Handystrahlung Wie gefährlich ist der neue Mobilfunk 5G?

Mit dem Handystandard 5G werden vor allem die Städte noch enger vernetzt als bisher – wozu noch mehr Sendemasten erforderlich sind. Foto: amesteohart/Adobe Stock

Derzeit werden die Lizenzen für den Standard 5G versteigert – was bei manchen Menschen Angst hervorruft.

Stuttgart - Der neue Funkstandard 5G kann deutlich mehr Daten übertragen als bisherige Mobilfunkstandards. Doch mit der Begeisterung wachsen auch die Bedenken: Belasten die Strahlen unsere Gesundheit?

 

Was ist 5G?

Der neue Mobilfunkstandard 5G gilt als weltverändernd: ganze Spielfilme in Sekunden herunterladen, neue Möglichkeiten für selbstfahrende Autos, intelligente Kühlschränke und sprachgesteuerte Assistenten. Bis 2025 sollen 99 Prozent der Haushalte in Deutschland vom 5G-Netz profitieren können. Alles soll miteinander vernetzt sein – mithilfe elektromagnetischer Felder, die allgegenwärtig sind, die aber niemand sehen, riechen oder schmecken kann. Das macht einigen Menschen Angst.

Wie läuft die Bieterauktion ab, und was hat der Staat davon?

Der Staat versteigert die Lizenzen zur Nutzung der neuen Frequenzen. Die Auktion begann am Dienstagmorgen. Die angemeldeten Bieter sind die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica (O2) und Drillisch. Sie geben vor Ort in dem Mainzer Technik-standort der Bundesnetzagentur Angebote für die 41 verschiedenen Frequenzblöcke ab. Das ist eine langwierige Sache – die vergangenen Auktionen dauerten drei bis sechs Wochen. Fachleute rechnen mit einem Erlös von drei bis fünf Milliarden Euro. Das Geld will der Bund in den Digitalausbau stecken, etwa in eine bessere Ausstattung von Schulen. Die geradezu legendären Einnahmen aus der ersten großen Mobilfunkauktion im Jahr 2000, als rund 100 Milliarden D-Mark flossen, dürften bei Weitem nicht erreicht werden.

Was ändert sich mit der Einführung der neuen Mobilfunkgeneration?

Die neue Technik arbeitet mit sehr hohen Frequenzen, deren Reichweite deutlich geringer ist als bei den bisherigen Antennen. In Berlin hat die Telekom darum bereits mehr als 50 neue Sendemasten aufgestellt, deutschlandweit sollen in diesem Jahr etwa 2000 weitere hinzukommen. Neben den klassischen Dachantennen werden künftig zudem Antennen für kleinere Zellen benötigt: „Diese Antennen, die sogenannten Small Cells, werden zwar auch schon im LTE-Netz eingesetzt, gewinnen aber bei 5G an Bedeutung und werden dann beispielsweise an Ampeln, Laternen, Litfaßsäulen, Bushaltestellen, Parksäulen, Verteilerkästen, Telefonsäulen oder Häuserfassaden angebracht sein“, heißt es bei der Telekom.

Wie schätzen Behörden und Experten die Gesundheitsgefahren ein?

„Bislang gibt es keine wissenschaftlichen Belege, dass Mobilfunkfelder ein gesundheitliches Risiko darstellen – vor allem innerhalb der gültigen Grenzwerte“, erläutert eine Sprecherin beim Bundesamt für Strahlenschutz. Die Strahlung, die von Sendemasten und Antennen ausgehe, sei in der Regel geringer als die des Mobiltelefons. Achim Enders, der Leiter des Instituts für Elektromagnetische Verträglichkeit an der Technischen Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, sieht das ähnlich: „Von einer neuartigen Gefährdungslage kann überhaupt keine Rede sein.“ Eine spezielle 5G-Angst sei im Vergleich zu den schon etablierten Techniken GSM, UMTS und LTE nicht angebracht. Dabei bezieht sich der Wissenschaftler auf die Grenzwerte der ICNIRP (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection) sowie auf die Grenzwerte der Bundes-Immissionsschutzverordnung.

Was sagen Studien über die Gefahren?

Als einzig bewiesene gesundheitsschädliche Wirkung von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern gilt bisher die Erwärmung des Gewebes. So bestätigte eine Studie um den Biologen Alexander Lerchl von der Bremer Jacobs University 2015 das Ergebnis einer zuvor durchgeführten Untersuchung des Fraunhofer-Instituts: Bei Mäusen, die nach der Gabe von Gift an Krebs erkrankt waren, wuchsen die Tumore unter ununterbrochener Mobilfunkstrahlung über Monate hinweg weitaus schneller als bei den Tieren, die keiner Bestrahlung ausgesetzt waren. „Das zeigt, dass Mobilfunkfelder die Ausbreitung bereits vorhandener Tumore verstärken“, so der Experte. Für die Annahme, dass Handystrahlung Krebs verursache, liefere die Untersuchung jedoch keine Hinweise. Dass sich Menschen beim Nutzen eines Smartphones einem ähnlichen Gesundheitsrisiko aussetzen, werde zudem mithilfe der geltenden Grenzwerte ausgeschlossen.

Was sagen Experten zu einer neuen Studie, wonach Handystrahlung krebserregend sein könnte?

Aufsehen erregte jüngst eine vom US-Gesundheitsministerium in Auftrag gegebene und im November 2018 veröffentlichte Studie. Dabei waren 7000 Ratten und Mäuse lebenslang täglich über neun Stunden der Mobilfunkstrahlung ausgesetzt. Im Ergebnis fanden sich Schäden in den DNA-Strängen der Hirnzellen bei Mäusen, außerdem entwickelten bestrahlte männliche Ratten signifikant mehr bösartige Tumore an den Nervenzellen des Herzmuskels als ihre nicht bestrahlten Artgenossen. Nach Ansicht des Bundesamts für Strahlenschutz liefert die US-Studie jedoch keine aussagekräftigen Belege, dass Handystrahlung das Krebsrisiko beim Menschen erhöht: „Das liegt insbesondere daran, dass die Ratten und Mäuse im Tierversuch am gesamten Körper deutlich höheren Strahlungsintensitäten ausgesetzt waren, als dies im Alltag beim Menschen der Fall ist.“ Auch Alexander Lerchl hält nichts von den Ergebnissen: „Wenn es solche Schäden gäbe, wären alle Menschen, die mit dem Handy telefonieren, schwerstens betroffen.“ Zudem wäre zu erwarten, dass die Zahl an Hirntumoren seit Einführung der Mobiltelefone gestiegen sei. „Aber das ist nicht so“, erläutert Lerchl.

Wird weiter geforscht?

Einigkeit besteht darüber, dass der Mobilfunk eine vergleichsweise junge Technologie ist. Das Bundesamt für Strahlenschutz hält weitere Forschung für notwendig und rät grundsätzlich zur Vorsorge: Bei der Auswahl eines Mobilfunkgeräts sollte zum Beispiel darauf geachtet werden, dass es möglichst strahlungsarm sei, also einen niedrigen SAR-Wert habe. Weiterhin empfiehlt das Amt: „Auf ausreichenden Abstand des Smartphones zum Körper achten und beim Telefonieren Freisprecheinrichtungen und Headsets nutzen.“

Technik: Wie funktioniert die Übertragung?

Für die drahtlose Übertragung von Daten werden im Mobilfunk hochfrequente elektromagnetische Felder genutzt. Die Maßeinheit für die Frequenz ist Hertz (Hz), sie gibt die Zahl der Schwingungen der Wellen pro Sekunde an.
Je breiter das Frequenzband, desto mehr Daten können übertragen werden. Das bisherige LTE- beziehungsweise 4G-Netz braucht Frequenzbänder von 20 bis 60 MHz (Megahertz), die 5G-Technik benötigt dagegen 100 MHz. Diese Bänder sind nur noch für höhere Frequenzen verfügbar, die zwar eine hohe Kapazität bieten, dafür aber eine geringere Reichweite haben.
Für die beim Mobilfunk in Deutschland bisher genutzten Frequenzen von 900 beziehungsweise 1800 MHz gelten für die elektrische Feldstärke Grenzwerte von 41 beziehungsweise 58 Volt pro Meter (V/m). Sie sollen sicherstellen, dass die Bevölkerung keiner gesundheitsschädlichen Strahlung aussetzt wird.

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