In einem Punkt ist Katharina Goldammer der viereinhalb Monate älteren Laila Portella voraus. In einem anderen sieht es für Portella besser aus. Insgesamt aber stellten die beiden 17-Jährigen viele, viele Gemeinsamkeiten fest, als sie sich im Rahmen des EZ-Pokals zum Jahresstart-Gespräch trafen. Sie blickten gemeinsam auf 2024 zurück und – ausführlicher – auf 2025 voraus. Die beiden jungen Frauen kannten sich vorher nicht. Der Ort hatte aber bereits Verbindendes: Im Sportpark Weil wurde Goldammers Disziplin Handball geboten, Portella hat dort viele Jahre Fußball gespielt. Beide haben im vergangenen Jahr einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu ihrem großen Ziel gemacht: die Bundesliga. Der nächste soll in diesem folgen.
Wobei Goldammer eben schon einen Hopser in die Eliteklasse gemacht hat. Am 29. Dezember stand sie ihre ersten Minuten für das Bundesliga-Team der TuS Metzingen auf dem Spielfeld. Als sie davon erzählt, fühlt Portella sichtlich mit. „Ich war so nervös“, berichtet Goldammer von ihrer Einwechslung drei Minuten vor dem Ende der Partie gegen die SU Neckarsulm, „ich habe gleich einen Fehlpass fabriziert.“ Portella hält die Hand vor den Mund: „Oh nein.“ Während Goldammer im vergangenen Sommer von ihrem langjährigen Verein TV Nellingen nach Metzingen gewechselt ist, war der Schritt für Portella vom FC Esslingen zum FC Bayern zumindest räumlich noch weiter. Goldammer pendelt fast jeden Tag von daheim in Sielmingen an die Erms. Portella musste in Süßen die Koffer packen, zog in die bayerische Hauptstadt und wohnt dort im sogenannten „Haus der Athleten“.
Gemeinsamkeiten trotz unterschiedlicher Sportarten
Der Abschied fiel beiden schwer. „Ich habe den Verein nach zwölf Jahren verlassen. Mit Ausnahme des Jugend-Nationalteams habe ich in dieser Zeit nur mit Jungs gespielt“, erzählt Portella – und Goldammer hört staunend zu. Bei den Jungen sei es viel körperlicher zugegangen, andererseits sei es nun „krass“, mit Stars wie Giulia Gwinn zu trainieren. Auch Goldammer berichtet: „Plötzlich ist man mit Spielerinnen in der Halle, die man nur aus dem Fernsehen kannte.“ Julia Behnke etwa. Denn auch das ist eine Parallele: Goldammer und Portella spielen hauptsächlich für das zweite Team ihres neuen Vereins, trainieren aber mit den Bundesligaspielerinnen mit. Dass Goldammer bei ihnen schon zu einem Kurzeinsatz kam und noch öfter bei einer Partie dabei war, liegt auch daran, dass das beim Handball leichter ist als beim Fußball, wo nicht fliegend gewechselt werden kann.
Für beide gilt: Alles in der „Zweiten“ geben, sich mit diesem Team identifizieren, sich für die Bundesliga anbieten. „Unser zweites Team schwebt in der 2. Bundesliga in Abstiegsgefahr. Natürlich will ich da helfen“, erklärt Portella, die im vergangenen Jahr mit der Fritz-Walter-Medaille in Bronze für die besten Nachwuchsfußballerinnen ausgezeichnet wurde. Für Goldammer, die auch schon eine veritable Karriere als Turnerin hinter sich hat, bedeutet das Pendeln zwischen dem Drittliga- und dem Bundesligateam der „TusSies“ viele Reisen.
Pendeln, Training, Ehrgeiz – der Alltag der Talente
Und dann soll ja auch das Leben neben dem Spielfeld nicht zu kurz kommen. Wobei damit nicht etwaige Hobbys gemeint sind. „Hast du viel Freizeit?“, will Goldammer von Portella wissen. „Eigentlich nicht“, sagt die und lacht. „Ich auch nicht“, ergänzt die Handballerin. Goldammer wird im Jahr 2026 ihr Abitur ablegen, Portella leistet gerade ein freiwilliges soziales Jahr beim FC Bayern ab und ist so auch oft auf der Geschäftsstelle in der berühmten Säbener Straße. Der Fokus aber liegt auf dem Sport. Und da soll es 2025 entscheidend weiter gehen. „Ich will in der zweiten Mannschaft mein Können zeigen und mehr Einsatzzeiten in der ersten bekommen“, erklärt Goldammer. Portella nickt: „Ich hoffe, dass ich meine Leistung zeigen kann, mich weiterentwickele und dem Bundesligateam näher komme. Zudem steht die Qualifikation für die U-19-Europameisterschaft an.“ Falls es mit der Teilnahme klappt, und daran ist kaum zu zweifeln, wird Portella in Polen ziemlich sicher dabei sein. Bei den Handballerinnen stehen auch europäische Nachwuchs-Titelkämpfe an. Goldammer muss auf ihrer Spielmacherinnen-Position aber noch gegen starke Konkurrenz um einen Platz dort kämpfen.
„Ein bisschen mehr machen als die anderen“
Nicht nur das zeigt: Die beiden Nachwuchssportlerinnen brauchen auf ihrem Weg an die Spitze viel Ehrgeiz und viel Geduld. Sie wissen, dass ihr großes Talent alleine nicht reicht. „Ich versuche, immer ein bisschen mehr zu machen als die anderen“, nennt Portella ihr Rezept. Diesmal nickt Goldammer verschwörerisch und lächelt.
Die Tage in der Heimat hat Portella genossen, ehe es wieder nach München geht. Und auch Goldammer fühlt sich in der Halle in Weil sichtlich wohl in der Gesellschaft ihrer früheren Nellinger Mitspielerinnen. Später am Tag reist sie noch mit den Metzinger Bundesliga-Handballerinnen nach Bensheim. Dort wird sie 60 Minuten auf der Bank mitfiebern.
Die Berührungspunkte zur Sportart der anderen sind bei den beiden bislang nicht sehr groß. „Wenn mein Vater Fußball guckt, schaue ich manchmal mit“, sagt Goldammer. „Ich war mal bei einem Handballspiel, die Stimmung war cool. Ansonsten schaue ich gerne beim Basketball zu“, erklärt Portella. Aber auch dazu könnte sich der Blickwinkel durch das Gespräch etwas verändert haben.
Katharina Goldammer und Laila Portella gehen einen ähnlichen Weg. Sie haben sich beim Treffen viel zu erzählen, haben viel Verständnis für die Erlebnisse der anderen. Bevor sie weiter an ihrer Sportlerinnenkarriere arbeiten, tauschen sie noch ihren Instagram-Kontakt, wünschen sich alles Gute und versprechen sich, auf dem Laufenden zu bleiben, wie es so läuft. Vielleicht treffen sie sich ja in ein paar Jahren als gestandene Bundesligaspielerinnen wieder.