Handball – Verbandsliga Reichenbacher Lastminute-Comeback

Voller Einsatz: Denkendorfs Niklas Ockers wirft, aber die Reichenbacher werfen sich dazwischen. Foto: /Herbert Rudel

Im packenden Derby der Handball-Verbandsliga gewinnt der TVR mit 26:25 gegen den TSV Denkendorf. Insbesondere die Schlussphase ist spannend.

Zwei rote Karten, elf Zweiminuten-Strafen, und 51 Tore und eine Verletzung: Das ist die Statistik des Derbykrimis zwischen dem TV Reichenbach und dem TSV Denkendorf. Als „unfassbares Spiel“ bezeichnet TVR-Co-Trainer Daniel Roos das Aufeinandertreffen in der Handball-Verbandsliga zwischen dem Tabellenfünften Reichenbach und dem Sechsten Denkendorf, das der TVR mit 26:25 (15:13) für sich entschied.

 

Die erste Spielminute war schon bezeichnend für das gesamte Spiel: Der TVR warf an und brach schnell durch die Denkendorfer Abwehrkette – Pfosten. Im Gegenzug konterten die Denkendorfer und gingen durch Leon Lohmann in Führung. In der Folge ging das Spiel hin und her. Die Reichenbacher glichen immer wieder aus und wurden stärker – schafften es jedoch nicht, das Spiel früher auch ergebnistechnisch an sich ziehen. Zwei aufeinanderfolgend verworfene Siebenmeter waren dabei sicherlich nicht hilfreich. In der 23. Minute gingen die die Reichenbacher dann durch den stark aufspielenden Tim Pussert erstmals in Führung. Die ließ sich die Mannschaft in der ersten Hälfte nicht mehr nehmen.

Nach dem Wechsel ging es mit der gleichen Intensität weiter: Die Reichenbacher kamen gut rein, trafen wieder den Pfosten, doch der Ball ging von dort ins Tor. In der 40. Minuten dann der Schockmoment: Sven Müller wurde nach Foul behandelt und musste raus – Ein weiterer Nackenschlag für den von Verletzungspech verfolgten TSV. Reichenbachs Tim Küster sah dafür Rot. „Das ist ganz bitter für uns, weil wir schon einen ganz dünnen Kader haben. Uns bleiben mittlerweile nur noch ein oder zwei Auswechselspieler“, erklärte Denkendorfs Co-Trainer Klaus Riehs, der den erkrankten Chefcoach Ralf Wagner ersetzte. Auch Reichenbachs Cheftrainer Jochen Masching war nicht in der Halle, aus privaten Gründen.

Viele Zweiminutenstrafen

Dann die 40. Minute: Der Hallen-DJ schien den Krimi in der Schlussphase geahnt zu haben. Zum Serienintro des Tatorts trat der Reichenbacher Phil Bühler an die Siebenmeterlinie und verwandelte. Die daraus resultierende 23:20 Führung hielt aber nicht lange: Die Denkendorfer kamen wieder heran und glichen nicht nur aus, sondern drehten in der 55. Minute das Spiel. Das musste die Reichenbacher erst einmal verdauen, doch viel Zeit blieb nicht mehr. Die Denkendorfer indes verteidigten kämpferisch die Führung – für das Schiedsrichter Gespann Eduard Huber und Beck Smakaj (Süßen) zu hart: Zeitstrafe Thimo Piskureck, was wiederum Coach Ries wie überhaupt die Vielzahl an Hinausstellungen für sein Team zu hart fand. Jetzt ging alles ganz schnell: Die Reichenbacher nutzten ihre Überzahl zunächst nicht – Großchance um Großchance ließen sie liegen. Die Denkendorfer warfen alles rein, kämpfte mit Herzblut und verteidigten die knappe Führung mit letzter Kraft. Dann wurde es noch brenzliger: Mattis Ries musste für zwei Minuten runter, die doppelte Unterzahl verschärfte die Situation. Dazu kam die rote Karte gegen Niklas Ockers. Doch selbst der fällige Siebenmeter rauschte am Tor vorbei, die TSV-Führung hielt.

Doch in der 58. Minute war es dann so weit: Phil Bühlers, zuvor noch an der Siebenmeterlinie glücklos, bewies Nervenstärke und traf zum 25:25-Ausgleich. In doppelter Unterzahl wurde es für die Denkendorfer schwer – und die Reichenbacher drehten das Spiel. Philipp Schaupp erzielte das Tor zum 26:25-Endstand. Der Jubel der Heimfans in der Bühlhalle über den Derbysieg war überschäumend, bei den mitgereisten Denkendorfern herrschte Frust. Das galt auch für die (Co-) Trainer. „Wir sind überglücklich“, freute sich Roos. Riehs sprach von einem „brutalen Fight, kämpferisch war das top“.

TV Reichenbach: Bauer; Sohn, Schaupp (3), Neumann (1), Hofmann, Farell (1), Wolf, Fahrion (1), Küstner (3), Munck, Bühler (9), Mäntele (1), Pussert (5), Pröllochs.

TSV Denkendorf: Schrade, Neubert; Lohmann (6), Geiselhart (1), Piskureck, (3), Müller (3), Kaiser, Laurin Rapp (1), Moritz (1), Riehs (4), Denk, Ockers (2), Thamm (4).

Schiedsrichter: Eduard Huber / Beck Smakaj (Süßen).

Zuschauer: 200

Zeitstrafen: 6:16 – zwei mal zwei Minuten für Thamm, Piskureck (Denkendorf), zwei Minuten für Mäntele, Schaupp, Pussert (Reichenbach), Laurin Rapp, Geiselhart, Lohmann, Mattis Riehs (Denkendorf).

Rote Karten: Küstner (Reichenbach), Ockers (Denkendorf).

Beste Spieler: Pussert, Bühler / Lohmann, Müller.

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