Stuttgart - Eines vorneweg: Es hätte schon größere Wunder in der Sportgeschichte gegeben, als das, wenn die deutsche Handball-Nationalmannschaft vielleicht doch noch ins WM-Viertelfinale einziehen würde. Zwei eigene Siege gegen Brasilien und Polen, zwei Niederlagen der Ungarn gegen Polen und Spanien – und über den Dreiervergleich wäre der Sprung in die K.-o.-Runde noch zu schaffen. Aber klar: Es ist ein dünner Strohhalm, an den sich das Team um Bundestrainer Alfred Gislason klammern kann – ganz nach dem Motto: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Nachlässigkeiten im Abschluss
Egal wie diese umstrittenen Titelkämpfe am Nil für die DHB-Auswahl enden: Die beiden Spiele gegen Ungarn (28:29) und Spanien (28:32) haben gezeigt, dass die neuformierte Mannschaft einerseits nicht weit weg ist von solch erfahrenen Spitzenteams. Beide Partien hätte man auch für sich entscheiden können. Doch auf der anderen Seite fehlte in den entscheidenden Situationen neben der Konzentration im Torabschluss vor allem die Ruhe und Abgezocktheit.
Mehr ist nicht drin
Auf allerhöchstem Niveau, wenn Kleinigkeiten den Ausschlag geben, ist Erfahrung unersetzlich. Ohne den seit Jahren eingespielten Innenblock mit Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler, ohne die routinierten Rückraumstrategen Steffen Weinhold und Fabian Wiede – die allesamt nicht zur Verfügung standen – ist einfach nicht mehr drin für diese deutschen Mannschaft. Das ist die Realität, bei aller zurecht gepriesenen Breite in der Bundesliga. Junge Spieler, wie Sebastian Firnhaber oder auch Juri Knorr, zahlen bei dieser WM auf der für sie neuen internationalen Bühne Lehrgeld. Sie werden daraus lernen. Und auch der Bundestrainer kann aus den WM-Auftritten wertvolle Schlüsse für die Zukunft ziehen. Unabhängig davon, ob noch ein kleines Handball-Wunder eintritt oder nicht.