Handel in Fellbach Endspurt fürs Engagement in der Mode
Das Modelabel St/Cloud ist ein Repräsentant der früheren Bekleidungsindustrie in Schmiden. Die Ära geht nun mit einem Outletverkauf zu Ende.
Das Modelabel St/Cloud ist ein Repräsentant der früheren Bekleidungsindustrie in Schmiden. Die Ära geht nun mit einem Outletverkauf zu Ende.
Gerhard Bürkle nimmt die rote Hose mit einem gezielten Griff vom Ständer, legt das Ende auf seinen linken Oberarm und zeigt, wie die Hose fällt. Es sind eingespielte Handgriffe, der Mann macht sie aus dem Effeff. Gerhard Bürkle hat einige Jahrzehnte Erfahrung in der Modebranche. Mit seiner Frau Renate hat er das Modelabel St/Cloud 1994 in Fellbach gegründet. Das Label war sehr erfolgreich – zwischen 1998 und 2006 habe die GmbH beispielsweise rund 2,5 Millionen Euro Jahresumsatz gemacht, berichtet er. Zwei Diplom-Modedesignerinnen und einige Angestellte arbeiteten mit im Team.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Inzwischen habe sich die Lage in der Modebranche so zugespitzt – dass Gerhard und Renate Bürkle entschieden haben, den kleinen Laden, zentral im Fellbacher Rathaus-Carrée gelegen, im Frühjahr zu schließen.
Seit April wurde der Verkauf als Outlet in der Pestalozzistraße 53 eröffnet. In dem früheren Gebäude einer Buchdruckerei mit rund 300 Quadratmetern Fläche auf zwei Geschossen war der bisherige Firmensitz des Labels. Es ist geplant, dass der Outletverkauf noch dieses Jahr stattfindet, dann sollen die Türen geschlossen werden.
Gerhard Bürkle ist einer der letzten Repräsentanten der ehemaligen Schmidener Textilindustrie. Ende der 1960er Jahre existierten in Schmiden drei Unternehmen mit dem Schwerpunkt auf der Produktion von Herrenhemden. Anfang der 70er Jahre hat Gerhard Bürkle den Betrieb von Herrenhemden auf Damenblusen umgestellt, damals eine wichtige Weichenstellung. Den elterlichen Betrieb hatte er mit seinen Brüdern übernommen. Die Hemdenfabrik unter dem Label „Golden Gate“ war Anfang der 70er Jahre neu gebaut worden. Rund 45 Leute wurden damals beschäftigt.
„Doch dann hat sich das nicht mehr gerechnet“, erzählt Gerhard Bürkle. Die Fabrik wurde 1986 geschlossen. Die Billig-Produktion im globalen Süden habe mit ihrem Preisdruck den Niedergang der Modeindustrie in Deutschland angefeuert, sagt er. Inzwischen könne man heimische Textilhersteller an einer Hand abzählen, meint er. Gerhard Bürkle hat viele Einblicke in die Branche bekommen über die Jahrzehnte. Für seine Frau und ihn sei klar gewesen, mit dem eigenen Label St/Cloud auf Qualität zu setzen. „Wir haben zu Anfang ganz bewusst nur im europäischen Ausland produziert, bei Hechingen auf der Schwäbischen Alb und nicht in Asien“, sagt er. Und: „Wir sind unserer Linie treu geblieben, auch wenn manchmal die Versuchungen groß waren, noch preiswerter auf Kosten der Verarbeitung herzustellen.“ Von Anfang an waren „wertige und nachhaltige Mode unser Ziel“.
Und was macht Mode wertig? Gute Qualitäten, Verarbeitung und Passform seien nachhaltige Attribute für ein Kleidungsstück, sagt er. Haltbare Nähte gehörten natürlich auch dazu, und am Garn, an den Knöpfen dürfe nicht gespart werden. Und das richtige Material müsse zum entsprechenden Modell passen. So eine Mode sei haltbar und damit ressourcenschonend. „Auf Nachhaltigkeit, die immer drängender wurde, haben wir von Anfang an geachtet“, sagt er.
Bei der Produktion von einem Kleidungsstück werden viel Energie, Wasser und Rohstoffe verbraucht. Es stecke einiges dahinter, bis ein Kleid oder eine Hose perfekt so am Ständer hängt. „Doch das wollen viele ja heute gar nicht mehr wahrnehmen“, so der Modemacher. Über sich selbst sagt er: „Mode ist mein Leben.“ Und da stimmt ihm seine Mitarbeiterin Monika Schneider zu.
Es ist noch nicht so lange, dass der Verkauf an Privatkunden läuft. Zuvor wurden die Kollektionen im gesamten deutschsprachigen Raum vertrieben, von 2012 an kamen Einzelhandelsgeschäfte etwa in Ludwigsburg und in der Schorndorfer Daimlerstraße dazu. Eine wichtige Rolle spielte, dass die Mode zeitlos und knitterfrei sei.
Übrigens schließt sich mit dem Auszug aus dem Geschäft in der Hinteren Straße in Fellbach auch ein Kreis. Die Nachfolgerin Ulrike Maurer, die mit ihrem Schokoladengeschäft die Räume übernommen hat, hat sich vor Jahren Arbeitskleidung von St/Cloud entwerfen lassen. „Ich weiß noch, wir haben Blusen geliefert in Rose-Weiß, gestreift, das war damals Ende der 90er Jahre trendy“, erzählt Gerhard Bürkle.
„Wir sind mit unseren Kunden älter geworden“, sagt der Hobbygolfer, der seine Utensilien für den Sport schon mal in einer Ecke am Eingang platziert hat. Dafür wird er wohl bald etwas mehr Zeit finden.