Handball Verbandsliga Leonberger Wildcats beißen erst spät richtig zu

Durchsetzungsvermögen: Sara Karwounopoulos (Mi.) arbeitete engagiert am Kreis – Vivian Schäfer (li.) und Emily Leiker vom TV Weilstetten können nur zuschauen. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Gut Ding hat bekanntlich Weile. Nach Anlaufschwierigkeiten besiegen die Handballerinnen des SV Leonberg/Eltingen den TV Weilstetten klar mit 38:28 (16:14).

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Es wäre garantiert mächtig interessant gewesen, was ein möglicher neuer Trainer der Leonberger Handball-Frauen zum Spiel des SV Leonberg/Eltingen gegen den TV Weilstetten gesagt und die Partie analysiert hätte. Mit einem standesgemäßen 38:28 (16:14) hatten die Gastgeberinnen das Verbandsliga-Schlusslicht am Samstagabend vor 72 Zuschauern nach 60 Minuten geschlagen.

 

Doch eine Stellungnahme einzuholen war nicht möglich. SV-Handballchef Matthias Groß wollte nicht verraten, wer die unbekannte Person war, die sich die Partie im Sportzentrum angeschaut hatte. Die Hintergründe der Suche nach dem Nachfolger (oder der Nachfolgerin) der zum Saisonende scheidenden Trainerin Mona Binder ist in Leonberg fast so geheim wie der Algorithmus von Facebook, Instagram oder Google. „Wir befinden uns mit mehreren Leuten in Gesprächen“, sagte Matthias Groß lediglich.

Die Partie war lange keine von dem Zuschnitt, den der Zuschauer erwartet, wenn der aufstiegswillige Gastgeber, der auf Platz zwei der Liga steht, einen Abstiegskandidaten empfängt, bei dem noch die Null schamhaft auf der Punkte-Habenseite steht. Die Analyse von Mona Binder war jedenfalls frei erhältlich. „Wir waren die gesamten Spielzeit die bessere Mannschaft“, beschrieb die Trainerin das Szenario, „aber wir haben zu Beginn einfach unsere Chancen nicht richtig genutzt und sind in der Abwehr zu häufig einen Schritt zu spät gekommen.“

TV Weilstetten hält lange dagegen

Wohl wahr. Die Wildcats legten einen Start hin wie ein alter Mercedes bei minus 20 Grad Celsius vor 40 Jahren, bei dem der Diesel-Kraftstoff wegen des heftigen Frosts etwas klumpt und der Motor einfach nicht rund laufen will – es war ein rumpelvoller Stotterstart. Mona Binder stand am Rand mit verschränkten Armen vor der Brust und schaute ein wenig grimmig – ganz wie eine Lehrerin blickt, wenn ihre Schüler partout nicht in der Lage sind, eine vermeintlich einfache Aufgabe zu lösen.

Die Frauen aus Weilstetten spielten munter mit, hielten dagegen und lagen immer wieder in Führung, mal trafen sie unbedrängt aus dem Rückraum, mal packten die Verteidigerinnen in der Mitte nicht energisch genug zu. „Wir hatten den Zugriff nicht gefunden“, sagte Alina Ridder später, „wir hätten auch offensiver die Würfe aus dem Rückraum unterbinden müssen.“

Erst nach 20 Minuten läuft der Motor rund

Erst nach 20 Minuten kam der Motor bei den Wildcats auf die nötigen Touren, auch weil Simona Schmaderer tapfer voranging und die Mannschaft auf den richtigen Weg führte. Zur Pause lagen die SV-Frauen mit zwei Treffern vorn. „Ich war überzeugt“, sagte Ridder, „dass wir uns aus dem Loch befreien würden.“ Einen Anteil daran hatte Sara Karwounopoulos, die am Kreis tüchtig arbeitete und die ihre vier Siebenmeter traumwandlerisch sicher versenkte. „Am Anfang fehlte uns der Rhythmus“, sagte sie, „und die nötige Körpersprache.“

Nach der Pause holperte es bei der Mannschaft im Gelb zwar auch wieder ein wenig, aber nicht ganz so lange wie in Durchgang eins – ab Minute 40 hatten sich die Wildcats gefunden, und bei den Gästen aus Weilstetten stieg die Fehlerquote im Angriff, es sank die Aufmerksamkeit in der Verteidigung. Der Vorsprung wurde nach und nach ausgebaut bis Ines Berkemer acht Sekunden vor der Schlusssirene die Differenz auf zehn Tore setzte. „Hinten raus waren wir da“, bemerkte Paula Klotz erfreut.

Trauer über den Abschied von Mona Binder

Ende gut, alles gut. Zumindest, was das Ergebnis betrifft. Jedoch bedauert ein Großteil der Mannschaft den Abschied von Mona Binder. „Sie hat hier was aufgebaut“, sagte Sara Karwounopoulos, „viel mehr, als das, was man von außen sieht. Schade, dass sie geht.“ Und auch Paula Klotz bemerkte: „Das ist ein großer Verlust für das Team.“ Dass der Verein bald einen Ersatz vorstellen kann, davon geht Matthias Groß fest aus – der 56-Jährige sieht in den Wildcats ein Premiumprodukt. „Der Trainerposten ist ein begehrenswerter Job“, meinte der Handball-Chef, „in den nächsten Jahren rücken von unten viele Talente nach, da macht es Spaß, mit dieser Mannschaft zu arbeiten.“ Wenn das in der Oberliga geschehen könnte, dann wären in Leonberg alle rundum glücklich. SV Leonberg/Eltingen: Thellmann, Glaser; Karwounopoulos (9/4), Ahlborn (8), Schmaderer (6), Klotz (4), Knapp (4), Berkemer (3), Bergthold (1), Conzelmann (1), Thieme (1), Thines (1), Ridder, Wolf.

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