Als ein „Herzinfarkt-Spiel“ bezeichnete Trainer Almir Mekic das Gipfeltreffen zwischen seinen TSF Ditzingen und dem bisherigen Tabellenführer Handball Bottwar SG in der Verbandsliga. Es war eine Begegnung, die aus Sicht der Grün-Weißen alles zu bieten hatte: eine vermeintlich sichere Führung nach einer starken Endphase in der ersten Hälfte, eine drohende Niederlage bei Gleichstand und Ballbesitz für die Gäste 25 Sekunden vor Schluss und dann doch noch der Sieg durch einen Treffer von Yannik Ruffner in allerletzter Sekunde. „Das war kein Spiel für schwache Nerven, aber es zeigt, welche Moral in der Mannschaft steckt“, lobte Mekic.
Die Vorzeichen für die Partie waren alles andere als gut gewesen: Da bereits am Freitagabend gespielt wurde, hatte die Mannschaft nur eine Trainingseinheit am Dienstag gehabt, bei der gleich vier Akteure fehlten – unter anderem Spielmacher Yannick Hüther und der noch unter Ellenbogenproblemen leidende Yannik Ruffner.
Die Gäste aus dem Bottwartal kamen besser in die Partie und lagen in den ersten zehn Minuten mit einem bis drei Treffern vorne – auch weil die Unparteiischen bereits nach sieben Minuten TSF-Abwehrchef Julian Schwab mit einer Roten Karte vom Feld schickten. „Die Karte war absolut vertretbar, er hat den Linksaußen der Gäste erwischt, auch wenn es keine Absicht war“, meinte Mekic. Nick Bohnen sorgte nach zwölf Minuten beim 7:7 erstmals wieder für den Ausgleich. Dann verhängten die Schiedsrichter auch gegen einen Gästespieler die Rote Karte, und die TSF gingen in Überzahl mit 9:7 in Führung.
Torhüter Biehl wird zum Faktor
Nach dem 11:10-Anschlusstreffer kamen die Grün-Weißen dann jedoch ins Rollen und bauten dank starker Leistungen in Abwehr und Angriff die knappe Führung bis zur Pause auf 18:13 aus. Schwach startete das Mekic-Team dann jedoch in die zweite Hälfte: Nach 33 Minuten waren die Gäste auf 18:16 heran, nach 39 Minuten glichen sie zum 21:21 aus.
Erstmals in Führung ging die Bottwar SG jedoch erst in der 56. Minute beim 27:28. Dass die Ditzinger in dieser Phase noch Tuchfühlung hatten, lag zum einen an Rechtsaußen Nico Bauer, der in der Schlussphase in schwierigen Situationen von außen traf und Torhüter Michael Biehl, der in den letzten zehn Minuten mit zahlreichen Paraden zum Faktor wurde. „Einige Spieler hatten nicht ihren besten Tag, aber die Mannschaft hat das kompensiert“, lobte Mekic.
Trainer Mekic rückt von Gewohnheit ab
53 Sekunden vor Schluss lag die Handball Bottwar SG nach dem siebten verwandelten Siebenmeter von Marc Pflugfelder mit 30:29 in Führung. Nico Bauers vierter Treffer bedeutete den 30:30-Ausgleich 25 Sekunden vor Schluss. „In der Auszeit des Gegners haben die Jungs sich heiß gemacht und gesagt, wir gewinnen noch, obwohl der Gegner den Ball hatte“, berichtete Coach Mekic.
Und tatsächlich kamen die TSF wenige Sekunden vor Schluss in Ballbesitz. Mit sieben Feldspielern und drei Sekunden auf der Uhr passte Hüther den Ball auf Yannik Ruffner, der mit der Schlusssirene den Ball aus elf Metern unhaltbar ins Netz nagelte. „Danach war Ekstase“, meinte der TSF-Coach und ergänzte, „so ein Sieg bringt eine Mannschaft viel weiter als ein Erfolg mit zehn Toren Unterschied.“ Und nach diesem Handball-Krimi gab der Alkohol-Abstinenzler Mekic dem Drängen seiner Jungs nach und genehmigte sich ein kleines Bier. TSF Ditzingen: Glumac, Biehl; Träger (7), Hüther (6/3), Bohnen (4), Bauer (4), Ruffner (3), Steckroth (2), Ruoff (2), Graykowski (2), Heer (1), Breitner, Kienle, Schwab.