Handball-WM Vierter Stern für die deutschen Handballer?

Von Jürgen Kemmner 

Vor 81 Jahren gab es in Berlin die Premiere der Handball-Weltmeisterschaften. An diesem Donnerstag werden in der Bundeshauptstadt die 26. Titelkämpfe eröffnet – für die deutsche Mannschaft gab es Tränen und Triumphe, Frust und Freude. Ein kurzer Überblick.

Konfettiregen in Köln: Die deutschen Spieler jubeln mit dem WM-Pokal bei der Siegerehrung nach dem Finalsieg über Polen – Deutschland ist Weltmeister 2007 Foto: dpa 8 Bilder
Konfettiregen in Köln: Die deutschen Spieler jubeln mit dem WM-Pokal bei der Siegerehrung nach dem Finalsieg über Polen – Deutschland ist Weltmeister 2007 Foto: dpa

Stuttgart - Unvergessen ist die WM 2007, als die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand in einer mitreißenden Weltmeisterschaft den Titel nach dem Finalsieg in Köln über Polen gewann. Ganz Deutschland hatte in den zwei Wochen zuvor im Handball-Fieber gelegen, es war freilich kein Vergleich zum ersten Titelgewinn der bundesdeutschen Auswahl 1978 in Dänemark beim überraschenden Triumph über die Sowjetunion. Und auch 1938 war Deutschland schon einmal Champion. 2019 findet die WM sowohl in Deutschland als auch in Dänemark statt, zumindest diese Vorzeichen stehen für Titel Nummer vier gut – bevor es an diesem Donnerstag mit dem Spiel gegen Korea in Berlin losgeht, wagen wir einen kurzen Blick zurück in der Historie.

1938: Titel bei der Premiere

Bei der ersten Handball-WM, die innerhalb von zwei Tagen im Modus jeder gegen jeden über die Bühne geht, sind nur vier Teams dabei: Deutschland, Österreich, Schweden und Dänemark. Die Deutschen gewinnen alle drei Spiele und damit den Titel.

1954: Knapp gescheitert

Nach einer langen Pause aufgrund des Weltkrieges folgt die zweite WM erst 16 Jahre später – dieses Mal sogar mit sechs Teams. Die gesamtdeutsche Mannschaft zieht als Gruppensieger ins Finale ein, wo sie gegen Gastgeber Schweden jedoch mit 14:17 den Kürzeren zieht.

1958: Bronze in der DDR

Die WM-Endrunde mit erstmals 16 Teams findet in der DDR statt, was freilich ein Politikum darstellt – die gesamtdeutsche Auswahl scheitert in der Zwischenrunde am späteren Vizeweltmeister Tschechoslowakei und wird am Ende nach einem 16:13-Erfolg über Dänemark Dritter.

1961: Keine Medaille beim nächsten Heimspiel

Dieses Mal ist die Bundesrepublik WM-Gastgeber vom 1. bis zum 12. März. Es ist der vorerst letzte Auftritt einer gesamtdeutschen Auswahl – nach dem Mauerbau im August 1961 in Berlin trennen sich die Wege der ost- und westdeutschen Handballer. Im Spiel um Platz drei unterliegen sie Schweden mit 14:17.

1970: erstes Bruderduell

Erstmals schicken BRD und DDR jeweils eine eigene Mannschaft zur WM. Im Viertelfinale kommt es zum direkten Duell – Ost besiegt West mit 18:17 nach Verlängerung und holt nach einer dramatischen 12:13-Endspielniederlage gegen Rumänien Silber. Die bundesdeutsche Equipe wird Fünfter.

1974: Silber für die DDR

Zum zweiten Mal ist die DDR WM-Gastgeber, wie schon vier Jahre zuvor gewinnt sie Silber. Im Finale ist Rumänien wie schon 1970 (12:14) zu stark. Die Bundesrepublik enttäuscht bereits in der Vorrunde und kehrt als WM-Neunter zurück.

1978: der unerwartete Triumph

Die Bruderduelle gehören mittlerweile zur Handball-WM wie ein Siebenmeter zum Spiel. 1978 kämpfen die DDR und die BRD um den Finaleinzug – nach einem 14:14 im deutsch-deutschen Spiel zieht die DHB-Auswahl als Hauptrundengewinner vor dem punktgleichen Ost-Rivalen überraschend ins Endspiel ein. Dort besiegen Heiner Brand und Kollegen die favorisierte Sowjetunion in einer dramatischen Partie mit 20:19. Die Namen der Helden sind bis heute unvergessen: Neben Brand standen im Team Erhard Wunderlich, Joachim Deckarm, Arno Ehret, Kurt Klühspies, Manfred Hofmann und Horst Spengler, um nur einige zu nennen.

1986: die BRD enttäuscht

Wieder treffen beide deutsche Teams in der Hauptrunde aufeinander. Die DDR gewinnt dieses Mal deutlich und sichert sich am Ende gegen Schweden die Bronzemedaille. Für die BRD bleibt nur Rang sieben.

1993: Wieder vereint, aber keine Medaille

Nach 32 Jahren treten die deutschen Handballer bei einer Weltmeisterschaft erstmals wieder als ein Team an. Die erhoffte Medaille gibt es jedoch nicht, in der Zwischenrunde besiegelt die 16:24-Niederlage gegen Schweden das Aus. Mehr als Rang sechs ist nicht drin.

1995: nur Platz vier

Ein fulminanter Start nährt die Hoffnung auf den Titel – ohne Niederlage marschiert Deutschland durch die Vorrunde und nach Siegen gegen Weißrussland und Russland direkt ins Halbfinale. Dort setzt Frankreich aber das Stoppzeichen (20:22). Und auch das Spiel um Bronze gegen Schweden geht mit 20:26 verloren – am Ende Rang vier.

2003: knapp gescheitert

Die deutsche Mannschaft erreicht ungeschlagen das Endspiel, hat Frankreich in einem dramatischen Duell im Halbfinale 23:22 besiegt. Doch sie scheitert beim Griff nach Gold in Lissabon an Kroatien mit 31:34.

2007: das Wintermärchen

Nachdem die Fußballer das Sommermärchen bei der WM 2006 verpatzt hatten, richten es die Handballer ein halbes Jahr später – eine Überraschung. Nach einer durchwachsenen Vorrunde mit einer 25:27-Niederlage gegen Polen surft das Team von Bundestrainer Heiner Brand aber plötzlich auf einer Euphoriewelle durchs Turnier, ganz Deutschland wird erfasst, so dass der Hype beinahe Fußball-Dimensionen erreicht. Emotionaler Höhepunkt ist der Halbfinalsieg gegen Frankreich (32:31), der erst nach zwei Verlängerungen feststeht. Der Endspielerfolg gegen Polen (29:24) ist das I-Tüpfelchen auf die Glückseligkeit in Handball-Deutschland.

2017: Peinliches Aus

Als Europameister fährt die DHB-Auswahl mit großen Ambitionen zur Endrunde auf die Arabische Halbinsel. Nach dem souveränen Gruppensieg kommt das völlig unerwartete Aus im Achtelfinale gegen Katar und damit das vorzeitige Ende der Ära von Bundestrainer Dagur Sigurdsson.