Handball Vorzeitig – der SV Kornwestheim ist Drittliga-Meister

Die Männer des SV Kornwestheim bejubeln am Samstagabend ihren Heimsieg. Die Meisterschaft folgt dann am Folgetag.                                          Foto: privat

Der Handball-Drittligist gewinnt am Samstag zuhause gegen Erlangen-Bruck, bevor ihm am Sonntagabend die Niederlage des stärksten Verfolgers den vorzeitigen Titel einbringt.

Es ist Sonntag, 18.35 Uhr. In der Karl-Heinz-Hiersemann-Halle in Erlangen ertönt der Schlusspfiff. Auf der Anzeigetafel steht ein 34:37. Was nüchtern klingt, löst andernorts eine riesige Welle der Emotionen aus. Denn mit dieser Niederlage des Zweiten HC Erlangen II gegen den TV Neuhausen/Filder ist es entschieden: Der SV Kornwestheim ist Meister der 3. Liga Süd – und das bereits drei Spieltage vor Saisonende.

 

Der Grundstein dafür wurde am Vorabend gelegt, als Kornwestheim den TV Erlangen-Bruck daheim 39:27 besiegte. Doch Gewissheit brachte erst das nervenaufreibende Duell in Erlangen. Ein Spiel, das bis in die Schlussphase offen war. Noch in der 57. Minute trennte beide Teams nur ein Tor. Während in Erlagen die Spannung greifbar war, spielte sich das eigentliche Drama an ganz anderen Orten ab. Cheftrainer Alexander Schurr verfolgte die Partie alleine zu Hause vor dem Liveticker. Kreisläufer Maximilian Keil saß bei seiner Mutter – doch von Entspannung keine Spur. „Die letzten Minuten sind wir nur noch gestanden“, schildert Keil.

Auf dem Weg zum Titel nicht aufzuhalten: Luke Kaysen (rechts) und der SVK. Foto: Peter Mann

Dann, um 18.33 Uhr, eine Nachricht in der Teamgruppe. Abteilungsleiter Mirko Henel weißt darauf hin, dass nur noch eineinhalb Minuten zu spielen sind und es nun drei Tore Vorsprung für Neuhausen sind. Die Sensation liegt in der Luft. Und doch bleibt Schurr vorsichtig, mahnt zur Zurückhaltung.

Sekunden werden zu Ewigkeiten. Für einige ist es jetzt klar – doch nicht für alle. „Als Skeptiker hat’s bei mir noch ein viertes Tor gebraucht“, sagt Schurr später. Und tatsächlich: Mit diesem Tor bricht auch bei ihm der Damm. Plötzlich ist sie da, die Gewissheit. Keil reißt die Arme hoch, Nachrichten fluten die Gruppe, Smileys tanzen über die Displays. Die Anspannung weicht purer Freude. Schurr springt durch seine Wohnung, überwältigt von den Gefühlen – nur um kurz darauf innezuhalten. Durchzuatmen. Zu begreifen. „Ein ganz besonderer Moment“, sagt er. Und man spürt: Das ist mehr als ein Titel. „Das war eine super intensive Saison. Diese Meisterschaft haben wir uns alle verdient.“

Voller Körpereinsatz bei Maximilian Keil (links) und seinem Gegenspieler. Foto: Peter Mann

Die Handys stehen nicht mehr still. Innerhalb weniger Minuten wird ein spontanes Treffen organisiert. Doch ein Gefühl bleibt – bei Keil und vielen anderen: „Ich war auch enttäuscht, dass ich nicht mit meinem Team auf der Platte stehen konnte.“ Also wird improvisiert. Stuttgart statt Spielfeld. Wohnzimmer statt Halle. Doch die Freude ist da. Und eines ist jetzt schon sicher: Diese Nacht wird nicht die letzte Feier gewesen sein.

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