Hanna Steiner ist im Landratsamt die Leiterin des Amts für ÖPNV und Schülerbeförderung
Frau Steiner, dass die Stuttgarter den ÖPNV besser bewerten, dürfte wenig verwundern. Aber warum liegt der Rems-Murr-Kreis unter dem Schnitt der Gesamtregion?
Der Rems-Murr-Kreis zählt unter den dem VVS angehörigen Landkreisen zu den ländlichsten. In Kommunen mit geringeren Einwohnerzahlen werden gemäß der vom VVS in allen Kreisen gleich angelegten Kriterien weniger Busverbindungen angeboten. Insofern sind im Rems-Murr-Kreis mehr Menschen von solchen geringeren Anbindungsmöglichkeiten im ÖPNV betroffen, als in den urbaner geprägten Landkreisen der Region.
Wo sehen Sie in puncto ÖPNV die Stärken des Rems-Murr-Kreises?
Der Rems-Murr-Kreis geht im Rahmen der Antriebswende im ÖPNV mutig voran, etwa mit seiner Wasserstoff-Strategie. So soll im Landkreis eine Wasserstofftankstelle errichtet werden, deren Treibstoff mit „grünem“ Strom erzeugt wird. 2025 sollen die ersten Busse dort tanken und im Kreis unterwegs sein können. Eine weitere Stärke sind die vor Ort ansässigen mittelständischen Busunternehmen, die die örtlichen Gegebenheiten sehr gut kennen. Wenn diese auch bei der anstehenden Neuvergabe zum Zuge kommen, können wir damit rechnen, dass der ÖPNV auch in Zukunft weiterhin sehr gut funktionieren wird. Im Rahmen der zweiten Vergaberunde der Busverkehre versuchen wir vor allem über die Jahre aufgekommenen Detailfragen durch verkehrlich sinnvolle Umplanungen zu klären.
Unsere Umfrage zeigt – auch nicht überraschend – je ländlicher die Kommune, desto unzufriedener mit der ÖPNV-Anbindung. Außerdem gibt es ein Nord-Süd-Gefälle. Wie kann man Bürger in diesen Kommunen unterstützen?
Natürlich ist es uns ein riesiges Anliegen besonders den ländlichen Raum, bei dem richtigerweise noch das größte Potenzial besteht, zu fördern. In Zusammenarbeit mit den Kommunen soll zunächst im Rahmen des bereits bestehenden finanziellen Rahmens das Beste für die Bewohnerinnen und Bewohner der jeweiligen Kommunen herausgeholt werden. Durch flexible und innovative On-Demand-Verkehre sollen außerdem Möglichkeiten in der neuen digitalen Welt maximal genutzt werden. Dabei handelt es sich um flexible Verkehrsangebote, die digital per App, aber auch telefonisch buchbar sind. Die Shuttles in den Bediengebieten können dorthin bestellt werden, wo sie gebraucht werden, zu der Uhrzeit, zu der sie benötigt werden. So können in der Zukunft solche Kommunen besser angebunden werden.
Welche Einflussmöglichkeiten hat da der Rems-Murr-Kreis?
Der Landkreis ist zuständiger Aufgabenträger für den regionalen Busverkehr. Dementsprechend können wir in diesem Bereich einiges bewirken. Auf den in Aufgabenträgerschaft des Landes stehenden Schienenverkehr haben wir dahingehend keinen Einfluss.
Worauf hingegen muss man sich auf Dauer einstellen, wenn man etwa in Großerlach wohnt?
Durch die Fortschreibung des Nahverkehrsplans kann sich auch Großerlach in der zweiten Vergaberunde auf Angebotsverbesserungen freuen. Natürlich wird die Anbindung in absehbarer Zeit wohl aber nicht so sein wie in Waiblingen oder Fellbach.
Sind die Investitionen, die zurzeit in den ÖPNV gesteckt werden, Ihrer Einschätzung nach ausreichend?
Für den ÖPNV werden im Rems-Murr-Kreis mit die größten Haushaltsmittel ausgegeben, sodass diese auf jeden Fall als ausreichend betrachtet werden können. Im Hinblick auf Klimaschutz und Antriebswende werden diese in den nächsten Jahren jedenfalls nicht verringert werden.
Welche innovativen Konzepte zur Verbesserung der Mobilität könnten aus Ihrer Sicht eine Zukunft haben?
Die Zukunft wird weg vom Dieselbus hin zum Wasserstoff- und Elektrobus gehen. Dies wird die bedeutendste Veränderung der nächsten Jahre sein. Aber auch der immer größer werdende Anteil an On-Demand-Verkehren spielt eine Rolle. Ebenso das autonome Fahren wird bei uns im Landkreis schon durch das Pilotprojekt „Ameise“ verwirklicht. Autonomes Fahren könnte in Zeiten von Fahrpersonalmangel daher auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.
Zur Person
Privat
Hanna Steiner ist 29 Jahre alt und wohnt in Stuttgart.
Beruf
Die Juristin war nach dem Studium an der Universität Heidelberg zwei Jahre im juristischen Vorbereitungsdienst am Landgericht Stuttgart tätig. Seit diesem Jahr ist sie als Landesbeamtin abgeordnet in den Rems-Murr-Kreis als Amtsleiterin des Amts für ÖPNV und Schülerbeförderung.