Die Wehmut steht Holger Munz ins Gesicht geschrieben. Zum 1. April schließen er und seine Frau Annette ihre Metzgerei in der Denkendorfer Schäfersteige. In dritter Generation betreibt der gelernte Metzgermeister das Familienunternehmen. Zuletzt war der Kostendruck aber zu hoch geworden.
Die Preise müssten um 30 Prozent erhöht werden
„Alles ist teurer geworden: Fleisch, Därme für die Wurst, Käse, Gemüse und auch die Nebenkosten. Ich müsste die Preise um 30 Prozent erhöhen“, sagt Holger Munz. Doch dies könne er seinen Kunden nicht zumuten. „Für die ist ja auch alles teurer geworden“, ergänzt Annette Munz. Man halte derzeit mit den Fremdenzimmern, dem Catering und dem Gasthof die Metzgerei am Leben. „Das rechnet sich einfach nicht mehr.“ Die 58-Jährige Chefin gesteht aber auch, dass die langen Arbeitstage und eine Sechs-Tage-Woche an die Substanz gehen. Früh morgens in die Wurstküche und bis weit nach Mitternacht in der Gastwirtschaft, so sahen die Tage des Ehepaars zumindest dann aus, wenn das Gasthaus geöffnet war oder Catering-Aufträge zu erfüllen waren. Letztlich aber waren es die Kosten, die die Familie dazu bewogen, ein paar Jahre früher als geplant aufzuhören. Denn ihre beiden erwachsenen Töchter haben andere berufliche Pläne. Um seine treue Kundschaft tue es ihm leid, sagt Holger Munz.
Fachkräftemangel und fehlender Nachwuchs, die manchen Kollegen zum Aufgeben zwingt, waren für den 55-Jährigen nicht entscheidend. „Wir hatten kein Personalproblem.“ Die sechs Verkäuferinnen haben alle bereits einen neuen Job, freut sich seine Frau. Doch der Metzgermeister weiß auch, dass sein Beruf lange nicht mehr so attraktiv ist, wie zu der Zeit, als er selbst seine Ausbildung absolvierte. Holger Munz: „Die Zahl der Lehrlinge hat rapide abgenommen.“ Auch er bekam zuletzt kaum noch Anfragen. Die harte körperliche Arbeit und die strengen Hygieneauflagen trügen wohl dazu bei.
Holger Munz hat beobachtet, wie schon vor der exorbitanten Steigerung der Kosten viele Metzgereien im Ort und der Umgebung schlossen. Dass das Image des Fleischkonsums angesichts der Auswirkungen auf den Klimawandel schlechter geworden ist, mag auch eine Rolle spielen, sagt Annette Munz. Auch in der Metzgerei Munz merkt man, dass der Fleischkonsum zurückgegangen ist. Die Kunden kauften weniger und auch bewusster, hat Holger Munz beobachtet. Ihm war es immer wichtig zu wissen, woher sein Fleisch kommt. Er bezog es ausschließlich von Bauern aus dem Ort oder der Region. Die meisten Tiere hat er selbst geschlachtet. Dafür hat er für sein Schlachthaus eine EU-Zulassung erworben. „Ich kenne das Vieh vom Stall bis zur Wurst.“ Das, was in der Metzgerei in der Theke liegt, hat Holger Munz überwiegend selbst hergestellt. Nur wenige Wurst- oder Schinkensorten kauft er zu. Täglich in der Wurstküche zu stehen, werde ihm fehlen, sagt er. „Ich bin in der Wurstküche groß geworden“, erzählt er. Und deshalb gehen in der Metzgerei Munz auch nicht ganz die Lichter aus. „Das würde mir viel zu schwerfallen. Aber ich werde nur noch kleinere Mengen produzieren“, kündigt Holger Munz an.
So will er weiter einen Hofladen beliefern und die Handballer des TSV können bei Heimspielen oder Festen auch künftig auf seine Produkte bauen. Für Catering und Gaststätte, in der er selbst am Herd steht, wird er sein Fleisch nun von den Landwirten und Metzgern beziehen, mit denen er schon bisher zusammengearbeitet hat. Und dann soll nach dem Sommer einmal in der Woche nachmittags der Laden öffnen mit einer kleinen Produktpalette und Getränken an Stehtischen nach dem Motto „After Work im alten Laden“.
Eine geregelte 40-Stunden-Woche wird es wohl doch nicht geben
Bisher ist der „Ochsen“ zweimal in der Woche und für Gesellschaften geöffnet. „Vielleicht machen wir künftig dreimal auf“, sagt Annette Munz, die den Service ganz alleine stemmt. „Ich mache die Arbeit dort sehr gerne, aber ich bin froh, wenn ich nicht mehr so stark eingespannt bin.“ Sie hofft, dann Zeit zu haben für Dinge, die bisher auf der Strecke geblieben sind. Ihr Mann vermutet jedoch, dass es auch nach der Schließung der Metzgerei nichts wird mit einer geregelten 40-Stunden-Woche.
Der Traditionsbetrieb besteht in dritter Generation
Besitzer
1936 kauften Holger Munz’ Großeltern Karl und Cilly Haberroth die Gastwirtschaft „Filderhöhe“ samt zugehöriger Metzgerei an der Schäfersteige. Umbauten und Erweiterungen folgten und 1951 wurde daraus „Gasthof und Metzgerei zum Ochsen“. 1971 übernahmen Alfred und Doris Munz den Betrieb, 1997 folgten Holger und Annette Munz.
Unternehmen
Neben der Metzgerei betreiben Holger und Annette Munz einen Catering-Betrieb sowie eine Gaststätte und Fremdenzimmer an der sogenannten „Ochsen-Kreuzung“ in Denkendorf. Diese Unternehmenszweige werden fortgeführt. Weitere Infos findet man unter www.ochsen-denkendorf.de.