Handball – Verbandsliga Team-Trainer Straub: „Es passt zu unserer Situation“

Marco Adelt (links) glänzt nicht nur als Torschütze, er kann auch wie hier gegen Phil Bühler zupacken. Foto: /Pressefoto Rudel/Jens Lommel

Das Team Esslingen verliert das Derby der Handball-Verbandsliga beim TV Reichenbach knapp mit 27:29.

„Ich hoffe einfach nur, dass sie in der Liga bleiben“, sagte Reichenbachs Co-Trainer Daniel Roos über die Verbandsliga-Handballer des Team Esslingen nach deren 27:29 (13:14)-Derby-Niederlage beim TV Reichenbach. „Wenn Unterensingen und vielleicht noch Heli aufsteigen, dann werden es wenig Derbys in der kommenden Saison.“ Roos kennt die Lage der Esslinger aus der Vorsaison, als der TVR unten drin stand und Punkte gegen den Abstieg dringend nötig hatte.

 

Ganz so dramatisch ist die Tabellensituation für die Esslinger nicht – noch nicht. Aber allen Beteiligten war bewusst, wie wichtig ein Punkt für die Mannschaft gewesen wäre. Und vor allem hatten sie gesehen, wie das Team für einen Punktgewinn beim favorisierten TVR gekämpft hat. Allen voran Esslingens Trainer Christian Straub: „Ich kann prinzipiell keinem einen Vorwurf machen“, sagte er als allererstes schützend nach der bitteren Niederlage. „Dass wir in so einem Fight nichts holen, ist ärgerlich. Mit dieser Leistung hätten wir einen Punkt verdient.“

Für die Zuschauer war es ein tolles, weil spannendes Derby. Hochklassig war es nicht. Dafür produzierten beide Teams viel zu viele Fehler. Für Straub der springende Punkt, warum es nicht zu einem Zähler reichte. „Wir machen die Chancen nicht, am Ende entscheiden Kleinigkeiten“, sagte er sichtlich bedient. Roos sah ein „Spiel in Wellen“, welches gute und schlechte Phasen hatte.

Duell zwischen Pussert und Adelt

Das Spiel hatte aber auch zwei Protagonisten, die sich fast schon ein Privatduell lieferten: Reichenbachs Tim Pussert und Esslingens Marco Adelt. Über Pussert lief jeder Angriff der Reichenbacher und meist traf der Mittespieler mit seinem wuchtigen Schlag- oder Unterarmwurf ins Tor. Zehn Mal am Ende. Getoppt wurde das nur von Esslingens Halblinkem. Adelt hielt die Esslinger mit seiner Leistung und elf Treffern überhaupt erst im Spiel. „Er war es, der sie getragen hat“, lobte Roos. Immer wieder traf Adelt aus allen Lagen. Da waren selbst die Reichenbacher Routiniers im Tor Tobias Funk und Sascha Bauer bedient. Roos huldigte Adelt im Anschluss. „Ich glaube, er weiß selber nicht, was er da macht“, sagte er scherzend und drehte sich zu Adelt um, der Minuten nach dem Spiel immer noch ausgepowert auf der Bank saß und Roos ein herzliches Augenzwinkern zurückwarf. Roos führte fort und bewies, dass er auch über sich selbst scherzen kann: „Das ist der 1993er-Jahrgang, der ist ein bisschen unkonventionell.“ Das letzte Wort im Privatduell gehörte allerdings Pussert, der seine klasse Leistung mit dem Tor zum 29:27-Endstand krönte.

Doch die Reichenbacher hatten das Spiel nie kontrolliert, dafür aber in der eigenen Hand gehabt. Lange führte die Mannschaft um Spielertrainer Jochen Masching knapp mit ein bis zwei Toren, ehe es 20 Minuten vor dem Ende 21:17 stand und eine Vorentscheidung in der Luft lag. „Wir haben sie phasenweise im Sack gehabt, diesen aber nicht zu gemacht“, monierte Roos. Im Anschluss begann wieder eine von ihm angesprochene Phase, in der es bei den Reichenbachern nicht gut lief.

Straub ist „wütend“

Beinahe aus den Händen geglitten wäre dem TVR die Partie eine Viertelstunde vor Schluss, als die Esslinger sich zwischenzeitlich für ihren Kampf belohnten und plötzlich mit 24:22 führten. „Nach dieser Phase haben wir nochmals den Schalter umgelegt“, sagte Roos. „Das muss man auch erst einmal schaffen, daher ein großes Lob an die Mannschaft.“ Tatsächlich riss der TVR das Spiel in den letzten zehn Minuten wieder an sich und brachte das harte Stück Arbeit über die Ziellinie. Allerdings auch bedingt durch die Ausfälle von Adelt und Alexander Braune aufseiten der Esslinger. Beide trugen in den Schlussminuten Blessuren von sich und wirkten nur noch eingeschränkt mit. „Wir stehen unten drin, dann kommt es auch noch so, es läuft alles dagegen. Es passt zu unserer Situation“, resümierte Straub, „es macht mich wütend, dass die Mannschaft sich nicht belohnen kann.“

TV Reichenbach: Funk, Bauer; Schaupp (1), Neumann (2), Colin Farrell (1), Wolf (1), Evan Farrell (3/3), Fahrion (2), Küstner (1), Munck, Masching (1), Bühler (5), Mäntele (2), Pussert (10).

Team Esslingen: Boss, Müller; Weber, Adelt (11), Merk (5), Jakob Guhl, Engelfried-Hornek, Fischer, Braune (4), Humburg (1), Felix Guhl, Bernhardt, Frohna (4), Erichs (2).

Schiedsrichter: Roberto Vocino / Marc Vogelmann (Dettingen/Erms / Oppenweiler/Backnang).

Zuschauer: 350.

Zeitstrafen: Zwei Mal zwei Minuten für Felix Guhl (Esslingen), zwei Minuten für Schaupp, Wolf, Mäntele (Reichenbach), Weber, Engelfried-Hornek (Esslingen).

Beste Spieler: Pussert, Mäntele / Adelt, Merk.

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