Handel mit Haustieren Kampf gegen die Tiermafia

Von Florian Gann 

Der Handel mit Hunden und Katzen ist ein Riesengeschäft. Oft werden sie online gekauft – und illegal aus dem Ausland geliefert. Das Europäische Parlament will nun dagegen vorgehen.

Zuckersüß – nur woher kommen die etwa sechs Wochen alten Kätzchen? Foto: dpa/Patrick Pleul
Zuckersüß – nur woher kommen die etwa sechs Wochen alten Kätzchen? Foto: dpa/Patrick Pleul

Brüssel - Deutschland hat ein Problem mit den offenen Grenzen. Aber nicht, weil sich Menschen innerhalb des Schengen-Raums der Europäischen Union ohne Passkontrolle über Grenzen hinweg bewegen können, sondern weil auch Hunde und Katzen ohne Probleme über die offenen Grenzen gebracht werden können. Neun Millionen Hunde leben laut der Statistikseite Statista in Deutschland, ähnlich viele Haushalte halten mindestens eine Katze. Viele dieser Tiere stammen vom Schwarzmarkt. Deutschland sei ein Empfängerland der illegal gehandelten Tiere, sagt die SPD-Europaabgeordnete Delara Burkhardt. „Es ist ein deutsches Problem, weil wir die Tiere haben“, sagt Burkhardt.

555 000 Hunde werden zwischen den EU-Staaten jeden Monat gehandelt, Zahlen zu Katzen liegen nicht vor. Nur knapp 21 000 sind registriert, bei Katzen sind es 2300, wie aus einer Studie im Auftrag der Europäischen Kommission hervorgeht. Diese Zahlenlücke deutet darauf hin, dass viele Tiere illegal gehandelt werden. Es soll das drittgrößte illegale Geschäftsfeld nach Drogen- und Waffenhandel sein, dazu kommt ein großer Graubereich. Das Europäische Parlament stimmte am Mittwoch für eine Resolution, den illegalen Tierhandel in der EU einzudämmen. Aber um zu verstehen, was das konkret bedeutet, muss man an den Anfang des Problems.

Regeln gibt es viele, Verstöße werden jedoch selten geahndet

In Deutschland ist genau festgelegt, wie Tiere registriert werden müssen: Impfnachweise, Mikrochip, dazu gibt es den Heimtierausweis – eine Art Haustierreisepass. Viele EU-Länder haben ähnliche Regeln, die auf die Zucht und deren Dokumentation abzielen oder auf die Registrierung von Züchtern und Tierhändlern. Diese Systeme sind aber unterschiedlich streng, und häufig werden Verstöße nicht geahndet. Das führe zu einem Preisgefälle zwischen verschiedenen Ländern, sagt die Europaabgeordnete Burkhardt – und letztendlich dazu, dass Tiere häufig günstig im Ausland gekauft würden. Und weil in der EU freier Warenverkehr gilt, können Tiere etwa nach Deutschland überführt werden, völlig legal, sofern man sich an die Transportgesetze hält.

Viele Tierhändler schrecken aber auch vor eindeutig Illegalem nicht zurück. Burkhardt spricht von Intensivzucht in Osteuropa, vor allem in Ungarn, Polen, Rumänien und Tschechien würden auf Welpenfarmen Hunde für den Schwarzmarkt gezüchtet. Behördliche Kontrollen fänden so gut wie nicht statt. Viele der Hunde und Katzen werden zu früh – schon nach wenigen Wochen – von ihren Müttern getrennt, sind ungeimpft und krank. Laut der Tierschutzorganisation Dogs Trust helfen Ärzte dabei, die Papiere für die Tiere zu fälschen. Mit diesen Dokumenten landen sie dann bei den Kunden in westlichen EU-Ländern. Das sei auch ein Problem für Menschen, betont Peter Liese (CDU), gesundheitspolitischer Sprecher im Europaparlament, denn: „Krankheiten können von Tieren auf Menschen überspringen.“

Ebay reagiert auf Kritik von Tierschützern

Gekauft werden die Tiere oft über das Internet. Wer auf Plattformen wie etwa Ebay-Kleinanzeigen nach Welpen sucht, ­findet schnell passende Angebote. Dafür gab es viel Kritik von Tierschützern. ­Mittlerweile hat Ebay auf die Kritik reagiert, bei Tieranzeigen erscheint inzwischen ein Hinweis, der vor unsauberen Geschäften warnt.

Tierhalter, die einem illegalen Geschäft aufgesessen sind, seien oft überfordert, sagt Marion Wünn, Leiterin des Tierschutzverein Stuttgart in Stuttgart-Botnang. Viele könnten sich nicht leisten, etwaige Krankheiten dann zu behandeln oder hätten sich zu wenig damit auseinandergesetzt, was das Tier braucht, sagt Wünn. Dann landen die Hunde und Katzen bei ihr im Heim. „Wir gucken, dass wir die Tiere wieder aufpäppeln“, sagt sie. Sie plädiert dafür, dass grenzüberschreitender Handel und der Online-Verkauf von Hunden und Katzen komplett verboten werde. Dieser Wunsch wird sich aber so schnell nicht erfüllen.

Ein erster Vorstoß im Jahr 2016 scheiterte

Im EU-Parlament herrschte am Mittwoch zwar große Einigkeit bei dem Thema illegaler Tierhandel. Mit nur drei Gegenstimmen stimmten die Abgeordneten für einen Beschluss, um den illegalen Handel mit Tieren zu stoppen. Das Parlament ruft die EU-Kommission damit zum Handeln auf – denn nur dort können EU-Gesetze auf den Weg gebracht werden, die für einheitliche Regeln in allen Mitgliedsländern sorgen. Das hat aber schon bei einem vorhergehenden, weitgehend gleichen Beschluss im Jahr 2016 nicht funktioniert.

Die SPD-Europaabgeordnete Burkhardt hofft nun, dass das Thema im Bundestag Gehör findet. Ein Blick ins Nachbarland könnte sich lohnen: In Österreich dürfen Tiere nicht mehr online verkauft werden.