Der Handels- und Gewerbeverein in Stuttgart Nord löst sich auf. Vor fast vier Jahren gegründet, haben sich Mitgliederzahlen und Beteiligung der Händler nicht so entwickelt, wie man es sich erhofft hatte.

Filderzeitung: Rebecca Anna Fritzsche (fri)

S-Nord - Nach der Sitzung am 22. April steht es nun fest: Der Handels- und Gewerbeverein (HGV) Nord löst sich auf. „Stuttgart-Nord ist ein heterogener Bezirk“, sagt der Unternehmensberater Ralf Sorgenfrei, bisher einer der drei Vorstände. „Es ist schwierig, mit einer Stimme für alle zu sprechen.“ Ein Händler an der Killesberghöhe habe eben andere Sorgen und Interessen als sein Kollege an der Helfferichstraße oder im Nordbahnhofviertel.

 

„Zukunft des HGV Stuttgart-Nord“ war der Brief betitelt gewesen, den der Vorstand – Ralf Sorgenfrei, der Architekt Valentin Klaus und Christian Schwinge, Geschäftsführer seiner eigenen IT-Firma – Anfang März an alle Mitglieder verschickt hatte . Darin war noch die Rede von einer möglichen Zusammenlegung mit dem HGV Stuttgart-Stadt. Die ist aber bereits auf der Mitgliederversammlung am 31. März vom Tisch gewesen: zu aufwendig, mit zu wenig Nutzen für die Mitglieder, vereinsrechtlich schwierig. Bei der Versammlung sollte letztlich über die Auflösung abgestimmt werden – doch das klappte nicht: „Es waren nur vier Mitglieder da, davon drei aus dem Vorstand“, sagt Christian Schwinge – zu wenige, um beschlussfähig zu sein. Bei der zweiten anberaumten Versammlung am 22. April reichte die Mehrheit der anwesenden Mitglieder. Dieser Beschluss fiel einstimmig aus, dabei waren neben den drei Vorsitzenden vier weitere Mitglieder.

Die erhofften Mitgliederzahlen kamen nicht zusammen

Die Zahl der Anwesenden verdeutlicht eines der größten Probleme des Handels- und Gewerbevereins: die spärlichen Reaktionen der Mitglieder und der Kaufleute in Nord insgesamt. Zwölf Mitglieder hatten sich zur Gründung 2010 zusammengefunden, zwischenzeitlich sind es 22 gewesen, zuletzt 19. Vorgestellt hatten sich das alle anders: Im Gründungsjahr waren 1500 potenzielle Mitglieder angeschrieben worden, von denen 70 „intensives Interesse“ an einer Mitgliedschaft bekundeten. Erreicht wurde eine solche Zahl nie.

„Wir hätten uns mehr Unterstützung gewünscht“, gibt Ralf Sorgenfrei zu. Aber er sagt auch: „Wir haben es jetzt ein paar Jahre versucht, und es funktioniert nicht. Also hören wir auf. Man muss das businessmäßig sehen.“ Christian Schwinge ergänzt: „Das ist unternehmerisches Handeln. Und ich sehe auch das Positive: Die Kontakte, die wir bereits geknüpft haben, bleiben ja, und es gibt viele gute Erfahrungen.“

Ein Sommerfest an der Killesberghöhe hatte der HGV Nord im vergangenen Jahr auf die Beine gestellt, dazu Veranstaltungen für die Mitglieder, wie beispielsweise Besichtigungen des Polizeireviers Wolframstraße und der Stadtbibliothek am Mailänder Platz. Auf die Händler im neuen Einkaufszentrum Killesberghöhe hatte der Verein gehofft – jedoch vergeblich. „Die Gewerbetreibenden, für die eine Mitgliedschaft interessant sein könnte, beispielsweise am Killesberg, haben zurzeit noch andere Baustellen“, sagt Christian Schwinge. „Das ist verständlich.“

Bezirksvorsteherin bedauert das Ende des HGV Nord

Nun ist der Verein also aufgelöst. Rein formal muss er kraft Vorschrift noch ein Jahr bestehen bleiben, falls Gläubiger mit Forderungen antreten. Die werde es aber nicht geben, sagt Christian Schwinge. Offene Rechnungen gebe es keine, Mitgliedsbeiträge werden für 2014 keine mehr erhoben, und der Bund der Selbstständigen (BDS), in dem der Verein Mitglied ist, wird ebenfalls keine Zahlungen für 2014 einfordern. Das Kapital des HGV Nord, eine dreistellige Summe, soll dem guten Zweck zufließen, nämlich einem Hospiz in Stuttgart.

Als Scheitern mag Bezirksvorsteherin Andrea Krueger dies indes nicht bezeichnen. Sie war gemeinsam mit der städtischen Wirtschaftsförderung damals daran beteiligt, „das Kind aus der Taufe zu heben“, wie sie sagt. „Ich habe immer gesagt, dass ein HGV Nord sinnvoll wäre, um die Interessen der Händler und Gewerbetreibenden vor Ort zu vertreten“, sagt sie. Die Auflösung des Vereins sei bedauerlich. Aber man könne nichts erzwingen: „Es ist eine freiwillige Sache. Den Versuch war es aber trotzdem wert.“ Krueger hofft, dass die Interessenvertretung der lokalen Händler nun über den HGV Stuttgart-Stadt laufen kann – was nur funktioniert, wenn die Mitglieder des HGV Nord dem HGV Stuttgart-Stadt beitreten. Auch dies ist eine freiwillige Angelegenheit.