum TSV Denkendorf zurück. Wie ist die Lage bei den Clubs?

TSV Deizisau Vereinsführung und Spieler hätten gerne mit Strübin weitergemacht – der grundsätzlich auch. Aber der Coach kommunizierte offen und früh, dass er nicht weiß, ob er aus beruflichen Gründen weiterhin den nötigen Aufwand betreiben kann. Also fuhr die Deizisauer Clubführung, intern ebenso offen, zweigleisig: auf eine Zusage von Strübin hoffen und gleichzeitig suchen. Seit dem vergangenen Wochenende schließlich ist klar, dass erstere Option wegfällt, es wurde kommuniziert, dass Strübin auf jeden Fall bereits nach einer Saison in Deizisau aufhört. Gut, dass die Gespräche mit zwei Kandidaten da schon recht weit fortgeschritten waren – und sich der Verein mit einem nun wohl einig ist.

TV Reichenbach Dass Jochen Masching aufhören will, ist schon eine Weile klar. Das Problem der Reichenbacher war, dass sie schnell mit einem möglichen Nachfolger so gut wie einig waren – sich das Ganze dann aber doch zerschlug. Im Moment laufen weitere und vielversprechende Gespräche, wie Abteilungsleiter und Jochen Maschings Bruder Marcus Masching erklärt. „Wir haben gewisse Erwartungen, was der neue Trainer an Qualifikation und Persönlichkeit haben muss, da sind wir verwöhnt“, sagt Marcus Masching. Zudem sollte derjenige von nicht allzu weit weg kommen, auch aus finanziellen Gründen. Und so suchen die Reichenbacher traditionell auch die Fils aufwärts. Am Ende wird es vielleicht doch noch mal Gespräche mit dem jetzigen Coach geben. „Da wären aber noch einige Überredungskünste nötig“, sagt Marcus Masching und lacht – und hat die Hoffnung nicht aufgegeben, einen anderen Coach zu finden.

SG Hegensberg/Liebersbronn In den drei verbliebenen Spielen bis zum Saisonende sitzt Ex-Profi Manuel Späth auf der Bank der Berghandballer – und hat in Sachen Vorbereitung sogar Unterstützung vom zurückgetretenen Wager bekommen. „Wir sind ihm nicht böse und gut mit ihm“, betont Lederle in Bezug auf Wager, „auch wenn der Zeitpunkt natürlich bescheiden ist. Wir sind in einer Situation, mit der wir überhaupt nicht gerechnet hatten.“ Denn eigentlich war man sich über eine weitere Zusammenarbeit mit dem Aufstiegstrainer längst einig. „Die meisten möglichen Kandidaten haben schon etwas oder machen eine Pause“, erklärt Lederle. Zudem erschwere die Situation, „dass wir noch nicht wissen, in welcher Liga wir in der kommenden Saison spielen, wir kämpfen ja noch ein bisschen gegen den Abstieg“. Nach internem Brainstorming aber sind sie und ihre Mitstreiter an die Arbeit gegangen: „Jetzt wird erst einmal abtelefoniert.“

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