Handke-Uraufführung in Wien Es gibt keine glückliche Liebe

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Ein Mann, eine Frau. Das ist das ganze Personal von Peter Handkes Stück „Die schönen Tage von Aranjuez“. Jetzt wurde es in Wien bei den Festwochen uraufgeführt.

  Foto: Ruth Walz
  Foto: Ruth Walz

Wien - Ein Garten. Eine Terrasse.“ So steht es in der einzigen ausführlichen Regieanweisung gleich zu Anfang in Peter Handkes neuem Stück „Die schönen Tage von Aranjuez“. Hier sollen wir ein Paar sehen, „Mann“ und „Frau“, detaillierter wird Handke da nicht, obwohl er im Verlaufe des „Sommerdialogs“ sehr detailliert werden kann, zum Beispiel wenn es um Äpfel, genauer Frühäpfel, geht. Oder Johannisbeeren. Oder Spatzen. Aber dazu später.

Bei den Wiener Festwochen und im Akademietheater jedenfalls hat der uraufführende Regisseur (und Freund) Luc Bondy gleich gemerkt, dass er Handkes hübsch-hässlichen Szenen einer Nähe und Ferne zwischen zwei Geschlechtern, wie Handke sagen würde, nicht so einfach zu packen bekommt und schon gar nicht poetisch: im Ungefähren. Was also macht Bondy? Zieht sich dorthin zurück mit seinen Schauspielern Dörte Lyssewski und Jens Harzer, wo es vor und während einer Uraufführung gleichzeitig am sichersten und gefährlichsten ist – auf die Probebühne.

Das Bühnenbild ist von Handkes Tochter

Ein Theatervorhang von hinten. Ein Gartentisch, zwei Stühle, rot und grün. Eine Garderobenecke für den Mann, eine Rauchecke für die Frau. Eine improvisierte Toilette hinter einem Vorhang. Ein Gitarrenverstärker, aus dem die Musik kommt. Das leicht trashige Bühnenbild ist – so bleibt alles ein bisschen in der Familie – von Amina Handke, der Tochter aus seiner Ehe mit Libgart Schwarz. Mit dem Frauenbild ihre Vaters, sagt sie dem ORF, könne sie gleichwohl „gar nichts“ anfangen. Passenderweise geht es kaum um etwas anderes in „Die schönen Tage von Aranjuez“.

Handke nämlich nimmt hier einen Faden wieder auf, der sein Werk so stark durchwebt wie kaum ein anderer. Vom „Kurzen Brief zum langen Abschied“ bis zum Frauenmonolog „Bis der Tag Euch scheidet“, der szenischen Antwort auf Samuel Becketts „Letztes Band“, muss man seine Einlassungen zum immer möglichen „Paarkrieg“ ja stets auch lesen als fortgeschriebene Handke’sche Selbstporträts. Selbst wenn die Frau redet, hört man den Mann. Und ein Liebesfrieden ist selten in Sicht.

Das Stück probiert einen für Handke neuen Ansatz. Der Mann und die Frau nämlich haben eine Art Nichtangriffspakt geschlossen, und zumindest bis zur Hälfte der knapp zwei pausenlosen Stunden sind die Rollen klar verteilt: Dörte Lyssewski erzählt von Männern beziehungsweise vom Ur-Mann, dem ersten in ihrem Liebesleben, vom Verlust der großen Liebe, der Jugend und der Gefühle überhaupt. Jens Harzer fragt. Er ist mehr Medium als Individuum. Vorerst. Gut möglich, dass es einmal anders war – und die beiden schon ein Paar gewesen sind. Gut möglich aber auch, dass es noch einmal anders wird, und die beiden erst noch eines werden. „Wer macht den Anfang?“, sagt der Mann. „Du. So war es gedacht“, antwortet die Frau.